Genpact und HFS Research haben eine Studie über den Einsatz von Generativer KI (GenAI) bei Unternehmen in Deutschland und weltweit durchgeführt. Derzufolge bleiben zwei Jahre Zeit, um das volle Potenzial von GenAI auszuschöpfen, bevor Wettbewerbsnachteile entstehen können.
Wer die nächsten zwei Jahre nicht für die Einführung von generativer KI nutzt, verliert den Anschluss zum Wettbewerb.
Laut der Studie, für die u. a. 70 Führungskräfte aus Deutschland befragt wurden, stehen die meisten globalen Unternehmen noch am Anfang ihrer GenAI-Reise. Dennoch investiert die große Mehrheit bereits signifikant in die Nutzung und Integration von GenAI und erwartet innerhalb der nächsten zwei Jahre sämtliche Vorteile daraus zu ziehen. Daher wird es umso wichtiger, den Anschluss nicht zu verlieren.
Die verschiedenen Stufen der GenAI-Entwicklung
Die Studie unterteilt die Unternehmen auf globaler Ebene in vier Entwicklungsstufen, die den Umfang ihrer Investitionen und GenAI-Einführung darstellt:
Die Pioniere (5 %) nehmen eine Vorreiterrolle bei der Integration von Generativer KI ein und setzen neue Maßstäbe. Sie gehen davon aus, dass sich der Einsatz von GenAI positiv auf ihr Wachstum auswirkt und so zu höheren Marktanteilen und Wettbewerbsvorteilen führt.
Die Fast Follower (27 %) setzen GenAI strategisch ein, um Effizienzsteigerungen zu erzielen und insbesondere die Kundenerfahrung zu verbessern.
Die Unentschlossenen und Beobachter (45 %) haben noch nicht in GenAI-Lösungen investiert. Sie verfolgen die Marktentwicklung und betrachten KI vor allem unter dem Gesichtspunkt der Effizienz- und Produktivitätssteigerung.
Die Verweigerer (23 %) stehen GenAI skeptisch gegenüber und verpassen potenzielle Innovationen. (Diese Gruppe ist nicht in diesem Bericht abgebildet)
Für Unternehmen, die GenAI einführen und nutzen, um einen unternehmerischen Mehrwert zu schaffen, wird deutlich, dass ein großer Hebel darin liegt, ihre KI-Strategien direkt mit Wachstum, Kundenbindung und Wettbewerbsvorteilen zu verbinden. Um die Vorteile von GenAI in vollem Umfang nutzen zu können, ist es jedoch notwendig, GenAI über die reinen Produktivitätssteigerungen hinaus zu betrachten.
Doch die Zeit drängt: Unternehmen sollten schnell und entschlossen handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren und in einer von generativer KI geprägten Welt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Deutsche Unternehmen investieren gezielt in Generative KI
Die Studie zeigt, dass 42 Prozent der deutschen Führungskräfte bereit sind, zwischen fünf und zehn Prozent ihres gesamten Technologiebudgets für Generative KI aufzuwenden. Weitere 29 Prozent planen sogar zwischen elf und 20 Prozent in diesen Bereich zu investieren, was einen verhältnismäßig sehr hohen Betrag darstellt. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass deutsche Unternehmen fest davon überzeugt sind, in generative KI zu investieren, obwohl diese Technologie noch relativ jung ist.
Etwa die Hälfte der Firmen schichtet dafür Mittel aus anderen Bereichen um, insbesondere aus der IT-Infrastruktur und Softwareentwicklung. Dazu gehören z. B. Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, Einzelhandel und der Hightechindustrie. Im Gegensatz dazu bevorzugen der Banken- und Kapitalmarktsektor sowie der Versicherungssektor, zusätzliches Budget für ihre KI-Initiativen bereitzustellen. Hier liegt der Anteil der deutschen Befragten, die zusätzliche Mittel investieren, bei 53 Prozent.
Gleichzeitig beabsichtigen 41 Prozent, die erwarteten Effizienzgewinne – beispielsweise durch Einsparungen in der Softwareentwicklung – in generative KI zu reinvestieren.
„Deutsche Unternehmen haben bereits seit jeher signifikant in Künstliche Intelligenz investiert, lange bevor das Thema in den vergangenen zwei Jahren eine derart starke Dynamik entwickelt hat“, kommentiert Rainer Majcen, CEO von Genpact, Deutschland. Der Fokus von deutschen Unternehmen liegt jedoch nicht darauf, selbst Anbieter von KI-Lösungen zu werden, sondern vielmehr möglichst viele eigene Mitarbeiter zu erfolgreichen Anwendern von KI zu machen. In Deutschland verfügen wir über eine lange Tradition Werkzeuge effektiv einzusetzen. Diesen Ansatz sollten wir auch in Bezug auf generative Künstliche Intelligenz weiterverfolgen.“
Die Technologie allein reicht nicht aus
Deutsche Führungskräfte stehen vor drei wesentlichen Herausforderungen:
1. Die Erstellung eines strukturierten Plans für den Einsatz und die Investitionen in generative KI.
2. Den Fachkräftemangel kreativ zu adressieren.
3. Die Sicherstellung hoher Datenqualität durch eine im Alltag praktikable Datenstrategie.
Die Studie verdeutlicht, dass GenAI nicht nur als reines Technologiethema betrachtet wird. 57 Prozent der deutschen Führungskräfte sind überzeugt, dass die Kombination von Business- und Technikfähigkeiten für den erfolgreichen Einsatz von generativer KI entscheidend ist.
Dies zeigt sich auch bei der Auswahl ihrer Partnerunternehmen: Zwar ordnen 40 Prozent der Befragten Technologie- und Datenanbieter unter den drei wichtigsten Partnern für ihre GenAI-Reise ein. Gleichermaßen halten aber 43 Prozent der deutschen Führungskräfte Firmen für wesentlich, die sowohl IT-Lösungen als auch Business- und Beratungsdienstleistungen anbieten.
Viele Unternehmen können heutzutage nicht mehr die notwendige Expertise aufbauen, um sich dem Thema generative KI allein erfolgreich zu widmen. Stattdessen bevorzugen sie Partner, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Dementsprechend ist die Etablierung von generativer KI weniger als die Einführung einer Technologie zu verstehen, sondern vielmehr als ein neues Paradigma, das zahlreiche, tiefgreifende Veränderungen vor allem in der Unternehmenskultur nach sich zieht.
Über die Studie
Die vorliegende Studie basiert auf einer Umfrage unter 550 Führungskräften weltweit. Die befragten Branchen umfassen Banken und Kapitalmärkte, Versicherungen, das Gesundheitswesen, Life Sciences, die Konsumgüterindustrie und den Einzelhandel, die Fertigungsindustrie und den Hightechsektor. Alle teilnehmenden Unternehmen haben einen jährlichen Umsatz von mindestens einer Mrd. US-Dollar. Die Verteilung der Befragten nach Ländern ist wie folgt: Nordamerika (41 %), Europa (38 %, davon 13 % bzw. 70 Befragte aus Deutschland), Asien-Pazifik-Raum (21 %)
Stand: 08.12.2025
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