Helmholtz Munich „Centaur“ – KI-Modell soll menschliche Entscheidungen präzise vorhersagen

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Das neue Sprachmodell „Centaur“ von Helmholtz Munich setzt auf die Datenbasis von über zehn Millionen Einzelentscheidungen. Es will menschliches Verhalten nicht nur nachvollziehen, sondern in neuen Situationen vorhersagen – und könnte klassische psychologische Theorien herausfordern.

Forscher bei Helmholtz Munich stellen das Sprachmodell „Centaur“ vor. Das KI-System soll menschliches Entscheidungsverhalten simulieren und klassische Theorien der Psychologie erweitern.(Bild:  KI-generiert)
Forscher bei Helmholtz Munich stellen das Sprachmodell „Centaur“ vor. Das KI-System soll menschliches Entscheidungsverhalten simulieren und klassische Theorien der Psychologie erweitern.
(Bild: KI-generiert)

Mehr als zehn Millionen Einzelentscheidungen, rund 60.000 Versuchspersonen, 160 psychologische Experimente: Mit diesen Eckdaten betritt das KI-Modell „Centaur“ von Helmholtz Munich die Bühne. Das Team um Dr. Marcel Binz und Dr. Eric Schulz setzt auf den eigens kuratierten Datensatz „Psych-101“. Dieser umfasst Entscheidungen zu Risiko, Belohnung, Moral und mehr – alles systematisch in ein einheitliches Format gebracht, um die Verarbeitung per Sprachmodell zu ermöglichen. Die Forscher verfolgen ein Ziel: menschliches Verhalten nicht nur erklären, sondern so genau simulieren, dass selbst in neuen, bislang unbekannten Aufgaben die Vorhersage stimmt.

Laut Angaben von Helmholtz Munich kann Centaur typische Entscheidungsstrategien erkennen und flexibel auf wechselnde Kontexte reagieren. Selbst Reaktionszeiten sollen sich präzise vorhersagen lassen. Damit übertrifft das Modell klassische psychologische Ansätze, die meist zwischen Nachvollziehbarkeit und Prognosekraft abwägen mussten. „Wir haben ein Werkzeug geschaffen, das erlaubt, menschliches Verhalten in beliebigen sprachlich beschriebenen Situationen vorherzusagen – wie ein virtuelles Versuchslabor“, sagt Binz. Das Team sieht Potenzial in der Analyse klinischer Entscheidungsprozesse – etwa bei Depressionen oder Angststörungen. In künftigen Ausbaustufen will man demografische und psychologische Merkmale ergänzen, um Unterschiede im Entscheidungsverhalten noch gezielter zu analysieren.

Im Unterschied zu gängigen KI-Entwicklungen bei Tech-Konzernen setzt Helmholtz Munich auf offene Standards. Das Centaur-Modell soll transparent, lokal gehostet und für Forschungspartner zugänglich bleiben. Die Wissenschaftler betonen den ethischen Rahmen: „Wir verbinden KI-Forschung mit psychologischer Theorie – und mit einer klaren ethischen Verantwortung“, so Binz. In der nächsten Forschungsphase richtet sich der Fokus auf das Innenleben von Centaur. Welche Rechenmuster stehen für menschliche Denkstrategien? Wie unterscheiden sich diese bei gesunden und psychisch belasteten Personen? Antworten auf diese Fragen könnten neue Impulse für Medizin, Umwelt- und Sozialwissenschaften geben – und zeigen, wie eng KI und empirische Forschung inzwischen verzahnt sind.

Was ist Psych-101?

Psych-101 ist ein Datensatz, den das Team um Marcel Binz speziell für das Training des KI-Modells Centaur zusammengestellt hat. Er enthält über zehn Millionen Einzelentscheidungen von mehr als 60.000 Versuchspersonen, die an 160 psychologischen Experimenten teilgenommen haben. Die Experimente decken ein breites Spektrum menschlichen Verhaltens ab – von Risikoentscheidungen über Belohnungslernen bis hin zu moralischen Dilemmata. Das Team musste alle Daten manuell aufbereiten und in ein einheitliches Format bringen, sodass sie von einem Sprachmodell verarbeitet werden können. Damit stellt Psych-101 eine bislang einzigartige Ressource dar, um menschliches Verhalten auf Basis von Spracheingaben systematisch zu modellieren.

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