Viele digitale Vorreiterstädte in Deutschland veröffentlichen kommunale Daten als „Open Data“. Der neue Musterdatenkatalog schafft erstmals einen Überblick über die Daten, die Kommunen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.
Daten sind immaterielle Güter. Man kann sie verkaufen, lizenzieren, aber auch einfach zur weiteren Nutzung kostenlos zur Verfügung stellen. Letzeres ist die Idee von Open Data.
Der Digitalverband Bitkom hat angesichts der aktuellen Coronakrise angemahnt, die bei Verwaltung und staatlichen Stellen vorhandenen Daten grundsätzlich besser für Unternehmen und die Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Dazu hat der Verband ein Positionspapier – „10 Punkte für Open Government Data“ – veröffentlicht.
„Bitkom setzt sich schon seit langem für eine umfassende Open-Data-Strategie ein. Die Corona-Pandemie zeigt, wie bedeutsam es in vielen Lebensbereichen ist, über aktuelle und umfassende Daten zu verfügen und diese auch nutzbar zu machen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Daten sind von entscheidender Bedeutung und ein bedeutender Wettbewerbsfaktor, wenn wir gesellschaftliche Herausforderung mithilfe von digitalen Technologien wie Künstlicher Intelligenz oder Blockchain lösen wollen. Insbesondere Start-ups haben bewiesen, dass sie mit kostenlos bereitgestellten Daten rasch innovative Lösungen entwickeln können – dies müssen wir dringend weiter ausbauen. Der Staat sollte eine Vorreiterrolle einnehmen und mit Open Government Data voranschreiten.“
Musterdatenkatalog startet mit Datensätzen aus NRW
Immerhin: Jetzt ist man einen Schritt weiter gekommen in Sachen Open Governement Data. Es gibt seit kurzem einen sogenannten Musterdatenkatalog, der nun erstmals eine Übersicht darüber liefert, welche nicht personenbezogenen Datenbestände die Städte und Gemeinden öffentlich bereitstellen.
Der Onlinekatalog ist in Zusammenarbeit zwischen dem Datenportal GovData, der Open Knowledge Foundation, dem KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung sowie der Bertelsmann Stiftung entstanden. Zum Start beinhaltet er die allgemein zugänglichen Datensätze der Kommunen in Nordrhein-Westfalen.
„Wenn kommunale Daten aus Bereichen wie Verkehr, Umwelt oder Wirtschaft mit der interessierten Bevölkerung, den ansässigen Unternehmen oder zivilgesellschaftlichen Akteuren geteilt werden, verspricht das einen großen Mehrwert“, erklärt Mario Wiedemann, Kommunal-Experte bei der Bertelsmann Stiftung.
Auf Basis der Daten ließen sich zum Beispiel Anwendungen entwickeln, die die Trinkwasserqualität in einer Kommune darstellen oder Apps, die mit offenen Verkehrsdaten Informationen über eine bestmögliche Kombination von Verkehrsmitteln liefern. „Der Einsatz von Open Data ist daher auch eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung zur ‚Smart City‘, also zu einer Stadt, in der viele Bereiche des öffentlichen Lebens vernetzt und mit digitalen Anwendungen angereichert sind“, so Wiedemann.
Kategorisierung der Daten nach Themenbereichen
Bisher fehlte eine gute Übersicht darüber, welche Daten von Städten und Gemeinden veröffentlicht werden. Akteure, die offene Daten über eine einzelne Kommune hinaus nutzen wollten, mussten viel Zeit aufwenden, um sich einen Überblick zu verschaffen. Ebenso bekommen Kommunen bisher nur schwer eine Übersicht, welche Daten sich zur Veröffentlichung als Open Data eignen.
Was sind offene Daten?
Hinter dem Begriff „offene Daten“ (englisch Open Data) verbirgt sich ein einfaches Konzept: Daten sind dann offen, wenn es keine rechtlichen, technischen oder sonstigen Kontrollmechanismen gibt, die den Zugang, die Weiterverarbeitung und die Weiterverbreitung dieser Daten einschränken. Der Zugang, die Weiterverarbeitung und die Weiterverbreitung soll jedermann und zu jeglichem Zweck, auch kommerziellem, ohne Einschränkungen und Diskriminierung und ohne Zahlung von Gebühren möglich sein.
Der Begriff offene Daten schließt Daten aus Wissenschaft und Forschung mit ein, dennoch wird er heute oft synonym für „Open Government Data“ verwendet, also für „offene Daten der öffentlichen Verwaltung“ oder kurz „offene Behördendaten“. Offene Behördendaten spielen eine wichtige Rolle im Prozess der Öffnung von Regierung und Verwaltung, der als Open Government bezeichnet wird. Open Data: Weiterführende Informationen
Mit dem Musterdatenkatalog schließen die Bertelsmann Stiftung und die weiteren Projektpartner nun diese Lücke. Der Katalog verweist auf alle offenen Daten, die von Kommunen in Nordrhein-Westfalen auf dem Open.NRW-Portal veröffentlicht werden. Er beinhaltet nicht die Daten selbst, sondern kategorisiert die Daten und verweist auf ihre Quelle in den Kommunen.
Der Musterdatenkatalog ordnet die Datensätze rund 60 verschiedenen kommunalen Themenbereichen zu. Akteure mit Interesse an Open Data können sich dank des Katalogs zum Beispiel alle offenen Daten einer Kommune anzeigen lassen oder die offenen Daten unterschiedlicher Kommunen zu einem bestimmten Thema. Dies erhöht die Vergleichbarkeit und kann gleichzeitig Anreize für Kommunen schaffen, weitere Daten bereitzustellen.
Stand: 08.12.2025
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80 Kommunen stellen offene kommunale Daten zur Verfügung
Diesen Vorteil betont auch die Projektleiterin Open Data der Landeshauptstadt Düsseldorf, Alice Wiegand: „Der Musterdatenkatalog ist eine Fundgrube für Datenschätze in der Verwaltung, die nur darauf warten, von weiteren Kommunen veröffentlicht zu werden.“
Bisher stellen rund 80 Kommunen in Deutschland, darunter viele Großstädte von Kiel bis München, offene kommunale Daten zur Verfügung. Rund die Hälfte dieser Kommunen liegt in Nordrhein-Westfalen. Die NRW-Landesregierung hat den Musterdatenkatalog über ihr Datenportal Open.NRW als Meilenstein in die Verpflichtungen des Landes im 2. Nationalen Aktionsplan zur Open Government Partnership aufgenommen.
Open-Data-Leitfaden für Kommunen
Parallel zur Erstellung des Musterdatenkatalogs entwickelten die Projektpartner ein Machine-Learning-Modell. Dadurch sollen künftige Aktualisierungen des Musterdatenkatalogs automatisch erfolgen. Außerdem soll das Machine-Learning-Modell bei der Erstellung eines Musterdatenkatalogs unterstützen, der alle Open-Data-Kommunen bundesweit einbezieht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings noch unklar, wann dies erfolgen kann.
Gleichzeitig wird mit dem Musterdatenkatalog auf der Website musterdatenkatalog.de auch ein Open-Data-Leitfaden veröffentlicht. Der Leitfaden soll Kommunen den Einstieg in das Thema Open Data erleichtern und vermittelt kurz und kompakt die wichtigsten Schritte einer Kommune auf dem Weg zur Bereitstellung von offenen Daten.
Bitkom fordert Open-Data-Kompetenzzentren auf Länderebene
Gesetzliche Open-Data-Regelung
Am 18. Mai 2017 hat der Deutsche Bundestag den vom Bundesminister des Innern vorgelegten Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des E-Government-Gesetzes verabschiedet.
Dieser setzt die Forderungen aus dem G8-Aktionsplan nach einem verbindlichen Open-Data-Gesetz um. Er gibt den Behörden der unmittelbaren Bundesverwaltung auf, die von ihnen erhobenen unbearbeiteten, so genannten „Rohdaten“, zu veröffentlichen. Diese offenen Verwaltungsdaten („Open Data“) können von jedermann uneingeschränkt genutzt und in eigenen Verwaltungsprozessen weiterverarbeitet werden. Auch der Staat als ein wichtiger Nutzer seiner eigenen Daten kann davon profitieren.
Mit dem Gesetz werden zentrale Kriterien für Open Data vorgegeben. Dazu gehören insbesondere die entgeltfreie Bereitstellung, der freie Zugang zu den Daten sowie die Maschinenlesbarkeit. Gleichzeitig werden der Datenschutz sowie andere Gründe, die einer Veröffentlichung entgegenstehen, beachtet. Die Regelungen des „Open-Data-Gesetzes“ (§ 12 a EGovG) stellen so sicher, dass nur für eine Veröffentlichung geeignete Daten bereitgestellt werden.
Manch andere Forderung des Digitalverbandes Bitkom wie die Einrichtung von Open-Data-Kompetenzzentren in den Bundesländern sowie die Bereitstellung von Bundesmitteln zur Ausbildung von 11.000 Open-Data-Managern, sind allerdings (noch) Zukunftsmusik.
Zudem, so der Bitkom, sollten die breite Open-Data-Community sowie interessierte Unternehmen und Privatpersonen besser mit den Akteuren in der Verwaltung vernetzt werden. Experimentierräume für die Nutzbarmachung von Open Data und die Gründung eines deutschen „Open-Data-Institute“ nach britischem Vorbild könnten dabei helfen, das Tempo bei der Bereitstellung von Daten weiter zu erhöhen.