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Kommmentar von Hartmut Thomsen, SAP Lieferkette 4.0 – wenn Container ihren Status funken

| Autor / Redakteur: Hartmut Thomsen / Nico Litzel

Edelstahlcontainer, die mit Kunden kommunizieren: Mittelständler Schäfer Werke vernetzt seine Container im Internet der Dinge. Auf einer Plattform lassen sich Füllmenge, Standort und Temperatur erfassen. Wie Kunden von der innovativen IoT-Lösung profitieren.

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Der Autor: Hartmut Thomsen ist Präsident der Region Mittel- und Osteuropa (MEE) bei SAP
Der Autor: Hartmut Thomsen ist Präsident der Region Mittel- und Osteuropa (MEE) bei SAP
(Bild: SAP)

Ob Salben, Kapseln oder Chemikalien fürs Labor: Pharmaunternehmen hantieren mit sensiblen Produkten, die es beim Transport vor äußeren Einflüssen wie Keimen, Temperaturschwankungen oder Erschütterungen zu schützen gilt. Wird etwa die Kühlkette durch einen Fehler in der Lieferkette unterbrochen, werden bestimmte Wirkstoffe in Medikamenten unwirksam. Zudem sind auch Hygiene- und Sicherheitsstandards strikt einzuhalten, eine ständige Kontrolle über Standort und Lieferzeitpunkt der Transportgüter kann mitunter sogar lebenswichtig sein.

Unterbrechungen der Supply Chain sind geschäftskritisch

Ob Temperaturschwankungen im Güterwagon, im LKW beim Stau auf der Autobahn oder Erschütterungen auf hoher See: Es gibt viele Gründe, die Lieferketten unterbrechen und dazu führen können, dass die gelieferte Ware nicht im gewünschten Zustand am Zielort ankommt – egal, in welchen Branchen Unternehmen tätig sind. All diesen Konstellationen ist gemeinsam: Die betroffenen Unternehmen erfahren weder die Gründe noch den Zeitpunkt, zu dem die Lieferkette unterbrochen wurde.

Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik und des Unternehmens Riskmethods bemängeln drei von vier Unternehmen dann auch die Transparenz und Zuverlässigkeit der Lieferkette. Mitunter mit fatalen Folgen, denn oft können Unterbrechungen der Supply Chain auch geschäftskritisch sein: Etwa wenn ein Getränkehändler nicht rechtzeitig liefern kann, weil Container unterwegs verloren gegangen sind – und sich Kunden deswegen künftig für die Konkurrenz entscheiden.

Kaum verwunderlich also, dass digitale Werkzeuge in der Lieferkette, wie etwa funkende Sensoren, zum Tracking und für Statusberichte für Unternehmen immer wichtiger werden, um dem steigenden Serviceanspruch ihrer Kunden gerecht zu werden. Das zeigt die Capgemini-Studie „The Digital Supply Chain’s Missing Link: Focus“. Demnach geben 50 Prozent der befragten Unternehmen an, dass digitalisierte Logistikprozesse für sie höchste Priorität haben. Gleichzeitig fehlt aber offenbar das nötige Know-how, um diese digitalen Tools auch effektiv zu nutzen. Denn nur 14 Prozent setzen solche Prozesse bereits um.

Sensoren funken Status der Container

Eine Auswahl von Behältern und Containern der Schäfer-Werke-Gruppe
Eine Auswahl von Behältern und Containern der Schäfer-Werke-Gruppe
(Bild: Schäfer Werke)

Die mittelständische Schäfer-Werke-Gruppe aus dem Siegerland weiß um die Herausforderungen seiner Kunden in puncto Lieferkette und setzt ab sofort auf digitale Hilfsmittel. Der Stahlverarbeiter und Entwickler von innovativen Behältern und Containern hat seine Produkte gemeinsam mit dem eigens dafür gegründeten Digital-Tochterunternehmen Vizuu mit innovativen IoT-Sensoren ausgerüstet. So stellt Vizuu durchgängige Datentransparenz in der Lieferkette für Kunden und Endkunden sicher.

Die langlebigen Edelstahl-Industriecontainer der Schäfer Werke können zwischen 500 und 1.500 Liter fassen. Geeignet sind sie für die Lebensmittel-, Pharma-, Chemie- oder Getränkebranche, etwa für Lacke, Duftstoffe, Getränke und Medikamente, aber auch Marmelade. Inhalte, die einer ständigen Kontrolle bedürfen, um die Qualität des Produkts bis zur Endabnahme und darüber hinaus zu garantieren. Bisher war es den Unternehmen nicht immer möglich, die Waren über die gesamte Lieferkette hinweg zu beobachten – mit bösen Überraschungen, wenn Behälter versehentlich geöffnet oder Temperaturwerte nicht eingehalten wurden, weil Container etwa zu lange in der Sonne standen.

Digitales Logbuch im Logistikprozess

Sensoren in den Deckeln der industriellen Großcontainer sorgen für mehr Transparenz und Kontrolle der Transportgüter.
Sensoren in den Deckeln der industriellen Großcontainer sorgen für mehr Transparenz und Kontrolle der Transportgüter.
(Bild: Schäfer Werke/ Vizuu)

Heute sorgen sogenannte Datenlogger in den Deckeln der industriellen Großcontainer für mehr Transparenz und Kontrolle der Transportgüter. Die Sensoren senden jeden Tag Messwerte über Füllstand, Standort, Druck, Lichteinfall, Erschütterung und Temperatur an eine cloudbasierte Plattform von SAP. Je nach Bedarf lassen sich die Daten auch in Echtzeit erfassen. Die Entscheidung, auf eine SAP-Lösung zurückzugreifen, war für die Schäfer Werke von Anfang an klar, da bereits viele SAP-Systeme in der IT im Einsatz sind. Außerdem hatte sich in einer Umfrage des Mittelständlers bei seinen Kunden ergeben, dass viele für die Unternehmens-IT ebenfalls auf Software aus Walldorf setzen.

Über ein Webinterface von Vizuu lassen sich alle relevanten Daten abrufen, um die Lieferkette zu optimieren und Prozesskosten zu senken.
Über ein Webinterface von Vizuu lassen sich alle relevanten Daten abrufen, um die Lieferkette zu optimieren und Prozesskosten zu senken.
(Bild: Schäfer Werke/ Vizuu)

Je nach individuellem Kundenwunsch werden die Daten in der Cloud aufbereitet und laufen dann über eine ERP-Schnittstelle in die SAP-Systeme des Kunden. Das war ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung: Die gewonnenen Daten sollten nicht nur gesammelt und aufbereitet werden, sondern sich auch direkt in ERP-Systeme einbinden lassen. Das hat den Vorteil, dass Firmen bei Bedarf weiterhin in ihrer gewohnten Systemlandschaft arbeiten können. Nutzen Kunden andere ERP-Systeme lassen sich über ein Webinterface von Vizuu alle relevanten Daten abrufen, um die Lieferkette damit zu optimieren und Prozesskosten deutlich zu senken.

Die Kunden von Schäfer Werke beziehungsweise Vizuu können sich mit der Lösung jetzt ganz eng mit den eigenen Endkunden abstimmen und Geschäftsprozesse optimieren und verschlanken. Mit der IoT-Plattform erhalten Unternehmen die Möglichkeit, jederzeit den Status ihrer Lieferung zu prüfen. Wie in einem digitalen Logbuch können sie die einzelnen Schritte nachverfolgen und jederzeit relevante Daten über ihre Güter einsehen.

Die Supply Chain wird dadurch transparenter, Endkunden wissen genau, wann die Sendung bei ihnen eintrifft – selbst, wenn sich der Transport unterwegs verzögert. Denn die Daten aus dem Container können Firmen auch ihren Abnehmern zur Verfügung stellen, damit auch diese immer über den Lieferstatus informiert sind. Die Einsparpotenziale auf Seiten der Prozessabwicklung sind dabei immens.

Flexibel bei den Übertragungsstandards

Für die Datenübertragung nutzen die Sensoren Übertragungsstandards von 2G bis NarrowBand IoT. Innerhalb eines Firmengeländes, beispielsweise um den Standort eines Containers in einer Lagerhalle zu orten, eignet sich auch Bluetooth. Die verschiedenen Übertragungstechnologien haben den Vorteil, dass die Sensoren von überall aus funken können – vom unterirdischen Lagerraum bis zum LKW- oder Bahntransport. Im Standard-Gebrauch funken die Sensoren bis zu zwei Jahren autark, mittels Induktion wird aufgeladen.

Besonderer Vorteil der Lösung: Sie ist herstellerunabhängig. Nicht nur neu produzierte Container, auch bestehende Flotten anderer Hersteller lassen sich mit den Sensoren ausrüsten. So kann jeder Kunde von der neuen Lösung profitieren.

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