KI-Awareness-Training, Teil 1 Mit KI-Awareness-Trainings Unternehmen erfolgreich auf die Zukunft vorbereiten

Von Rolf Schulz 7 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz (KI) gilt als unverzichtbar, doch oft fehlt es in Unternehmen an den notwendigen Kompetenzen. KI-Awareness-Trainings bieten eine strukturierte Lösung, um Mitarbeiter und Management gezielt auf die Chancen und Herausforderungen von KI vorzubereiten. Dieser Zweiteiler zeigt, wie gezielte Trainings und ein modularer Ansatz Unternehmen helfen, KI nachhaltig und sicher zu integrieren.

Modernes KI-Awareness-Training: Interaktive Schulungen fördern das Verständnis für KI-Technologien und ihre Anwendung im Unternehmenskontext.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Modernes KI-Awareness-Training: Interaktive Schulungen fördern das Verständnis für KI-Technologien und ihre Anwendung im Unternehmenskontext.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Künstliche Intelligenz ist unverzichtbar – darin sind sich viele Unternehmen einig. Wie sie damit umgehen, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist, dass die notwendigen Kompetenzen für die Transformation zum „KI-ready“-Unternehmen oft weder bei den Mitarbeitern noch im Management vorhanden sind. Also setzt man auf externe Berater, fokussiert auf Guidelines und schafft technische Lösungen.

Dieser eingefahrene Ansatz stößt zunehmend an seine Grenzen. Die sichere Nutzung der Cloud ist nur eines von vielen Beispielen, bei denen er nicht oder nur begrenzt erfolgreich war. Hinzu kommt, dass auch externe Berater händeringend nach KI-Experten suchen, die gleichzeitig ein tiefes Verständnis der IT-Welt mitbringen.

Die Einführung von Künstlicher Intelligenz erfordert mehr als die Erweiterung bestehender Strukturen. Sie bedeutet einen Paradigmenwechsel, der alle Unternehmensbereiche betrifft – von den Mitarbeitern über die Technologie bis hin zur Organisation. Ein reaktiver Ansatz greift zu kurz.

Dieser Artikel beleuchtet die spezifischen Herausforderungen bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz am Beispiel von Awareness-Trainings und stellt ein strukturiertes, zielgruppenorientiertes (KI-)Awareness-Programm vor, das insbesondere für mittlere und große Unternehmen geeignet ist.

Was ist KI-Awareness-Training?

Awareness-Training bedeutet Sensibilisierung – oder auch Bewusstseins-Schulung. Genau das brauchen wir hier – Bewusstsein für Künstliche Intelligenz und deren Nutzen zu wecken. KI-Awareness ist das Schaffen einer Basis für die Implementierung einer KI-Strategie.

Zur besseren Unterscheidung zur „althergebrachten“ Awareness-Schulung kann man dem Ganzen einen neuen Namen geben – z. B. „KI-Readiness-Programm“. Alternativ auch KI-Transformations- oder KI-Enablement-Programm – letzteres wird immer gerne genommen.

Das schafft eine gewisse Distanz zu alten Zöpfen und ermöglicht einen neuen Start, auch in der Argumentation mit dem Management. Die Verantwortung sollte auf jeden Fall bei Leuten liegen, die das Thema verstehen – sowohl von Seiten der IT als auch vom KI-Aspekt.

Ein fundiertes KI-Awareness-Programm sichert nicht nur den technologischen Vorsprung des Unternehmens, sondern fördert auch den verantwortungsvollen und sicheren Umgang mit KI.

KI-Reifegradanalyse

Bevor ein Unternehmen ein KI-Awareness-Programm startet, sollte es sich über die Anforderungen im Klaren sein. Eine KI-Reifegradanalyse (AI Maturity Check) bildet die Basis für alle weiteren Schritte. Folgende Bereiche sollten mindestens analysiert werden:

Optimierte Tabelle
Bereich Bewertungskriterien
Technische Infrastruktur
  • Verfügbarkeit ausreichender Daten (Qualität, Quantität)
  • Leistungsfähigkeit der IT-Infrastruktur
  • Verfügbarkeit geeigneter Plattformen und Tools
Organisationskultur
  • Offenheit für Innovationen und Veränderungen
  • Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen
  • Klare Verantwortlichkeiten für KI-Projekte
Prozesse und Governance
  • Existenz von Richtlinien und Standards für den Einsatz von KI
  • Prozesse zur Entwicklung, Implementierung und Überwachung von KI-Systemen
  • Umgang mit ethischen Fragen und Risiken im Zusammenhang mit KI
  • Datenmanagement und Datenschutz
Mitarbeiterkompetenzen
  • Verfügbarkeit von KI-Experten
  • Digitale Kompetenzen der Mitarbeiter allgemein
  • Bereitschaft zur Weiterbildung
  • Verständnis für die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt
KI-Strategie
  • Existenz einer schriftlichen KI-Strategie
  • Klar definierte Ziele und Anwendungsfälle
  • Kommunikation der KI-Strategie an alle relevanten Stakeholder

Eine solche Analyse kann intern mithilfe von Mitarbeiterbefragungen, Experteninterviews und einer gründlichen Überprüfung der bestehenden Prozesse durchgeführt werden. Sie kann auch extern vergeben werden, wobei eine intensive Zusammenarbeit mit internen Experten unerlässlich ist, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Um Strukturen zu definieren, ist es hilfreich, zunächst vereinfachte Use-Cases zu entwickeln, die vorerst nicht im Detail ausgearbeitet werden müssen. Die Ergebnisse der Analyse helfen unter anderem dabei, den genauen Schulungsbedarf zu identifizieren.

Bei einem niedrigen Reifegrad liegt der Fokus eher auf Grundlagenwissen und Informationen zu KI-Anwendungen und deren Nutzen. Unternehmen mit bereits existierenden KI-Anwendungsfällen benötigen hingegen spezifischere Formate, etwa zu ethischen Fallstricken oder rechtlichen/regulatorischen Anforderungen.

Die Reifegradanalyse liefert eine fundierte Entscheidungshilfe, um Ressourcen gezielt einzusetzen und Inhalte passgenau zu gestalten. Aus den Use Cases können technische Anforderungen abgeleitet werden. Im nächsten Schritt wird eine detaillierte Zielgruppenanalyse durchgeführt, um die Trainingsinhalte nicht nur auf den allgemeinen Reifegrad, sondern auch auf die individuellen Rollen und Aufgaben der Teilnehmenden abzustimmen.

Zielgruppenanalyse

Mitarbeiter in unterschiedlichen Funktionen werden mit sehr unterschiedlichen Anforderungen und Perspektiven auf KI-Technologien konfrontiert, was eine maßgeschneiderte Ansprache unabdingbar macht. Die Anzahl der Zielgruppen hängt unter anderem vom Reifegrad der KI, der Unternehmensstruktur und den vorhandenen (oder geplanten) Use-Cases ab. In der Regel werden mindestens drei Gruppen unterschieden:

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Zielgruppe Tabelle
Zielgruppe Technisches Verständnis Interesse an KI Rolle in KI-Projekten
Mitarbeiter mit allgemeinen KI-Kenntnissen Grundlegend Pragmatisch Anwender
Experten (Entwickler, Sicherheitsspezialisten) Tiefgehend Hoch Entwickler, Architekten
Management Grundlegend bis mittel Strategisch Entscheider

Die Anzahl und Art der Gruppen können je nach Unternehmen variieren. Weitere Beispiele für Gruppen sind Projektleiter-Pools, Governance und Cyber-Security.

Mitarbeiter mit allgemeinem Wissen stehen vor der Herausforderung, die Funktion und den Nutzen von Künstlicher Intelligenz in ihrem täglichen Arbeitsumfeld zu verstehen. Hier setzt das KI-Readiness-Programm an. Es erklärt, wie Künstliche Intelligenz Prozesse vereinfacht und welche Risiken – etwa durch den unsachgemäßen Umgang mit sensiblen Daten – entstehen können. Weitere Themen sind generative KI, KI-Sicherheit und die Zuverlässigkeit von KI-Systemen. Ziel ist es, Unsicherheiten – auch im gesellschaftlichen Umfeld – abzubauen und den konkreten Mehrwert im Arbeitsalltag aufzuzeigen, ohne einen Hype zu erzeugen.

Fachkräfte und Entwickler verfügen meist über technologische Kenntnisse. Sie müssen in die Lage versetzt werden, KI-Systeme sicher und effizient einzusetzen oder zu entwickeln. Dazu benötigen sie aktuelle Inhalte zu komplexeren technischen Aspekten, wie z. B. das Erkennen und Abwehren von Manipulationsversuchen an KI-Modellen, die Integration von Sicherheitsmaßnahmen in den Entwicklungsprozess oder die technische Einhaltung von Compliance-Richtlinien wie dem EU AI-Act.

Ein wichtiger Aspekt ist die Integration der KI-Sicherheit in die bestehende Cybersicherheit.

Das Management trägt die strategische Verantwortung für den erfolgreichen Einsatz von KI im Unternehmen. Um Entscheidungen treffen zu können, benötigt es Informationen über den Einfluss von KI-Technologien auf relevante Geschäftskennzahlen wie Effizienz, Umsatz und Kundenbindung. Zudem müssen die regulatorischen Anforderungen im Bereich Datenschutz, Diskriminierung und Transparenz berücksichtigt werden.

Eine Diskussion über Wettbewerbsvorteile und Risiken ist dabei unerlässlich. Neben regulatorischen Risiken gilt es auch Cyber-Security-Risiken zu adressieren.

Ein maßgeschneidertes KI-Sensibilisierungsprogramm, das die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen berücksichtigt, ist der Schlüssel zur erfolgreichen Integration von KI in Unternehmen. Durch die Förderung von Verständnis und Akzeptanz, die Minimierung von Risiken und die optimale Nutzung des Potenzials von KI stellt es sicher, dass Ressourcen zielgerichtet eingesetzt werden.

Strukturbeispiel für ein KI-Readiness-Programm(Bild:  R. Schulz)
Strukturbeispiel für ein KI-Readiness-Programm
(Bild: R. Schulz)

Wichtig: Awareness-Trainings ersetzen keine fachspezifischen Schulungen, sondern bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf mögliche Risiken und Herausforderungen in einem bestimmten Fachgebiet vor und schaffen eine solide Basis für die Vermittlung von vertieftem Fachwissen.

Das KI-Readiness-Programm ist modular aufgebaut. Ein Basismodul dient als Grundlage, auf der zielgruppenspezifische Inhalte entwickelt werden. Der Reifegrad und die Anwendungsfälle bestimmen den Umfang der Module. Das Basismodul schließt mit einem Quiz ab, das erfolgreich absolviert werden muss, um ein Teilnahmezertifikat zu erhalten.

Alle Module werden regelmäßig aktualisiert, da sich KI ständig weiterentwickelt. Das Basismodul wird alle sechs Monate überarbeitet, die fachspezifischen Kurse je nach thematischem Bedarf. Aktualisierungen können z. B. als Videos im internen Lernsystem zur Verfügung gestellt werden. Und ja, es entstehen Aufwände.

Am Ende des zielgruppenspezifischen Trainings empfiehlt sich ein kurzes Assessment, um die Eignung der Mitarbeiter festzustellen und individuelle Trainingspläne zur Beseitigung von Schwächen zu erstellen. In Asien und den USA ist es inzwischen üblich, die Qualifikationen vor dem Onboarding zu überprüfen.

Zusammenfassung

KI-Awareness-Trainings sind essenziell, um Unternehmen auf die Integration von KI vorzubereiten. Neben einer Analyse des KI-Reifegrades bilden zielgerichtete Trainings die Grundlage, um Mitarbeiter auf die Chancen und Risiken von KI-Technologien vorzubereiten. Ein modularer Ansatz stellt sicher, dass Basiswissen für alle vermittelt wird, während spezifische Inhalte auf die Rollen und Bedürfnisse einzelner Gruppen wie Entwickler, Führungskräfte oder Mitarbeitende mit geringem Fachwissen zugeschnitten sind. Ziel ist es, nicht nur technologische Grundlagen zu schaffen, sondern auch ethische, rechtliche und strategische Aspekte zu behandeln.

Langfristig fördern solche Programme den sicheren und effektiven Einsatz von KI und stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Der zweite Teil des Artikels wird einen Überblick über die operativen Aspekte und die Organisation der Ausbildung geben und einige Anwendungsbeispiele aufzeigen.

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