Gartner-Prognose KI treibt IT-Ausgaben auf Rekordniveau, gleichzeitig droht das KI-Splinternet

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Weltweit investieren Unternehmen und Staaten in KI-Infrastruktur. Laut Gartner steigen die globalen IT-Ausgaben 2026 auf über sechs Billionen US-Dollar. Parallel zeichnet sich eine geopolitische Fragmentierung ab: Bis 2027 könnte mehr als ein Drittel aller Länder an regionalspezifische KI-Plattformen gebunden sein. Für Unternehmen entsteht damit ein Spannungsfeld zwischen Wachstum, Souveränität und technologischer Abhängigkeit.

Laut Gartner werden bis 2027 rund 35 Prozent der Länder eigene, regionalspezifische KI‑Plattformen nutzen. Dies führe zu isolierten Daten- und Rechen-Ökosystemen. Damit drohe ein Splinternet.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Laut Gartner werden bis 2027 rund 35 Prozent der Länder eigene, regionalspezifische KI‑Plattformen nutzen. Dies führe zu isolierten Daten- und Rechen-Ökosystemen. Damit drohe ein Splinternet.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die weltweiten IT-Investitionen erreichen 2026 ein neues Rekordniveau. Nach aktuellen Prognosen von Gartner steigen die Ausgaben um rund elf Prozent auf insgesamt 6,15 Billionen US-Dollar. Der zentrale Wachstumstreiber ist Künstliche Intelligenz. Insbesondere Rechenzentren und KI-optimierte Server verzeichnen extreme Zuwächse. Allein die Ausgaben für Data-Center-Systeme sollen in diesem Jahr um mehr als 30 Prozent wachsen.

Der Markt verschiebt sich damit strukturell: Unternehmen investieren nicht mehr nur in klassische IT-Erneuerung, sondern in KI-fähige Infrastruktur als strategische Basis. Hyperscaler treiben den Ausbau massiv voran, gleichzeitig folgen große Industrieunternehmen mit eigenen KI-Plattformen und dedizierten Rechenkapazitäten. Software bleibt ebenfalls ein Wachstumsfeld. Trotz einer leichten Korrektur der Prognosen rechnet Gartner weiterhin mit zweistelligen Zuwächsen, wobei generative KI-Modelle besonders stark skalieren.

Deutschland partizipiert an diesem Trend, jedoch moderater als der globale Durchschnitt. Nach Bitkom-Prognosen wächst der heimische ITK-Markt 2026 auf rund 245 Milliarden Euro. Besonders dynamisch entwickeln sich Software, Cloud-Dienste und KI-Plattformen. Die Umsätze mit KI-Lösungen steigen um mehr als 60 Prozent. Gleichzeitig bleibt der internationale Wettbewerbsdruck hoch: Deutschland hält nur einen kleinen Anteil am weltweiten IT-Markt und wächst langsamer als führende Digitalökonomien.

Regionale KI-Ökosysteme entstehen

Parallel zum Investitionsboom zeichnet sich eine zweite Entwicklung ab, die strategisch mindestens ebenso relevant ist: die Regionalisierung von KI-Infrastruktur. Gartner erwartet, dass bis 2027 rund 35 Prozent der Länder an regionalspezifische KI-Plattformen gebunden sein werden.

Staaten priorisieren zunehmend eigene Datenräume, nationale Cloud-Strukturen und lokal entwickelte KI-Stacks. Sicherheitsinteressen, Datenschutz, Exportkontrollen und industriepolitische Ziele beschleunigen diese Entwicklung. Für viele Regierungen wird KI zur kritischen Infrastruktur, vergleichbar mit Energie oder Telekommunikation.

Diese Fragmentierung führe zu einem globalen „KI-Splinternet“: Statt eines einheitlichen Marktes entstehen mehrere technologische Blöcke mit eigenen Plattformen, Standards und Governance-Modellen. Unternehmen müssten künftig stärker berücksichtigen, in welchem regulatorischen und geopolitischen Raum ihre KI-Systeme betrieben werden. Plattformwahl werde damit zur strategischen Standortentscheidung.

Neue Anforderungen an Unternehmensstrategien

Für Industrieunternehmen könnten sich daraus konkrete Konsequenzen ergeben: Datenresidenz, Compliance und Lieferketten werden zu zentralen Architekturfragen. KI-Anwendungen müssten so gestaltet sein, dass sie regulatorische Vorgaben verschiedener Regionen erfüllen können. Gleichzeitig würde das Risiko technologischer Abhängigkeiten von einzelnen Plattformanbietern steigen.

Experten empfehlen daher modell- und plattformagnostische Architekturen. Multi-Cloud-Strategien, offene Standards und flexible Workflows gewinnen an Bedeutung. Unternehmen investieren zunehmend in Governance-Strukturen, um KI-Entscheidungen nachvollziehbar und auditierbar zu machen, auch im Hinblick auf den AI Act.

Hinzu kommt die Hardware-Ebene. Die Versorgung mit Hochleistungs-Chips wird zum geopolitischen Faktor. Nationale Strategien zur Mikroelektronik und europäische Initiativen zur Lieferkettenresilienz zeigen, dass Halbleiter als Schlüsselressource für KI betrachtet werden. Unternehmen müssen ihre Beschaffungsstrategien entsprechend diversifizieren.

Der globale KI-Boom ist damit mehr als ein Technologiezyklus. Er verändert die Struktur digitaler Märkte und verschiebt die Balance zwischen Innovation und Souveränität. Für Unternehmen entsteht ein Umfeld, in dem technologische Entscheidungen gleichzeitig wirtschaftlich, politisch und strategisch bewertet werden müssen.

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