Vernetzte Produktion

IoT-Basics: PLUGandWORK für Industrie 4.0

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PLUGandWORK für Industrie 4.0 erfordert auch ein neues Engineering von Maschinen, Anlagen und Komponenten. Da jedes mechatronische Element Software-relevante Anteile in Form von eingebetteten Systemen oder Steuerungscode enthält, stellen sich auch hier Fragen der Interoperabilität und des durchgängigen Datenmanagements für den späteren Betrieb der Anlage in der Produktion. Mechatronische Elemente sind die Komponenten von Produktionsanlagen; damit enthalten sie die Grundinformationen über die Geometrie, die Kinematik sowie die Logik der Anlage. Soll die Anlage als virtuelles Modell abgebildet werden, erfordert dies das Vorhandensein elektronischer Daten über die jeweiligen Komponenten, z. B. als CAD-Zeichnung, Verdrahtungsplan, SPS-Code, Datenblätter usw. [III.26].

Idealzustand: Gerätetypen sind herstellerübergreifend definiert

Um eine interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Anlagenentwicklung und -Inbetriebnahme zu ermöglichen, ist eine ganzheitliche, mechatronische Sicht auf Daten von Produkten, Prozessen und Ressourcen entlang des gesamten Lebenszyklus der Fertigungsanlage Voraussetzung. Über ein Datenmanagement werden alle relevanten Daten und Modelle zugänglich gemacht. Eine Aufgabe des Datenmanagements ist das Änderungsmanagement, sodass mehrere Anwender parallel an einem Modell arbeiten können (Multi-User-Management). Neue Projekte werden aus Standardkomponenten und Regeln aufgebaut, die in einer mechatronischen Bibliothek abgelegt sind. Der Inhalt dieser Bibliothek wächst mit jedem Projekt um neu erstellte Komponenten.

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Ideal wäre es, wenn Geräte- oder Maschinentypen herstellerübergreifend definiert sind, über welche Eigenschaften, Fähigkeiten und letztlich Attribute sie verfügen. Ein Beispiel dafür ist die Companion Specification für Auto-ID-Geräte, die gemeinsam vom Arbeitskreis des AIM Deutschland (Association for Automatic Identification and Mobility) und der OPC Foundation erarbeitet wurde [III.27]. Für andere Geräteklassen oder Maschinentypen existiert aktuell Standardisierungsbedarf.

Die Möglichkeiten, um die digitale Transformation aktiv im eigenen Unternehmen zu gestalten, z.B. datenbasierte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, bestehende Produkte mit Datenträgern und Kommunikationsmöglichkeiten aufzuwerten, die bestehende Organisation in eine Industrie-4.0-Organisation umzuwandeln oder völlig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, sind ausführlich in [III.28] beschrieben. Es gibt allerdings kein allgemeingültiges Rezept: Industrie 4.0 ist für jedes Unternehmen, seine Kunden, Produkte und Kultur individuell auszugestalten.

Dr.-Ing. Olaf Sauer studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe. Nach beruflichen Stationen am Fraunhofer IPK, bei Bombardier Transportation und in der METROPLAN-Gruppe leitete er von 2004 bis 2012 den Geschäftsbereich Leitsysteme am Fraunhofer IOSB, wo er jetzt Stellvertreter des Institutsleiters ist. Er ist Lehrbeauftragter am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der Universität Kassel, Vorsitzender des Fachbereichs Informationstechnik des VDI sowie Mitglied des Vorstandes der Wirtschaftsstiftung Südwest.

Quellen/Literatur

[III.24] EBEL, MIRIAM; DRATH, RAINER; SAUER, OLAF: Automatische Projektierung eines Produktionsleitsystems der Fertigungstechnik mit Hilfe des Datenaustauschformats CAEX. In: atp edition. Automatisierungstechnische Praxis. Band 50 (2008), Nr. 5, S. 40–47.

[III.25] SCHLEIPEN, MIRIAM; OKON, MICHAEL; HÖVELMEYER, THOMAS, et al.: PCFF – PLUG&Control für flexible Fördertechnik. In: JASPERNEITE, JÜRGEN; JUMAR, ULRICH (Hrsg.): Jahreskolloquium Kommunikation in der Automation (KommA 2014). Lemgo, November 2014.

[III.26] VDI 4499 Digitale Fabrik – Blatt 2: Digitaler Fabrikbetrieb. Berlin: Beuth Verlag GmbH, Mai 2011.

[III.27] OPC Unified Architecture for AutoID Companion Specification, Release 1.00. Lampertheim: AIMDeutschland e.V., Verl: OPC Foundation Europe, April 2016.

[III.28] JUNG, HANS H.; KRAFT, PATRICIA: Digital vernetzt. Transformation der Wertschöpfung. München: Carl Hanser Verlag GmbH, 2017.

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Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal Industry of Things. Verantwortlicher Redakteur: Jürgen Schreier

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