Wirtschaftsmotor KI GitLab: Deutschlands Milliardenpotenzial mit KI

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Eine neue C-Level-Studie von GitLab beziffert den wirtschaftlichen Effekt KI-gestützter Softwareentwicklung in Deutschland auf jährlich 26 Milliarden Euro. Unternehmen berichten bereits von höheren Umsätzen und Produktivitätsgewinnen. Gleichzeitig zeigt der Report deutliche Lücken bei Kompetenzen, Governance und operativer Umsetzung.

Laut André Braun, Head of DACH bei GitLab, zeigen Unternehmen in Deutschland bereits messbare Effekte durch KI-gestützte Software-Innovation.(Bild:  GitLab)
Laut André Braun, Head of DACH bei GitLab, zeigen Unternehmen in Deutschland bereits messbare Effekte durch KI-gestützte Software-Innovation.
(Bild: GitLab)

GitLab legt eine C-Level-Studie (Registrierung erforderlich) vor, die den wirtschaftlichen Effekt KI-gestützter Entwicklung in Deutschland beziffert – und ihn auf 26 Milliarden Euro jährlich taxiert. Die Rechnung basiert auf dem durchschnittlichen Wert, den Unternehmen im vergangenen Jahr aus eingesparter Entwicklerzeit gezogen haben: 28.935 Euro pro Kopf. Hochgerechnet auf rund 900.000 Entwicklerinnen und Entwickler im Land ergibt sich das Milliardenpotenzial. Doch so beeindruckend die Zahlen klingen – die strategische Umsetzung bleibt der Knackpunkt.

Unternehmen investieren – aber die Lücke bleibt

Die Studie, durchgeführt von The Harris Poll unter 252 deutschen C-Level-Verantwortlichen, zeigt ein geschlossenes Bild:

90 Prozent der Führungskräfte sehen Software-Innovation als zentrale Geschäftspriorität, 83 Prozent wären bereit, mehr als die Hälfte ihres IT-Budgets dafür einzusetzen, und 88 Prozent rechnen damit, dass KI den wichtigsten Umsatztreiber ihres Unternehmens innerhalb der nächsten fünf Jahre verändert.

Tatsächlich berichten die Unternehmen laut GitLab im Durchschnitt bereits von 43 Prozent Umsatzwachstum und 46 Prozent Produktivitätssteigerung durch KI-gestützte Entwicklung; ein Wert, der sich vor allem durch Automatisierung, schnellere Entwicklungszyklen und effizientere Zusammenarbeit ergibt.

Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffe eine operative Lücke. Zwar gehen 89 Prozent der Führungskräfte davon aus, dass agentische KI in drei Jahren Standard sein wird, aber die aktuelle Realität sieht anders aus: Der Mensch übernimmt heute noch etwa 75 Prozent der Entwicklungsarbeit. Idealerweise müsste sich das Verhältnis in Richtung 50/50 verschieben, so der Konsens in der Befragung.

Gegenüber BigData-Insider bestätigt André Braun, GitLab-Chef für die DACH-Region, diese Diskrepanz. Die ambitionierten Ziele seien da, sagt er, aber es fehle eine „disziplinierte Umsetzung“. Fragmentierte Prozesse, fehlende Kompetenzen und Sicherheitsbedenken würden die operative Realität ausbremsen.

Governance, Skills und operative Reife als Bremsklötze

Besonders deutlich wird der Schmerzpunkt bei der Kompetenzfrage: 51 Prozent der Führungskräfte sehen einen erhöhten Schulungsbedarf, 88 Prozent fordern ausdrücklich, Mitarbeitende für agentische KI fit zu machen. Themen wie Datenmanagement, Prompt Engineering oder verantwortungsvolle KI-Nutzung rücken ins Zentrum.

Parallel steigen die Governance-Anforderungen: 80 Prozent erwarten neue Sicherheitsrisiken durch agentische KI, besonders durch autonome Entscheidungen innerhalb der Software-Pipeline. Unternehmen reagieren bereits darauf: 52 Prozent haben interne Richtlinien eingeführt, 46 Prozent setzen Pilotprogramme ein, und 44 Prozent arbeiten mit Audits durch Dritte.

Braun sieht die entscheidenden Kriterien für erfolgreiche KI-Adaption in drei Elementen: konsequenter Kundenfokus, Platform Thinking, und Teamstrukturen, die KI effizient skalieren lassen. Praktisch bedeutet das: Ein Unternehmen, das KI in der Entwicklung produktiv nutzen möchte, brauche klare Ownership, abgestimmte Prozesse und eine enge Übersetzung zwischen Technik und Geschäftsergebnissen.

Der ROI ist greifbar, aber fragil

Ein weiterer Schwerpunkt des Reports ist der Return-on-Investment. Laut Befragung amortisieren sich KI-Investitionen in der Softwareentwicklung bei 92 Prozent der Unternehmen innerhalb von zwei Jahren, oft sogar früher. Besonders hoch bewertet werden:

  • Beschleunigte Entwicklungszyklen
  • Datengestützte Produktentwicklung
  • Verbesserte Sicherheit und Fehlerreduktion
  • Höhere Produktivität der Entwicklerteams

Die Unternehmen messen Erfolg inzwischen weniger an technischer Performance als an konkreten Geschäftsergebnissen wie Umsatz, Effizienz oder Wettbewerbsvorteilen – ein Wandel, der KI-Projekte messbarer und weniger experimentell machen soll.

Deutschland hat Tempo aufgenommen – aber noch keinen Vorsprung

Unterm Strich beschreibt GitLab ein Deutschland, das beim Thema Software-Innovation nicht zurückliegt, aber auch nicht vorausläuft. Die Grundlagen sind laut Report vorhanden: breite Investitionsbereitschaft, frühe ROI-Signale und eine hohe Erwartung an agentische KI. Gleichzeitig verhindern Qualifikationslücken, fragmentierte Ownership und Sicherheitsbedenken eine echte Skalierung.

Oder, wie Braun es formuliert: „Der frühe ROI ist stark“, aber die nächsten drei Jahre dürften darüber entscheiden, ob Vision in Realität übersetzt wird. Deutschland stehe an einem Scheideweg – und ob die 26 Milliarden Euro tatsächlich realisiert werden, hänge weniger von neuen Technologien ab als von Fokus, Alignment und Umsetzungskraft in den Unternehmen.

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