Künstliche Intelligenz (KI) prägt den Arbeitsalltag und ist längst nicht mehr nur ein abstraktes Zukunftsthema. Während die Technologie generationsübergreifend bereits heute viele unserer Arbeitsprozesse und -weisen maßgeblich beeinflusst, wird gerade die Generation Z häufig als Innovationsmotor gesehen. Denn als Digital Natives setzen sie neue Maßstäbe im Umgang mit digitalen Innovationen.
Der Autor: Daniel Kimmig ist Director AI & Digital Engineering bei GoTo
(Bild: Swapan Chhabra)
Doch wie unterschiedlich nutzen junge Menschen KI im Arbeitsalltag in Deutschland und den USA, die allgemein als Vorreiter in Sachen Technologie gelten?
KI als Effizienz-Booster
Die „Pulse of Work“ Studie von GoTo zeigt, dass über die Hälfte (52 Prozent) der deutschen Gen Z einen echten Produktivitätsschub durch KI sieht. Zu den beliebtesten Anwendungsfällen gehört zum Beispiel der virtuelle KI-Assistent zur Automation von wiederkehrenden Aufgaben. Demnach setzen junge Menschen hierzulande KI vor allem als Unterstützungstool bei Routineaufgaben ein, wie beim Kalender-Management oder anderen administrative Aufgaben.
Weniger beliebt ist der KI-Einsatz bei kreativen Aufgaben: Zum Beispiel sehen 45 Prozent KI als nur teilweise bis nicht nützlich als Unterstützung beim Schreibprozess. Das unterstreicht, dass KI für die deutsche Gen Z vor allem ein praktisches Werkzeug für einfache und redundante Arbeitsaufgaben ist.
Im Vergleich dazu sehen 73 Prozent der jungen Arbeitnehmer in den USA KI als Produktivitätsbooster bei Kreativaufgaben, wie dem Schreibprozess. Diese Zahlen machen einen grundlegenden Unterschied in den Einsatzgebieten von KI zwischen den beiden Regionen deutlich.
Außerdem nutzt rund ein Drittel der jungen Menschen in den USA KI nicht nur für Routineaufgaben, sondern setzten sie auch häufig für emotional komplexe und sensiblen Aufgaben, wie beim Verfassen von Leistungsbeurteilungen oder bei der Bewältigung von Konflikten mit Kollegen ein. Im Vergleich setzen nur 17 Prozent der Befragten in Deutschland KI für solche sensiblen Aufgaben ein.
Diese unterschiedlichen Einsatzszenarien der KI-Tools zeigen, dass kulturelle und organisatorische Rahmenbedingungen einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie KI im Arbeitsleben in den verschiedenen Regionen angenommen und eingesetzt wird.
Kompetenz und Kritik im Umgang mit KI-Tools
Beim Thema Kompetenz im Umgang mit KI-Tools zeichnet sich der Effekt der Gen Z als digital Natives ab: Sowohl in Deutschland (66 Prozent) als auch in den USA (77 Prozent) gibt die Mehrheit der jungen Arbeitnehmer an, sich sicher im Umgang mit KI-Tools zu fühlen.
Gleichzeitig gibt es aber große Unterschiede in Bezug auf die Bewertung der KI-Ergebnisse: 62 Prozent der jungen US-Arbeitnehmer bemängeln die Qualität der Ergebnisse. Und obwohl auch die deutsche Gen Z sich der Fehleranfälligkeit von KI-Tools bewusst ist, liegt das Ausmaß hinter dem in den USA: nur 34 Prozent sind der Meinung, dass häufig schlechte Ergebnisse generiert werden. Vielmehr ist in Deutschland das Bewusstsein dafür vorherrschend, dass KI-Ergebnisse iterativ verbessert und überarbeitet werden müssen. Dieser Aussage stimmen 72 Prozent der Befragten zu.
Trotz aller Offenheit bleibt die Gen Z auch kritisch gegenüber KI-Anwendungen. Der hohe Qualitätsanspruch zeigt: KI wird nicht blind akzeptiert, sondern muss echten Mehrwert liefern. Junge Angestellte sind bereit, KI aktiv zu nutzen, erwarten aber, dass die Technologie zuverlässig funktioniert und die Ergebnisse nachvollziehbar sind. Fehlerhafte oder ungenaue KI-Ausgaben werden schnell erkannt und kritisch hinterfragt.
Was Unternehmen daraus lernen können
Die USA gelten als technologischer Taktgeber und Vorreiter bei der Einführung neuer digitaler Lösungen. Deutsche Gen Z-Angestellte stehen den US-amerikanischen in Sachen KI-Kompetenz und Offenheit kaum nach, verfolgen aber eigene Herangehensweisen, die besser zu ihren Bedürfnissen passen. Unternehmen sollten daher nicht jeden globalen KI-Hype unreflektiert übernehmen. Stattdessen gilt es, lokale Besonderheiten und die tatsächlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu berücksichtigen und die KI-Strategie entsprechend auszurichten.
Die deutsche Gen Z nutzt KI vor allem zur Automatisierung von Routineaufgaben, während in den USA KI auch für komplexe, zwischenmenschliche Aufgaben eingesetzt wird. Unternehmen sollten diese Unterschiede nicht als Defizit, sondern als Chance begreifen und ihre KI-Implementierung an die jeweiligen Stärken und Bedürfnisse der Teams anpassen. Daher empfiehlt es sich in Deutschland dem Beispiel der jüngsten Mitarbeiter zu folgen und KI zunächst als Unterstützungstool für repetitive Aufgaben zu etablieren, um Akzeptanz und Vertrauen zu schaffen.
Stand: 08.12.2025
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Außerdem ist die hohe digitale Kompetenz der Gen Z eine Chance, aber kein Selbstläufer. Unternehmen sollten gezielte Trainings und Weiterbildungsangebote schaffen, die nicht nur die technischen Fähigkeiten stärken, sondern auch den kritischen Umgang mit KI fördern. Peer-Learning und Austauschformate zwischen den Generationen helfen, Wissen zu teilen und Unsicherheiten abzubauen.
Auch wenn die deutsche Gen Z KI kaum für sensible Aufgaben nutzt, ist es wichtig, organisations- und rollenspezifische Leitplanken zu setzen. Unternehmen sollten nicht nur allgemeine Nutzungsrichtlinien formulieren, sondern auch konkrete Vorgaben für den Einsatz von KI in verschiedenen Arbeitsbereichen schaffen. So wird sichergestellt, dass KI verantwortungsvoll und zielgerichtet eingesetzt wird.
Fazit
Das Beispiel der Gen Z zeigt: Künstliche Intelligenz ist längst im Arbeitsalltag angekommen, wird aber je nach Land und Unternehmenskultur unterschiedlich eingesetzt und bewertet. Für Unternehmen bedeutet das, KI-Strategien flexibel und bedarfsorientiert zu gestalten – mit Fokus auf praktische Mehrwerte, gezielte Weiterbildung und klare Leitlinien. So kann KI ihr volles Potenzial entfalten und die Arbeitswelt nachhaltig bereichern.