Kommentar von Marco Santos, GFT Technologies SE „Unternehmen scheitern an Regularien und fehlenden Ressourcen“

Ein Gastkommentar von Marco Santos 4 min Lesedauer

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Trotz hoher Investitionen gelingt deutschen Unternehmen die Wertschöpfung durch Künstliche Intelligenz oft nicht. Fehlende Ressourcen, Expertenwissen und strenge Regularien bremsen die Umsetzung. Nur wenige nutzen KI-Potenziale effektiv. Ein pragmatischer Ansatz mit kleinen, messbaren Schritten und aktivem Change-Management kann die Lücke schließen und echte Resultate liefern, so Marco Santos von GFT Technologies SE.

Der Autor: Marco Santos ist Global CEO & Geschäftsführender Direktor der GFT Technologies SE(Bild:  GFT)
Der Autor: Marco Santos ist Global CEO & Geschäftsführender Direktor der GFT Technologies SE
(Bild: GFT)

„Wir investieren in die Technologie, aber wo bleibt die Wertschöpfung?“ Wie eine Bitkom-Studie zeigt, ist die überwiegende Mehrheit der Befragten (73 Prozent) vom Impact der Technologie überzeugt. 74 Prozent der Unternehmen planen massive KI-Investitionen – die Frage ist nur: Wie zahlen sich diese Investitionen am Ende aus? Denn Fakt ist auch: nur 24 Prozent der Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern sind in der Lage, die Potenziale von Künstlicher Intelligenz bereits gut zu nutzen,

„Mit die größte Herausforderung, so belegen es auch Studien, sind fehlende Ressourcen und Expertenwissen“, so Marco Santos, CEO des Stuttgarter Softwareunternehmens GFT Technologies SE. „Ein gutes Verständnis nicht nur für die Technologie, sondern auch für das Geschäft der Anwender spielt beim Einsatz von KI eine entscheidende Rolle. Fehlende Praxiserfahrung vieler Anbieter stellt ein echtes Hindernis dar – Erfahrungswissen spielt eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung, ob ein Unternehmen eine Technologie nutzt, so auch eine Studie des VDI. Hinzu kommt die notwendige Datenqualität, die es für den Einsatz von KI braucht, die richtigen Use Cases oder die korrekte Umsetzung der Regularien. Viele Unternehmen sind in diesen Bereichen längst nicht so weit, mit KI auch wirklich mehr Umsatz zu generieren oder neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Und das trotz massiver Investitionen in die neuen Technologien.“

Stichwort Regularien: Gerade mal fünf Prozent der Unternehmen haben bisher einzelne Vorgaben des EU Data Act umgesetzt – und ihnen bleibt Zeit bis zum 12. September 2025, um die Vorgaben zu erfüllen. Das bedeutet zunächst einmal einen hohen zeitlichen Aufwand, so Bitkom: 32 Prozent sprechen von einem sehr hohen Umsetzungsaufwand, 34 Prozent von einem eher hohen. Drei Viertel (75 Prozent) dieser Unternehmen sagen, dass durch die Umsetzung des Data Act die Zeit für Innovationen fehlt. Und der Großteil (90 Prozent) fühlen sich von den vielen neuen Gesetzen und Anforderungen überfordert.

„Wir schließen die KI-Implementierungslücke“

Das Potenzial von KI auf die Straße zu bringen, ist also alles andere als trivial. „Viele Unternehmen haben überzogene Erwartungen an KI, andere sind erschlagen vom Ausmaß der Möglichkeiten oder ihnen fehlt, wie bereits beschrieben, die notwendige Praxiserfahrung, die es braucht, um echte Ergebnisse zu erzielen. Das Ergebnis ist eine KI-Implementierungslücke.“, so Santos. Die rasante Verbreitung von KI wird den Wettbewerb weiter verschärfen und die IT-Branche in allen Bereichen neu definieren, einschließlich kundenspezifischer Softwareentwicklung, Daten- und Legacy-Modernisierung, unabhängiger Softwareanbieter (ISVs) und KI-Anwendungen selbst. Infolgedessen werden eine vertrauenswürdige Beratung und die messbare Bereitstellung von KI wichtiger denn je.

Deutschland auf dem Weg zur datengetriebenen Wirtschaft?

Der Status quo in deutschen Unternehmen spiegelt also aktuell nicht die ambitionierten Ziele wider, denn die Wirtschaft will Datennutzung massiv ausweiten: In zwei Jahren will knapp jedes zweite Unternehmen stark vom datengetriebenen Geschäft profitieren. „Sollen datengetriebene Geschäftsmodelle kurz- und mittelfristig für Wachstum und Wohlstand sorgen, müssen die Daten mit KI verknüpft werden. Denn nur so bringen sie wirklich Nutzen. Jetzt kommt es darauf an, die richtigen KI-Lösungen zu finden und schnell und rechtssicher im Unternehmen zu implementieren, denn so erreicht man echte, messbare Ergebnisse“, so Santos.

Der Weg zum Erfolg: Kleinere Schritte, schnellere und messbare Ergebnisse

Ein konkretes Anwendungsbeispiel für den Einsatz generativer KI-Produkte, das schnell zählbare Ergebnisse liefert und die Teams maßgeblich entlastet, ist die Dokumentation von Legacy Code – eine bei Programmierern in der Regel nicht sonderlich beliebte Aufgabe. Für eine globale Top-Tier Investmentbank haben wir ein Dokumentationsprojekt durchgeführt, das mit herkömmlichen Methoden rund 160 Stunden gedauert hat – mit KI-Unterstützung aber nur acht. Die Einsparung betrug also 95 Prozent – weit über dem zu Beginn erwarteten Ergebnis von 70 Prozent. Mit KI können Unternehmen die Entwicklung und Modernisierung ihrer Software also deutlich beschleunigen, ohne das Budget erhöhen zu müssen. Weitere Anwendungsbereiche sind etwa eine schnellere Betrugserkennung und effizientere Schadensabwicklung bei Banken und Versicherungen oder eine automatisierte visuelle Inspektion in der industriellen Qualitätskontrolle. Generell sind mit dem gezielten Einsatz von KI eine signifikante Erhöhung der Produktivität über alle Phasen des gesamten Softwareentwicklungs-Lebenszyklus möglich, eine wesentlich schnellere Umsetzung zeitintensiver Entwicklungsschritte sowie eine deutliche Verkürzung der Projektzeit bei der Automatisierung von Legacy-Systemen.

KI bedeutet mehr Effizienz, Schnelligkeit und Qualität. Viele Unternehmen sind technologisch ins Hintertreffen geraten und möchten diese Lücke durch KI schnell schließen. Es geht beim Thema KI also auch um eine technologische Aufholjagd. Um schnell erste Erfolge zu erzielen, sollten Unternehmen einen pragmatischen Ansatz verfolgen: Mit kleinen, messbaren Schritten anfangen und darauf aufbauen, denn die KI-Transformation ist vor allem ein Lernprozess, eine Reise. Und wie jede tiefgreifende Transformation betrifft sie natürlich nicht nur die Technologie – sondern auch die Menschen. KI verändert Denkweisen, Zusammenarbeit und Entscheidungsprozesse. Dieser kulturelle Wandel muss aktiv von der Führungsebene begleitet werden. „Ohne gutes Change-Management bleiben auch die besten Tools wirkungslos“, so Marco Santos.

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