Biometrie

Mehr Treffsicherheit dank Big Data

| Autor / Redakteur: Jim Stock / Nico Litzel

Biometrie ist eine Technologie, die jede Menge Chancen bietet, aber auch viele Herausforderungen bereithält.
Biometrie ist eine Technologie, die jede Menge Chancen bietet, aber auch viele Herausforderungen bereithält. (Bild: © goldencow_images_Fotolia.com)

Anmeldung per Iris-Scan? Bis vor einigen Jahren kannte man diese Technologie nur aus Science-Fiction-Filmen. Heute jedoch begegnen uns biometrische Verfahren in immer mehr Bereichen unseres Lebens. Big Data, die Cloud-Revolution und selbstlernende Algorithmen haben die Technologie zur Praxisreife geführt.

Biometrie ist eine Technologie, die jede Menge Chancen bietet, aber auch viele Herausforderungen bereithält. Zum Beispiel birgt sie das Potenzial, Anwendungen zu entwickeln, die bequemer zu bedienen und besser vor fremden Zugriffen geschützt sind. Um die fehlerfreie Identifikation von Personen zu ermöglichen, häuft sie jedoch große Datenmassen an. Kritiker sehen hierin eine Gefahr für die Privatsphäre der Nutzer und pochen deshalb auf strengere Datenschutzregeln.

Techniker hingegen verweisen auf die Schwierigkeit, gigantische Mengen an heterogenem Datenmaterial zu speichern und zu verarbeiten. Der Biometrie aufgrund dieser beiden Bedenken die Praxistauglichkeit abzusprechen, wäre jedoch Unsinn: Datenschutzbedenken lassen sich ausräumen – und die technischen Hürden sind größtenteils genommen.

Was Biometrie bereits heute leistet

Zu den ambitioniertesten Initiativen auf dem Gebiet der Biometrie zählt das Aadhaar-Projekt. Es handelt sich um eine Datenbank, die bald alle biometrischen Daten der knapp 1,3 Milliarden Einwohner Indiens beherbergen soll. Der Hintergrund: Viele Inder besitzen keine Dokumente, die ihre Identität zweifelsfrei belegen. Gerade den ärmsten Bevölkerungsschichten bleibt der Zugang zu Wahlkabinen, Gesundheits- oder staatlichen Sozialleistungen aus diesem Grund häufig versagt. Das Aadhaar-Projekt schafft Abhilfe, indem es jeden Inder mit einer Identifikationsnummer ausstattet. Angefangen bei Lebensmittelgutscheinen über Rentenzahlungen bis hin zu Mikrokrediten können dann alle Leistungen des indischen Staates an die Nummer gekoppelt werden.

Datensätze in der zugrundeliegenden Biometrie-Datenbank umfassen einen Iris-Scan, digitale Fingerabdrücke, ein Foto und eine Personenbeschreibung im Textformat. Die Kombination von persönlicher ID und Iris-Scan oder Fingerabdruck ermöglicht somit in Zukunft eine schnelle und zweifelsfreie Identifikation. Die Roadmap des Projekts sieht vor, täglich eine Million Inder in die Datenbank aufzunehmen. Die Erfassung der Gesamtbevölkerung wird folglich weniger als vier Jahre dauern.

Auch in der Verbrechensbekämpfung kommt die Biometrie zum Einsatz. Die Erhebung von Fingerabdrücken ist ein biometrisches Verfahren, das bereits vor Jahrzehnten etabliert wurde. Jetzt aber gewinnt auch die Gesichtserkennung an Bedeutung. Nicht nur die Polizei, sondern auch das Militär und etwa Casinobetreiber schließen ihre Überwachungskameras an Systeme an, die Gesichter automatisch identifizieren und Straftäter wiedererkennen. Sogar Einzelhändler nutzen die Technologie, um vorgewarnt zu sein, wenn ein Ladendieb ihr Geschäft betritt.

Emotionen werden maschinenlesbar

Findige Händler haben auch eine weitere Stärke der Biometrie erkannt und für sich erschlossen: die Emotionserkennung. Sie analysieren die Mimik ihrer Kunden und lernen so mehr über deren Stimmungen und Reaktionen auf ihr Angebot. Die Erkenntnisse können eingesetzt werden, um etwa Verkaufsroboter – in Japan schon zu Zehntausenden im Einsatz – in Echtzeit auf die Emotionen ihres Gegenübers reagieren zu lassen.

Sie helfen den Kunden aber auch, ihr eigenes Kaufverhalten besser zu verstehen: Die Bank of New Zealand nutzt Gesichtserkennungssoftware, um individuelle Reaktionen auf Finanzentscheidungen zu testen. Teilnehmer an dem Programm werden zum Beispiel damit konfrontiert, ein Last-Minute-Flugticket zu kaufen, um zu einer Hochzeit zu reisen. Eine Kamera hält gleichzeitig die Emotionen fest, die ihre Gesichtszüge offenbaren – subtile Veränderung kann sie wesentlich genauer festhalten als das menschliche Auge. Zum Abschluss des Tests erhalten die Teilnehmer ein ausführliches Feedback, das ihnen bewusstmachen soll, wie sehr ihre Finanzentscheidungen von Emotionen gesteuert sind.

Der Stand der Technik

Die Gesichtserkennung wird immer exakter. Je größer die Datenbasis, desto treffsicherer arbeiten die selbstlernenden Algorithmen. Facebook etwa erkennt die Gesichter seiner Mitglieder mit 97-prozentiger Genauigkeit. Es arbeitet außerdem an einer Methode, Personen auch dann zu identifizieren, wenn ihr Gesicht verdeckt ist – an Statur, Frisur, Körperhaltung und Kleidung. Auch hier beträgt die Trefferquote bereits 83 Prozent. Google hat ähnlich beeindruckende Fortschritte erreicht. So können die Algorithmen des Suchmaschinenkonzerns Gesichter mittlerweile selbst dann wiedererkennen, wenn sie teilweise verdeckt sind.

Wenn man sich vergegenwärtigt, wie utopisch die Technologie bis vor einigen Jahren schien, sind die Trefferquoten umso beeindruckender. Denn auch in den 1990er-Jahren gab es zwar bereits Gesichtserkennungssoftware – diese lag jedoch nur in einem von fünf Fällen richtig. Den entscheidenden Fortschritt brachten Big Data und die Cloud: Letztere bietet die Kapazitäten, um biometrische Daten in Echtzeit auszuwerten und abzuspeichern. Außerdem beherbergt sie die selbstlernenden Algorithmen, die den Kern der Gesichtserkennung ausmachen.

Datenschutz und die Zukunft der Biometrie

Der Autor: Jim Stock ist Country Manager DACH bei MapR
Der Autor: Jim Stock ist Country Manager DACH bei MapR (Bild: MapR)

Daten sind ein sensibles Thema. Wo immer sie in großer Menge anfallen, rückt das Thema Datenschutz auf den Plan. Und gerade biometrische Daten bergen ein hohes Potenzial für Missbrauch – zum Beispiel durch Geheimdienste und autoritäre Regierungen. Anbieter von Biometrie-Lösungen stehen deshalb in der Verantwortung, ihren Nutzern einen bestmöglichen Schutz zu bieten. Sie sollten außerdem akzeptieren, dass zwar viele Nutzer von den Vorzügen der neuen Technologie profitieren wollen, andere aber lieber anonym bleiben. Um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen, bietet sich der Einsatz eines Opt-out- oder Opt-in-Verfahrens an.

Gerade die junge Generation steht der Biometrie jedoch offen gegenüber – die Begeisterung für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten überwiegt hier. Auch die großen technischen Herausforderungen scheinen bewältigt: Die Verfahren arbeiten heute beinahe fehlerfrei, darüber hinaus wurde die Datenhaltung und -auswertung durch die Cloud-Revolution wesentlich erleichtert. Die einstige Zukunftstechnik Biometrie wird aus unserem Alltag deshalb bald nicht mehr wegzudenken sein.

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