Wenn Algorithmen zu Ingenieuren werden sollen KI als Heilsbringer für die Produktentwicklung?

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Immer mehr Industrieunternehmen setzen auf KI in der Produktentwicklung. Eine aktuelle Studie von Aras zeigt: Der Investitionswille ist hoch, doch Kompetenzlücken und Datensilos bremsen den Fortschritt.

„Die Integration von KI in die Produktentwicklung ist nicht nur wichtig, um Schritt zu halten – es geht darum, in einem immer härter umkämpften Markt zu überleben“, so Jens Rollenmüller, Regional Vice President beim auf Product Lifecycle Management (PLM) Anbieter Aras.(Bild:  Aras)
„Die Integration von KI in die Produktentwicklung ist nicht nur wichtig, um Schritt zu halten – es geht darum, in einem immer härter umkämpften Markt zu überleben“, so Jens Rollenmüller, Regional Vice President beim auf Product Lifecycle Management (PLM) Anbieter Aras.
(Bild: Aras)

Die Hoffnung ist groß, die Realität komplex: Künstliche Intelligenz (KI) soll Unternehmen helfen, Produkte schneller, effizienter und nachhaltiger zu entwickeln. Doch der Weg dorthin ist holprig.

80 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI in der Produktentwicklung ein.(Bild:  Aras)
80 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI in der Produktentwicklung ein.
(Bild: Aras)

Laut der im Januar 2025 veröffentlichten Studie* „Die Zukunft der Produktentwicklung – Product Lifecycle Management im Fokus“ (Registrierung erforderlich) des PLM-Anbieters Aras arbeiten 80 Prozent der befragten Industrieunternehmen bereits mit KI-Technologien im Bereich Produktentwicklung.

Weitere 91 Prozent planen, ihre Investitionen in den kommenden zwei Jahren zu erhöhen. „Die Integration von KI in die Produktentwicklung ist nicht nur wichtig, um Schritt zu halten – es geht darum, in einem immer härter umkämpften Markt zu überleben“, sagt Jens Rollenmüller, Regional Vice President bei Aras, und betont die Bedeutung für die Unternehmensstrategie: „Digitale Engineering-Tools ermöglichen es Herstellern, intelligentere Produkte zu entwickeln, Kosten zu optimieren und Innovationen schneller auf den Markt zu bringen.“

91 Prozent der Hersteller planen, ihre Investitionen in KI für die Produktentwicklung in den nächsten zwei Jahren zu erhöhen.(Bild:  Aras)
91 Prozent der Hersteller planen, ihre Investitionen in KI für die Produktentwicklung in den nächsten zwei Jahren zu erhöhen.
(Bild: Aras)

Innovation mit Hindernissen

Das Ziel vieler Unternehmen sei klar: Mit KI-Anwendungen sollen Produktzyklen verkürzt, Produktionskosten gesenkt und gesetzliche Anforderungen effizienter erfüllt werden. Besonders gefragt seien laut Aras digitale Engineering-Werkzeuge, die durch Simulationen, generatives Design und Datenanalysen neue Spielräume eröffnen könnten.

Doch trotz der technologischen Möglichkeiten bleibt die Realität fragmentiert. 69 Prozent der Befragten äußern laut Studie Sicherheits- und Datenschutzbedenken. 65 Prozent beklagen fehlende Fachkenntnisse im Umgang mit KI-Technologien, und 64 Prozent kämpfen mit isolierten Datensilos.

Die Hürden seien struktureller Natur, erklärt Jens Rollenmüller, Regional Vice President bei Aras. „Um erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen Datensilos aufbrechen, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren und Flexibilität in jede Phase des Produktlebenszyklus einbauen.“ KI sei kein Allheilmittel, sondern verlange einen grundlegenden Wandel in den Abläufen.

Regionale Unterschiede, globale Ambitionen

Besonders investitionsfreudig zeigen sich laut Studie Unternehmen aus den USA: 98 Prozent der dort Befragten wollen den Einsatz von KI in der Produktentwicklung ausbauen. In der DACH-Region sind es 92 Prozent. Auch Frankreich sticht hervor: 95 Prozent der dortigen Unternehmen sprechen sich für höhere Ausgaben in Software zur Produktentwicklung aus – einzig Japan fällt mit 70 Prozent deutlich ab.

35 Prozent der Unternehmen nennen die Produktionskosten als größte Herausforderung.(Bild:  Aras)
35 Prozent der Unternehmen nennen die Produktionskosten als größte Herausforderung.
(Bild: Aras)

Was nach blindem Fortschrittsglauben klingt, ist in vielen Fällen eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Denn neben der immer kürzeren Time-to-Market sehen sich Unternehmen mit wachsender Produktkomplexität und verschärften regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Laut Erhebung nennen 35 Prozent die Produktionskosten als größte Herausforderung, gefolgt von Produktkomplexität (34 Prozent) und gesetzlichen Vorgaben (33 Prozent).

Ein weiterer Faktor, der zunehmend strategische Bedeutung gewinne, sei die Nachhaltigkeit. 32 Prozent der Unternehmen verweisen auf deren wachsende Relevanz bei der Planung neuer Produkte.

Digital Thread als Rückgrat

Wie lässt sich der vielzitierte Wandel konkret gestalten? Laut Aras sei ein „flexibles PLM-System in Verbindung mit einem starken Digital Thread“ entscheidend für eine erfolgreiche KI-Integration. Entscheidend sei nicht nur die Wahl der Technologie, sondern ihre nahtlose Einbettung in bestehende Prozesse.

Wer früh auf KI setze, könne sich Wettbewerbsvorteile bei Kosten, Compliance und Komplexität sichern. Doch der Einsatz müsse sorgfältig orchestriert werden. Die Risiken einer isolierten oder unausgereiften Einführung seien real – nicht nur technisch, sondern auch kulturell.

Die Industrie steht am Anfang einer Transformation, deren Tempo stark von internen Voraussetzungen abhängt. KI verspricht Effizienz und Innovation – doch ohne geeignete Dateninfrastruktur, Weiterbildungsinitiativen und strategische Verankerung könnte sie zu einem teuren Versprechen werden. Die von Aras vorgelegte Studie bietet einen Einblick in aktuelle Erwartungen und Herausforderungen – bleibt aber als unternehmensnahe Erhebung in ihrer Aussagekraft begrenzt.

* „Die Zukunft der Produktentwicklung – Product Lifecycle Management im Fokus“ ist eine Studie, die im Januar 2025 von durchgeführt wurde und auf den Antworten von 656 Führungskräften in Europa, den USA und Japan basiert. Sie untersucht, wie führende Unternehmen der Automobil-, Luftfahrt- und Maschinenbauindustrie (mit einem Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro) mit dem Einsatz von KI, der Integration digitaler Prozesse und regulatorischen Anforderungen umgehen.

(ID:50363046)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Big Data, Analytics & AI

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung