KI als Lösung aller Probleme? Sollten wir KI unsere Probleme lösen lassen – auf Kosten des CO₂-Fußabdrucks?

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Es klingt ein wenig nach der Frage, was zuerst da war: die Henne oder das Ei? Ex-Google-CEO Eric Schmidt glaubt, dass wir unsere Klimaschutzziele ohnehin nicht erreichen würden. Warum dann also nicht die Künstliche Intelligenz (KI) von der Energiespar-Leine lassen, um das Problem für uns zu lösen?

Sollte man den Energiekonsum von KI nicht einschränken, um den Energiekonsum von KI zu lösen?(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Sollte man den Energiekonsum von KI nicht einschränken, um den Energiekonsum von KI zu lösen?
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

In Zeiten, in denen das Einsparen von CO₂ auf der Roadmap der meisten Unternehmen und Regierungen steht, klingt die These von Ex-Google-CEO Eric Schmidt gewagt – aber nicht vollkommen weltfremd. Im Rahmen einer Veranstaltung des Special Competitive Studies Project, einer Denkfabrik zu KI- und Sicherheitsthemen, sagte Schmidt, dass er nicht damit rechne, dass wir den Energiehunger von Künstlicher Intelligenz bewältigen könnten und uns gleichzeitig an die selbst gesteckten CO₂-Ziele halten.

„Wir werden die Klimaziele ohnehin nicht erreichen, weil wir nicht dafür organisiert sind – und der Weg dorthin führt über die Wege, über die wir jetzt sprechen – und ja, der Bedarf in diesem Bereich wird ein Problem sein. Aber ich setze lieber darauf, dass die KI das Problem löst, als sie einzuschränken und das Problem zu haben, wenn Sie meinen Plan sehen“, so Schmidt auf Nachfrage des Moderators.

Sprich: Entweder wir sparen beim, in Schmidts Augen unendlichen, Energieverbrauch von Künstlicher Intelligenz und erreichen nicht die Klimaziele. Oder, salopp formuliert, wir stoppen die Limitierungen, die durch die Bestrebungen nach einem verringerten CO₂-Fußabdruck entstehen, und lassen KI damit gewissermaßen von der Leine, um das Problem mithilfe der KI zu lösen.

Klimaziele ignorieren?

Angesprochen auf die drei Forderungen, die Schmidt stellen würde, kristallisiert sich dessen These heraus: Wir können nur gewinnen, wenn wir KI ihre Probleme lösen lassen. Schmidt fordert mehr Strom, der vorhersehbar und grundlastähnlich ist, und das am besten sofort. Des Weiteren benötigen die KI-Unternehmen mehr Standorte. „Im Gegenzug verspricht Schmidt, dass diese KI-Unternehmen die Energieerzeugungssysteme um mindestens 15 Prozent effizienter oder vielleicht sogar noch besser machen werden“, berichten die Autoren von „Tom's Hardware“.

Das klingt spannend, aber können wir wirklich damit rechnen, dass uns die KI auf diesem Wege weiterhilft und dass es nicht zu unvorhersehbaren Flaschenhälsen kommt, die diesen Fortschritt hemmen? Gewiss ist es nicht der sinnvollste Weg, Schmidts Ideen von vornherein wegzuwischen und dem Prinzip „more of the same“ zu folgen, wenn sich tief gehend und nachhaltig etwas ändern soll.

Das Jevons-Paradoxon

Jowi Morales von „Tom's Hardware“ gibt allerdings ebenfalls das Jevons-Paradoxon zu bedenken. Dabei handelt es sich um eine Beobachtung aus der Ökonomie von William Stanley Jevons. In seinem 1865 erschienenen Buch „The Coal Question“ stellt Jevons fest, dass sich der Kohleverbrauch Englands mit der Einführung effizienterer kohlebefeuerter Dampfmaschinen nicht verringert, sondern erhöht hat. Der Grund: Die Dampfmaschine, die die Energie aus der Kohle effizienter umsetzen konnte, kam verbreitet zum Einsatz, wodurch insgesamt betrachtet der Kohleverbrauch stieg.

Angewandt auf den aktuellen Energieverbrauch Künstlicher Intelligenz bedeute das also, dass von der KI entwickelte Einsparungspotenziale weniger den Effekt hätten, unsere Klimaziele zu erreichen, sondern Energie günstiger zu machen. Das wäre natürlich wiederum ein Vorteil für die Weltwirtschaft und die Bevölkerung im Allgemeinen. Die Klimaprobleme allerdings würden so möglicherweise weniger gelöst.

Die Frage, ob man nun die Kapazitäten von KI verknappt oder aggressiv steigert, erscheint wie eine zweischneidige Klinge. Vielleicht sollten wir KI nach einer Antwort fragen. Die Entscheidung sollten wir wohl eher selbst treffen, zumal wir nicht wissen können, ob Künstliche Intelligenz wirklich intelligent genug ist.

Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS.

(ID:50205849)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Big Data, Analytics & AI

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung