Kommentar von Agatha Dabrowski, Skaylink Ethische KI fördert das Geschäft

Von Agatha Dabrowski 4 min Lesedauer

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Diskriminierung durch KI-Algorithmen und Verzerrungen im Algorithmus werfen ethische Fragen auf, denen sich Unternehmen stellen sollten. Doch das ist mehr als ein moralisches Gebot: Ein verantwortungsvoller Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) kann auch den Geschäftserfolg fördern.

Die Autorin: Agatha Dabrowski ist Senior Consultant bei Skaylink(Bild:  Skaylink)
Die Autorin: Agatha Dabrowski ist Senior Consultant bei Skaylink
(Bild: Skaylink)

Ein neues Thema beschäftigt die Chefetagen deutscher Unternehmen: Wenn wir KI verwenden, können wir den Ergebnissen dann vertrauen? Halluzinationen, unerwünschte Verzerrungen und sogar Diskriminierung durch Künstliche Intelligenz stellen Unternehmen vor moralische Fragen. Ethische KI stellt einen Ansatz dar, um den Weg für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technologie zu bereiten und kann ein Schlüssel zum nachhaltigen Geschäftserfolg im digitalen Zeitalter sein.

Das Inkrafttreten des EU AI Act Anfang August 2024 markiert den Beginn einer Ära, in der bestimmte ethische Überlegungen nicht mehr optional, sondern obligatorisch sein werden. In diesem Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und moralischer Verantwortung entscheidet sich, wer die digitale Zukunft gestalten wird. Diese Entwicklung zeigt, dass Unternehmen, die jetzt die Weichen für eine verantwortungsvolle KI-Nutzung stellen, sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern könnten.

Der Bias-Einfluss: Die unsichtbare Verzerrung

Die Euphorie über die Möglichkeiten der KI wird von einer ernüchternden Realität eingeholt: KI-Systeme sind nicht frei von Vorurteilen, die Menschen benachteiligen. Dieser Bias, oft subtil und schwer zu erkennen, manifestiert sich besonders in Bezug auf Geschlechter und ethnische Minderheiten. Bias kann das Ergebnis einer komplexen Mischung aus historisch verzerrten Datensätzen, unausgewogenen Entwicklerteams und unbewussten gesellschaftlichen Vorurteilen sein, die sich in den Algorithmen widerspiegeln.

Die Konsequenzen reichen weit über theoretische Diskussionen hinaus. In der Praxis können diese Verzerrungen zu diskriminierenden Entscheidungen in verschiedenen Bereichen führen. Ein KI-System, das beispielsweise aufgrund historischer Daten männliche Bewerber für Führungspositionen bevorzugt oder ethnische Minderheiten bei der Risikobeurteilung benachteiligt, verstärkt bestehende Ungleichheiten.

Für Unternehmen stellt dieser Bias-Einfluss eine doppelte Herausforderung dar: Einerseits müssen sie sicherstellen, dass ihre KI-Systeme fair und unvoreingenommen agieren, andererseits müssen sie das Vertrauen der Öffentlichkeit gewinnen und beweisen, dass ihre technologischen Anwendungen ethisch Bestand haben. Die Lösung dieses Dilemmas erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der von der Datenauswahl über die Algorithmenentwicklung bis hin zur kontinuierlichen Überwachung und Anpassung reicht.

Strategien zur Implementierung ethischer KI

Der Weg zu einer verantwortungsvollen KI beginnt mit der Erkenntnis, dass moderne Technologie und Ethik untrennbar miteinander verbunden sind. Unternehmen, die diese Verbindung verstehen und ernst nehmen, setzen auf einen mehrstufigen Ansatz, der Transparenz, Verantwortlichkeit und Fairness in den Mittelpunkt stellt.

Ein Schlüsselelement hierbei ist der „Human-in-the-Loop“-Ansatz. Dieser integriert menschliche Expertise in den KI-Entscheidungsprozess und schafft eine Symbiose aus maschineller Effizienz und menschlichem Urteilsvermögen. In der Praxis bedeutet dies, dass kritische Entscheidungen nicht allein der KI überlassen werden, sondern durch menschliche Überprüfung und Intervention ergänzt werden. Das ist besonders in Bereichen wichtig, in denen Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben können, wie etwa im Gesundheitswesen, der Strafverfolgung oder in der Justiz.

Transparenz und Dokumentation bilden das Rückgrat verantwortungsvoller KI-Praktiken. Unternehmen müssen bereit sein, die „Blackbox“ ihrer KI-Systeme zu öffnen und deren Funktionsweise verständlich zu machen. Das beinhaltet eine detaillierte Dokumentation der verwendeten Daten, der Trainingsmethoden und der Entscheidungskriterien. Nur so können potenzielle Vorurteile identifiziert und korrigiert werden. Zudem schafft diese Offenheit Vertrauen bei Kunden, Partnern und Regulierungsbehörden.

Weitere wichtige Schritte sind die Einrichtung von Ethik-Boards und die Durchführung externer Audits. Diese unabhängigen Gremien und Prüfungen dienen als Korrektiv und helfen, blinde Flecken in der eigenen Wahrnehmung aufzudecken. Sie können frühzeitig auf ethische Bedenken hinweisen und Lösungsvorschläge entwickeln, bevor Probleme entstehen.

Der Geschäftsvorteil ethischer KI

Ethische Prinzipien in KI-Systemen einzubetten, erscheint auf den ersten Blick als zusätzlicher Arbeitsaufwand, erweist sich jedoch bei näherer Betrachtung als strategischer Vorteil im globalen Wettbewerb. Unternehmen, die sich dieser Herausforderung stellen, positionieren sich nicht nur als verantwortungsbewusste Akteure, sondern erschließen auch neue Geschäftsmöglichkeiten.

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Vertrauensbildung ist in diesem Kontext von zentraler Bedeutung. In einer Zeit, in der Datenschutz und verantwortungsvolle Technologienutzung zunehmend in den Fokus der öffentlichen Debatte rücken, können Unternehmen durch transparente und faire KI-Praktiken das Vertrauen ihrer Kunden gewinnen und festigen. Dadurch profitieren Unternehmen von einem verbesserten Markenimage und positionieren sich stärker, um talentierte Mitarbeiter anzuziehen und zu halten.

Die proaktive Auseinandersetzung mit ethischen Fragen in der KI-Entwicklung kann zudem als Katalysator für Innovation dienen. Unternehmen, die sich den Herausforderungen ethischer KI stellen, entwickeln oft kreative Lösungen, die über den ursprünglichen Anwendungsbereich hinausgehen. Das kann zu neuen Produkten oder Dienstleistungen führen, die sowohl ethisch vertretbar als auch wirtschaftlich erfolgreich sind.

Nicht zuletzt bietet die Fokussierung auf ethische KI gerade jetzt einen Vorteil in Bezug auf regulatorische Compliance. Mit der zunehmenden Regulierung von KI-Technologien, wie sie etwa durch den EU AI Act vorangetrieben wird, sind Unternehmen, die sich bereits bei der Implementierung ihrer KI-Technologie mit den ethischen Fragen beschäftigen, besser auf zukünftige gesetzliche Anforderungen vorbereitet. Das kann kostspielige Anpassungen und potenzielle rechtliche Risiken minimieren.

Zukunftsperspektiven

Die Integration ethischer Prinzipien in KI-Systeme ist kein vorübergehender Trend, sondern eine fundamentale Verschiebung in der Art und Weise, wie Technologie entwickelt und eingesetzt wird. Unternehmen, die diese Entwicklung frühzeitig erkennen und proaktiv handeln, werden in der Lage sein, die Chancen der KI-Revolution voll auszuschöpfen und mitzugestalten, während sie gleichzeitig potenzielle Risiken minimieren.

Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, eine Balance zwischen Innovation und ethischer Verantwortung zu finden. Das erfordert eine kontinuierliche Anpassung und Weiterentwicklung der KI-Strategien, um mit den sich ändernden technologischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Erwartungen Schritt zu halten. Unternehmen, die diese Herausforderung annehmen, verhalten sich nicht nur verantwortungsvoll, sondern stärken auch ihre eigene Innovationskraft und fördern ihren zukünftigen Geschäftserfolg.

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