Kommentar von Dr. Christian Gilcher, embraceableAI Bionic Reasoning – intelligente Denksysteme nach Vorbild der Natur

Von Dr. Christian Gilcher 3 min Lesedauer

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Die KI-Welt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Angetrieben von technologischen Fortschritten entwickeln sich die großen Sprachmodelle rasant weiter – weg von reinen Textgenerierungs- und Datenverarbeitungsmaschinen hin zu sogenannten Reasoning-Systemen, die in der Lage sind, menschliches Denken nachzuahmen.

Der Autor: Dr. Christian Gilcher ist CEO von embraceableAI(Bild:  embraceableAI)
Der Autor: Dr. Christian Gilcher ist CEO von embraceableAI
(Bild: embraceableAI)

Das ambitionierte Ziel: Intelligente Software-Systeme sollen künftig nicht nur Informationen verarbeiten, sondern komplexe Probleme analysieren, logisch denken, kritisch reflektieren und fundierte Entscheidungen treffen – Fähigkeiten, die im Konzept des „Advanced Reasoning“ gebündelt sind.

Doch Reasoning ist nicht gleich Reasoning. Die Modelle von OpenAI oder DeepSeek sind weiterhin sehr Ressourcen-intensiv, während gleichzeitig die Nachvollziehbarkeit und Zuverlässigkeit der Ergebnisse oft zu wünschen übriglassen. Gerade für europäische Unternehmen stellt sich hier die Frage, wie sie sich in diesem Wettstreit positionieren können – und ob der ressourcenintensive Weg der einzig gangbare ist.

Einen radikal anderen Denkansatz skizziert der KI-Forscher François Chollet (ehemals Google): „I believe that if you understood intelligence, you could build it in software form on a $1M budget, including training.“ Diese Vision bildet den gedanklichen Nährboden für unser Bionic Reasoning – einen Ansatz, der auf Effizienz und Ressourcenschonung setzt. Statt auf gigantische Modelle und Datenmengen zu vertrauen, orientiert sich Bionic Reasoning an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns und eröffnet gerade für Europa neue Chancen im globalen KI-Wettbewerb.

Eine ressourcenschonende Alternative

Die Alternative zum ressourcenintensiven Ansatz liegt in einer modularen Architektur mit einer eigenständigen Reasoning-Engine als technologisches Herzstück. Dieser Ansatz bietet die Möglichkeit, anspruchsvolles Reasoning auch mit vergleichsweise „einfachen“ Sprachmodellen wie z. B. Llama 3.3 70B zu praktizieren, obwohl das Modell selbst nur über sehr rudimentäre Reasoning-Fähigkeiten verfügt.

Unsere Reasoning-Engine übernimmt Aufgaben, die im menschlichen Gehirn das logischen Denkzentrum übernimmt. In Kombination mit dem Langzeitgedächtnis (= Knowledge Stores) und dem Sprachzentrum (= das KI-Sprachmodell) erweitert dieser Ansatz den Embedding Space von Tokens auf abstrakte Konzepte wie Gesetze, Normen und Compliance-Richtlinien.

Darüber hinaus bietet diese innovative Architektur weitere Vorteile: Sie ermöglicht echtes deduktives Schlussfolgern, das über rein statistische Ansätze hinausgeht, und gewährleistet durch „Supranominal Alignment“ nicht nur die Erkennung von Vorschriften, sondern auch das tiefere Verständnis ihrer zugrunde liegenden Ziele. Zudem bietet sie volle Erklärbarkeit und überwindet damit den Black-Box-Effekt marktüblicher Sprach- und Reasoning-Modelle. Ein weiterer entscheidender Pluspunkt ist der deutlich geringere Ressourcenverbrauch, der sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile mit sich bringt.

Wo Bionic Reasoning den Unterschied macht

Bionic Reasoning verbindet industrielles Fachwissen mit moderner Technologie und bietet Potenzial für verschiedene Anwendungsbereiche – von der automatisierten Bearbeitung einfacher E-Mails über präzise Fallanalysen bis hin zu komplexen industriellen Engineering-Prozessen.

Die Technologie zeichnet sich durch ihre branchenübergreifende Einsatzmöglichkeit aus und kann überall dort genutzt werden, wo Präzision, Verlässlichkeit und Effizienz gefragt sind. Dabei handelt es sich nicht um eine theoretische Zukunftsvision, sondern um einen Ansatz, der bereits in unterschiedlichen Szenarien erprobt wurde.

Insbesondere im industriellen Engineering, einer traditionellen Stärke der europäischen und deutschen Wirtschaft, lassen sich durch Bionic Reasoning Prozesse effizienter gestalten. Im Finanz- und Versicherungswesen unterstützt die Technologie nachvollziehbare Entscheidungen, die den Anforderungen an Transparenz und Auditierbarkeit entsprechen. Auch im öffentlichen Sektor ergeben sich Ansätze zur Optimierung von Verwaltungsprozessen und zur Reduzierung bürokratischer Aufwände. Der bionische Ansatz ermöglicht es, Prozesse in Wirtschaft und Verwaltung substanziell zu beschleunigen und neue Innovations- und Wertschöpfungspotenziale zu erschließen, die langfristig Nutzen stiften.

Zusammenarbeit aus menschlicher und künstlicher Intelligenz

Europa steht am Scheideweg: Die neue Ära des Advanced Reasoning bietet die Gelegenheit, technologische Eigenständigkeit zu stärken und im globalen KI-Wettbewerb eine prägende Rolle einzunehmen. Der Bionic-Reasoning-Ansatz kann hier zum entscheidenden Hebel werden – nicht nur, indem er die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen bei der Lösung komplexer Probleme grundlegend verändert, sondern auch, indem er neue Maßstäbe in puncto Effizienz, Transparenz und Ressourcenschonung setzt.

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Künftig wird es entscheidend sein, nicht nur einzelne KI-Tools einzusetzen, sondern ganzheitliche Systeme zu schaffen, die Denken, Entscheiden und Handeln nahtlos miteinander verbinden. Bionic Reasoning bildet genau dieses neuartige Hybrid aus menschlicher und künstlicher Intelligenz – eine Symbiose, die eine neue Dimension der Zusammenarbeit eröffnet und die Arbeitswelt grundlegend transformieren wird: hin zu einer Zukunft, in der menschliche Kreativität und maschinelle Präzision im Einklang wirken.

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