Interview

Stadt der unendlichen Möglichkeiten

| Autor: Susanne Ehneß

Die Leuchte mit LED-Modul, Treiber, Sensor und drahtlosem Knotenpunkt bildet das optimale IoT-Gerät einer Smart City, meint Dr. Piotr Dudek
Die Leuchte mit LED-Modul, Treiber, Sensor und drahtlosem Knotenpunkt bildet das optimale IoT-Gerät einer Smart City, meint Dr. Piotr Dudek (© parallel_dream - stock.adobe.com)

Smart City ist bereits ein geläufiger und häufig eingesetzter Begriff: Er beschreibt eine intelligent vernetzte, energieeffiziente und nachhaltige Stadt – stets verbunden mit neuen, innovativen Technologien, die das Leben in Großstädten lebenswert gestalten. Dr. Piotr Dudek, Segment Manager Outdoor & Industry bei Tridonic, erläutert im Gespräch, was eine Smart City für ihn genau auszeichnet und welche ausschlaggebende Funktion Licht in Smart Cities übernehmen kann.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Smart City?

Dudek: Eine Smart City unterstützt – laut meinem Verständnis – seine Bewohner und begleitet sie regelrecht im Alltag: egal ob auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder bei der Parkplatzsuche. Auch Besuchern und Touristen erleichtert sie es, die neue Stadt zu entdecken und sich in der fremden Umgebung zurechtzufinden.

Grundsätzlich geht es bei einer Smart City darum, Daten mit Technologien zu verknüpfen und das Leben dadurch angenehmer zu ­gestalten sowie die Komplexität von Großstädten zu reduzieren. Ich spreche daher gerne auch von einer „Liveable City“, denn das Ziel ist es, mehr Lebensqualität zu erzeugen.

Der Trend zur Urbanisierung und die dadurch entstehenden Mega-Cities sind ausschlaggebend dafür, dass die Anziehungskraft von Metropolen weiter anhält. Gleichzeitig steigen damit aber auch Probleme wie Platzmangel, Luftverschmutzung und Staus ­kontinuierlich an. Daher ist es nun auch an der Zeit, die Vision Smart City mit frischen Ideen ­umzusetzen.

Welche Trends werden bei der infrastrukturellen Weiterentwicklung von Städten entstehen?

Dudek: Für eine nachhaltige Zukunft erlangt Lebensqualität in Städten immer mehr an Bedeutung. Unter Lebensqualität verstehe ich eine lebendige Gesellschaft, eine gesunde Ökonomie, eine stimmige Zukunftsvision und eine sichere, florierende Umgebung.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt bei der infrastrukturellen Entwicklung ist folgender: Bisher ist das Stadtbild oftmals von Inselstrukturen geprägt. Einzelne Problemstellungen werden auf Basis von organisatorischen Zuständigkeiten oft losgelöst von anderen Bereichen betrachtet: So erfolgt die Parkraumplanung zum Beispiel häufig weitgehend unabhängig von der Gestaltung der Beleuchtungsinfrastruktur.

In Zukunft werden diese einzelnen, isolierten Bereiche miteinander vernetzt. Mithilfe digitaler ­Konzepte auf Basis offener Schnittstellen werden verschiedene Smart-City-Systeme kombiniert.

Hinzu kommt die folgende Entwicklung: Städte gründen neue ­Abteilungen, die sich mit dem ­Thema Digitalisierung beschäftigen und für die Vernetzung sowie für die Entwicklung von Masterplänen für die Stadt der Zukunft verantwortlich sind.

Welche Rolle spielen denn Lichtmasten in Ihrer Vision der „Liveable City“?

Dudek: Licht stellt die perfekte ­Infrastruktur und Basis für ein ­erfolgreiches Internet der Dinge dar – und somit auch für die „Liveable City“. Denn Beleuchtung ist zentraler Bestandteil in allen städtischen Infrastrukturen.

Förderlich dafür ist auch der Trend, dass Städte den Besitz und Betrieb von Lichtmasten wieder überwiegend selbst übernehmen. Leuchten sind in Städten durchgängig platziert – auf Fußwegen und in Straßen, Fußgängerzonen, Plätzen, Parks, Wartezonen von öffentlichen Verkehrsmitteln und natürlich in Gebäuden. Sensoren, die als Datensammler des Internets der Dinge fungieren, können in Leuchten leicht integriert werden: Platz ist vorhanden und die Positionen der Leuchten sind perfekt, um Daten zu sammeln. Zudem sind die Leuchten bereits mit Strom versorgt. So bildet die Leuchte mit LED-Modul, Treiber, Sensor und drahtlosem Knotenpunkt das optimale IoT-Gerät der Smart City.

Städte müssen lebenswert bleiben
Städte müssen lebenswert bleiben (© Taras Vyshnya - stock.sdobe.com)

Welche Probleme haben Städte, die sich zu Smart Cities entwickeln wollen?

Dudek: Die größte Schwierigkeit im Markt liegt darin, das richtige Business-Modell zu identifizieren und passend dazu den Ausschreibungsprozess zu entwickeln. Ausschlaggebend dafür ist, dass die Anbieter den Kommunen ihre innovativen Ideen in einer einfachen, offenen und verständlichen Art und Weise nahebringen.

Hinzu kommt, dass die verschiedenen Smart-City-Anwendungen oftmals nicht miteinander kom­patibel sind. Das heißt, die meisten Anbieter haben proprietäre Systeme.

Die Herausforderung der Stadtplaner ist es daher, die Funktionen verschiedener Systeme miteinander zu kombinieren und die gewünschten Schnittstellen auf Basis offener Standards zu verankern. Hierzu bedarf es einer Beratung der Kommunen, welche technischen Möglichkeiten es gibt und welche Risiken dabei auf die ­Kommunen zukommen.

Was kann Kommunen dabei unterstützen, ihre Stadt problemlos „intelligent“ zu machen?

Dudek: Ziel einer jeden Smart ­City ist, vor allem die Komplexität zu reduzieren und die Prozesse einfach zu verwalten. Daher ist es wichtig, eine Brücke vom gewünschten Nutzen zu den technischen Features zu bauen.

Um die Vision einer intelligent ­vernetzten Stadt Wirklichkeit ­werden zu lassen, sind ausgewählte Partner notwendig, die in das Projekt eingebunden sind. Nur so kann eine optimale Lösung ent­stehen – am besten basierend auf offenen Standards und beliebig skalierbar für zukünftige Verän­derungen.

Mit welcher Smart-City-Anwendung beschäftigen Sie sich aktuell?

Dudek: Aktuell entwickeln wir mit Partnern den Parkplatz der Zukunft. Hierbei wird es möglich sein, mit Sensoren genau zu ermitteln, ob ein Parkplatz frei oder wie lange er noch belegt ist. Im System ist dabei auch hinterlegt, wie groß der Parkplatz ist und ob es sich etwa um einen Behindertenparkplatz oder eine Stellfläche mit Lade­säule für E-Mobility handelt. Die Analyse der gesammelten Daten ermöglicht dabei eine vorausschauende und präzise Vorhersage über freie Parkplätze.

Weitergedacht erhalten Autofahrer zukünftig eine auf aktuellsten Daten basierende Information über einen freien Parkplatz, der für die gewünschte Parkdauer sowie die Fahrzeuggröße und -art infrage kommt.

Der Autor: Dr. Piotr Dudek
Der Autor: Dr. Piotr Dudek (© Tridonic/walser-image.com)

Gibt es weitere Anwendungen, die auch Aspekte wie Sicherheit und Energiesparen abdecken?

Dudek: Ja, zum Beispiel das ­Konzept „Adaptive Road Lighting“, also eine Straßenbeleuchtung der Zukunft. Diese passt sich automatisch an die jeweiligen Bedürfnisse an: Nachts wird die Beleuchtungsstärke heruntergefahren, um Energie zu sparen, und nur bei ­Bewegung – erkannt über eingebaute Sensorik – erhöht. Die ­Sicherheit von Passanten oder Fahrradfahrern wird jederzeit ­gewährleistet.

Heute lassen sich bereits Beleuchtungen ganzer Straßenzüge ab­hängig von Bewegungsströmen, Verkehrsaufkommen oder Wetterlage dynamisch anpassen.

Dr. Piotr Dudek ist Segment Manager bei Tridonic.

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