Kommentar von Rainer Holler und Sven Gábor Jánszky Zukunftsblick: KI-Evolution und Zusammenarbeit von Mensch und Maschine

Von Rainer Holler und Sven Gábor Jánszky 5 min Lesedauer

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Die Frage, ob Künstliche Intelligenz (KI) für ein Unternehmen interessant ist, stellt sich heute nicht mehr. Denn unabhängig davon, in welcher Branche ein Unternehmen arbeitet oder was es produziert, KI-Lösungen bieten enorme Effizienzsteigerungen. Die nächsten Evolutionsstufen der KI stehen schon unmittelbar bevor: Agentic AI, Teams aus KI-Agenten, humanoide Roboter, branchenspezifische KIs, sogenannte „Industry Models“ und die Mensch-KI-Zusammenarbeit in gemischten Teams.

Die Autoren: Rainer Holler (links) ist Geschäftsführer der VIER GmbH und Sven Gábor Jánszky ist Zukunftsforscher und der Chairman 2b Ahead Group(Bild:  VIER GmbH / 2b Ahead Group)
Die Autoren: Rainer Holler (links) ist Geschäftsführer der VIER GmbH und Sven Gábor Jánszky ist Zukunftsforscher und der Chairman 2b Ahead Group
(Bild: VIER GmbH / 2b Ahead Group)

Trotz des enormen Potenzials von KI-Anwendungen verharren viele Unternehmen noch in einem Entscheidungsvakuum. Ein häufiger Irrtum lautet: „KI ist ein IT-Thema“. Das stimmt nicht. Entscheidungen über den KI-Einsatz müssen strategisch auf Managementebene getroffen werden. Die Sorge mancher Unternehmen vor der vermeintlichen Komplexität ist dabei unbegründet. KI funktioniert sehr gut, ist leicht zugänglich und lohnt sich auf für kleine Unternehmen.

Zudem befürchten manche Unternehmen einen Kontrollverlust durch KI – dabei ist das Gegenteil der Fall: Gerade auf Business-Ebene verschafft KI Zugang zu deutlich mehr Informationen und damit zu mehr Kontrolle.

Unsicherheit oder fehlendes internes Know-how dürfen die KI-Einführung nicht hemmen. Statt komplexe Großprojekte aufzusetzen, können Unternehmen in einem geschützten Rahmen unkompliziert mit kleineren KI-Projekten starten – oder sich Partner suchen, die sie dabei begleiten. Beratende Unternehmen helfen, das Potenzial von KI zu identifizieren und entwickeln maßgeschneiderte KI-Strategien sowie einen konkreten Plan.

Statt wahllos KI-Tools zu testen, sollten Unternehmen genau analysieren, welche Prozesse sie durch KI optimieren wollen und welche Lösung dafür geeignet ist. Ein sinnvoller Startpunkt sind meist sprachbasierte Prozesse. Entsprechend vielversprechend ist der Einsatz etwa im Vertrieb, in Contact Centern, im Marketing und im Kundenservice. Auch in der Softwareentwicklung zeigt KI großes Potenzial. Mit einem pragmatischen Ansatz lässt sich KI verblüffend einfach einführen – und ihr Nutzen entfaltet sich oft schneller als erwartet.

KI-Agenten übernehmen komplette Aufgaben

Augenblicklich erleben wir ein rasantes Wachstum und große Fortschritte bei KI-Agenten. Sie treffen ohne menschliche Unterstützung Entscheidungen und erledigen komplexe Aufgaben. Klassische Chatbots basieren dagegen vor allem auf definierten Skripten und reagieren nur reaktiv auf Eingaben. Autonome KI-Systeme bzw. AI Agents können dagegen mit Kunden in Echtzeit kommunizieren, Sprachbarrieren durch Echtzeitübersetzungen überwinden und untereinander Informationen austauschen.

Ähnlich wie menschliche Teams werden zukünftig mehrere KI-Agenten zusammenarbeiten. Sie sind dazu jeweils für einen Bereich hochspezialisiert. Auch die Projektkoordination und Prüfung wird von KI-Agenten übernommen. Dabei übergeben sie sich die Arbeitsschritte quasi von Hand zu Hand, so wie bisher menschliche Teams. Der Unterschied ist: Aktuell braucht man beispielsweise in einer Abteilung fünf Personen, die alle ihre jeweiligen KI-Tools bedienen. Mit KI-Agenten ist nur eine Person notwendig, die das Team aus KI-Agenten koordiniert.

In ihrer eigenen Forschungsabteilung beschäftigt sich die deutsche VIER GmbH mit dieser Arbeitsteilung in der KI-Welt und Agenten, die Spezialgebiete abdecken. Ziel ist es, Prozesse End-to-End vollständig zu automatisieren und dabei unterschiedliche KI-Agenten und -Modelle zu kombinieren. Statt One-size-fits-all-Angebote können Unternehmen ihren Kunden so individualisierte Lösungen anbieten und die Kundenansprache stärker personalisieren.

Humanoide Roboter und branchenspezifisch vortrainierte KI-Modelle

Eine weitere Innovation, die derzeit an Dynamik gewinnt, sind humanoide Roboter. In den kommenden Jahren sollen sie verstärkt in Unternehmen Einzug halten. Schon heute werden sie testweise eingesetzt, beispielsweise in der Produktion. Diese Roboter ähneln optisch dem Menschen und können dank Händen und Füßen Aufgaben wie das Ein- und Ausräumen von Regalen, das Transportieren von Gütern oder das Bestücken von Maschinen übernehmen.

Zukünftig sollen sie auch komplexere Tätigkeiten, beispielsweise in der Montage, übernehmen. Da humanoide Roboter rund um die Uhr einsatzfähig sind und weder Löhne noch Lohnnebenkosten anfallen, werden erhebliche Effizienzgewinne bei hoher Arbeitsqualität erwartet.

Eine weitere Innovation, die ab etwa 2027 an Bedeutung gewinnen wird, sind sogenannte Industry Models. Das sind branchenspezifische KIs, die auf allen relevanten Daten trainiert sind. Unternehmen können diese Fachmodell lizenzieren und so von branchenspezifischem Wissen sowie erheblichen Produktivitätssteigerungen profitieren. Diese Industry Models existieren bereits in China. Ihre Datenbasis ist jedoch für die europäische Industrie weder geeignet noch sicher genug. Daher werden deutsche und europäische Unternehmen – teils in Kooperation mit US-Unternehmen – eigene, vertrauenswürdige Modelle entwickeln.

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Wo bleiben die Mitarbeiter im KI-Zeitalter? Human in the Loop

Der zunehmende Einsatz von KI stellt aber auch das Thema Mensch und Maschine in den Mittelpunkt. Das Konzept Human in the Loop beschreibt die Arbeitsteilung zwischen Menschen und KI. Menschliche Fähigkeiten und maschinelle Intelligenz werden kombiniert, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Denn in vielen Bereichen bleiben Empathie, Expertise und menschliche Entscheidungsfähigkeit entscheidend. Der Mensch erhält quasi Überwachungsfähigkeiten für KI-Anwendungen. Als Supervisor schaut er zum Beispiel in ein Gespräch zwischen Kunde und KI und unterstützt mit seiner überlegenen Empathie und Kommunikationsfähigkeit, wenn es nicht gut läuft. So entsteht echte Teamarbeit zwischen Mensch und KI. In Zukunft wird es deshalb den CAIO geben, den Chief AI Officer, der die KI-Thematik technisch und kulturell betreut.

Praxisbeispiel: FUTURE AI für die Zukunftsforschung

Die wissenschaftliche Zukunftsforschung gibt Antworten auf künftige Entwicklungen. Für Unternehmen können Wissenschaftler branchenspezifisch analysieren, welche Technologien in den nächsten fünf bis zehn Jahren entscheidend sind. Dazu führen sie zunächst Tiefeninterviews mit Personen, die maßgeblich Einfluss auf Entscheidungen für zukünftige Entwicklungen nehmen, wie Strategie-, Innovations- und Technologiechefs großer, markttreibender Unternehmen. Aus diesen Auswertungen und weiteren Analysen entsteht ein spezifisches Zukunftsbild. Ein zeitaufwendiges und kostenintensives Verfahren.

Gemeinsam mit VIER hat die 2b Ahead Group deshalb FUTURE AI entwickelt. Dieses KI-Tool ist mit den exklusiven Daten der Prognosedatenbank trainiert und damit ein echtes Wissenssystem für die Zukunftsforschung. Kunden können diesem Tool einfach Fragen über die Zukunft ihrer Branche stellen und erfahren, wie die Entwicklung in fünf bis zehn Jahren aussieht, welche Technologien dann eine Rolle spielen, wie sich die Wertschöpfungsketten und Zielgruppen wandeln und welche Geschäftsmodelle und Produkte zu Wachstum verhelfen werden. Mit FUTURE AI kann jeder Mittelständler eine professionelle Zukunftsplanung machen, wie sie sich bisher nur Konzerne leisten konnten. Das Wissen von Future AI entwickelt sich dabei kontinuierlich weiter, denn mit jedem neuen Interview aktualisiert sich das System im Hintergrund. Ein Beispiel, wie leicht sich KI durch „Plug-and-play“ integrieren lässt und wie kosteneffizient sie arbeitet.

KI bietet enorme Effizienzgewinne

Der Hebel von KI liegt in der Skalierung. Egal, wie groß ein Unternehmen ist, alles kann viel effizienter werden. KI übernimmt im Handumdrehen 30 Prozent der Routineaufgaben. Die KI-gestützte Automatisierung reduziert darüber hinaus Fehler und beschleunigt Abläufe. Angesichts der damit verbundenen Produktivitätsgewinne kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, auf den Einsatz von KI zu verzichten. Dabei macht KI unsere Arbeitswelt nicht unpersönlicher. Im Gegenteil – wenn Maschinen lästige Routineaufgaben übernehmen, haben Menschen mehr Zeit für das, was wirklich zählt – den persönlichen Kontakt.

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