Im Vertrieb analysiert ein intelligentes System automatisch Kundendaten und erstellt passgenaue Angebote, bevor der erste Anruf getätigt wird. In der Finanzabteilung werden komplexe Betrugsmuster in Echtzeit erkannt, während KI-gestützte Tools im Marketing kreative Texte und Designs schneller generieren, als es manuell möglich wäre.
Die Autorin: Prof. Dr. Cordula Meckenstock ist Co-CEO von Lawpilots und Honorarprofessorin für Compliance und Internationales Strafrecht an der Universität Leipzig.
(Bild: Lawpilots GmbH)
Diese Beispiele zeigen, wie Künstliche Intelligenz (KI) den Arbeitsalltag vieler Unternehmen bereits heute verändert: Sie automatisiert Routineaufgaben, liefert datenbasierte Entscheidungsgrundlagen und steigert die Effizienz in nahezu allen Bereichen. Fortschritte bringen jedoch auch neue Herausforderungen mit sich, insbesondere seit dem Inkrafttreten der ersten Bestimmungen der KI-Verordnung der Europäischen Union am 2. Februar 2025. Sie gelten für alle Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder betreiben.
Anforderungen der KI-Verordnung: Kompetenzen als Fundament
Anbieter und Betreiber von KI-Systemen stehen nun vor der dringenden Aufgabe, sicherzustellen, dass ihre Technologien den rechtlichen Vorgaben entsprechen. Eine zentrale Herausforderung dabei ist es, die Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, die mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind.
Die Verordnung definiert „KI-Kompetenz“ als die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, die es ermöglichen, KI-Systeme sachkundig einzusetzen sowie sich der Chancen und Risiken bewusst zu sein. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen in der Lage sein, potenzielle Schäden zu erkennen und rechtliche sowie ethische Vorgaben einzuhalten. Das umfasst nicht nur technisches Know-how, sondern auch ein Bewusstsein für Datenschutzanforderungen und mögliche Auswirkungen algorithmischer Entscheidungen auf betroffene Personen.
Dynamisches KI-Kompetenzkonzept für eine nachhaltige Compliance
Unternehmen sind angehalten, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit KI-Systemen arbeiten, über spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Ziel ist es, den sachgerechten Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu gewährleisten und gleichzeitig Risiken zu minimieren.
Ein Kompetenzaufbau sollte dabei mehrere Dimensionen umfassen:
Technisches Wissen: Mitarbeitende sollen verstehen, wie KI-Systeme funktionieren, wie sie trainiert werden.
Rechtliche Aspekte: Kenntnisse über Datenschutz, Produkthaftung und Dokumentationspflichten sind essenziell, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen.
Ethische Fragestellungen: Themen wie Fairness, Transparenz und die Vermeidung algorithmischer Diskriminierung stehen im Fokus.
Risikobewusstsein: Mitarbeiter müssen in der Lage sein, potenzielle Schäden durch den Einsatz von KI zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Ein dynamisches Konzept für den Aufbau von KI-Kompetenzen berücksichtigt nicht nur die technischen und rechtlichen Anforderungen, sondern auch die individuellen Stärken und Vorerfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Einstufung basiert auf vorhandenen Qualifikationen und praktischen Erfahrungen, sodass gezielt auf bereits bestehendes Wissen aufgebaut werden kann. Ziel ist es, ein firmenweites Fundament in KI-Kompetenz zu schaffen. Das fördert nicht nur eine effiziente, interdisziplinäre Zusammenarbeit, sondern schafft auch die Grundlage für eine nachhaltige Compliance. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über eine nachweisbare Grundkompetenz im Umgang mit KI verfügen.
Dieses Fundament dient als Basis für weiterführende Qualifizierungsmaßnahmen und ermöglicht es, flexibel auf neue technologische Entwicklungen und regulatorische Anforderungen zu reagieren. So wird der Kompetenzaufbau als fortlaufender Prozess etabliert, der kontinuierliches Lernen und die Anpassung an neue Herausforderungen in den Fokus rückt.
Wer ist betroffen?
Die Anforderungen betreffen alle Organisationen, die KI-Systeme entwickeln, einsetzen oder in ihre Prozesse integrieren. Dazu zählen:
1. Anbieter von KI-Systemen: Unternehmen, die KI-Anwendungen entwickeln oder vertreiben.
2. Betreiber von Hochrisiko-KI: Firmen, die Anwendungen in sensiblen Bereichen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen oder kritischen Infrastrukturen nutzen.
3. Datenverarbeitende Unternehmen: Organisationen, die personenbezogene Daten für KI-Anwendungen verwenden.
4. Allgemeine Anwender von KI-Tools: Auch Unternehmen, die generative KI oder andere Standardlösungen in ihren Arbeitsalltag integrieren, müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Technologien verantwortungsvoll einsetzen.
Die Regelung betrifft somit nicht nur große Tech-Unternehmen oder spezialisierte Anbieter, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen, die zunehmend auf KI setzen.
Warum KI-Kompetenzen unverzichtbar sind
Eine Studie des Stifterverbands in Kooperation mit McKinsey unterstreicht die Bedeutung des gezielten Kompetenzaufbaus im Bereich Künstlicher Intelligenz: 79 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern grundlegende praktische Fähigkeiten im Umgang mit Künstlicher Intelligenz fehlen. Besonders problematisch sei dies bei datengetriebenen Entscheidungen oder dem Einsatz generativer KI-Tools. Diese Erkenntnisse verdeutlichen: Der Aufbau von Kompetenzen ist nicht nur eine regulatorische Notwendigkeit, sondern auch ein strategischer Hebel für nachhaltiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
Maßnahmen für den erfolgreichen Kompetenzaufbau
Um den Anforderungen der KI-Verordnung gerecht zu werden und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen folgende Schritte einleiten:
1. Analyse des Qualifizierungsbedarfs
Unternehmen müssen zunächst identifizieren, welche Abteilungen und Mitarbeiter mit KI-Systemen arbeiten und welche spezifischen Kompetenzen erforderlich sind. Das erfordert eine systematische Bewertung der eingesetzten Technologien und ihrer Risiken.
Stand: 08.12.2025
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2. Entwicklung maßgeschneiderter Lernkonzepte
Der Kompetenzaufbau sollte flexibel gestaltet sein und auf die unterschiedlichen Wissensstände der Belegschaft eingehen. Geeignete Maßnahmen umfassen:
E-Learning-Plattformen für grundlegendes Wissen,
interdisziplinäre Trainings, um technische und ethische Aspekte zu verbinden.
3. Förderung einer wertebasierten Unternehmenskultur
Neben der Vermittlung von Fachwissen ist es entscheidend, ein Bewusstsein für ethisches Handeln zu schaffen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten verstehen, wie Fairness und Transparenz bei algorithmischen Entscheidungen gewährleistet werden können.
4. Dokumentation und Nachweisführung
Unternehmen müssen alle Maßnahmen zur Qualifizierung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachvollziehbar dokumentieren. Das ist nicht nur aus Compliance-Gründen wichtig, sondern auch zur Minimierung rechtlicher Risiken.
5. Kontinuierliche Weiterentwicklung
Der Kompetenzaufbau sollte als dynamischer Prozess verstanden werden. Angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen ist es notwendig, Schulungsinhalte regelmäßig zu aktualisieren und neue regulatorische Anforderungen frühzeitig zu berücksichtigen.
Kompetenzaufbau als Schlüssel zum Erfolg
Der gezielte Aufbau von Kompetenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist weit mehr als eine regulatorische Vorgabe – er stellt einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar. Unternehmen können durch Investitionen in Wissenstransfer nicht nur rechtliche Risiken minimieren, sondern auch das Vertrauen ihrer Kunden stärken und Innovationspotenziale ausschöpfen. Die Herausforderung besteht darin, diesen Prozess strategisch anzugehen und als integralen Bestandteil einer nachhaltigen Compliance-Kultur zu etablieren. In einer datengetriebenen Wirtschaft wird Kompetenz im Umgang mit Künstlicher Intelligenz zum Schlüssel für einen langfristigen Erfolg.
* Prof. Dr. Cordula Meckenstock ist Co-CEO von Lawpilots und Honorarprofessorin für Compliance und Internationales Strafrecht an der Universität Leipzig. Prof. Meckenstock hat in internationalen Anwaltskanzleien sowie in globalen Führungspositionen im öffentlichen und privaten Sektor wertvolle Einblicke in Governance & Anti-Korruption, Wirtschafts- und Datenethik, People & Culture, Nachhaltigkeit & ESG gewonnen.