„Endlich ins Machen kommen“ Deutschlands erste KI-Fabrik eröffnet in Rekordzeit

Von Elke Witmer-Goßner 11 min Lesedauer

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Mit der offiziellen Inbetriebnahme der ersten KI-Fabrik Deutschlands am Standort München setzt die Deutsche Telekom ein starkes industrie- und technologiepolitisches Signal. Die neue „Industrial AI Cloud“ gilt als eine der größten europäischen KI-Infrastrukturen und als zentraler Baustein für die digitale Souveränität in Deutschland und Europa.

Industrial AI Cloud: Eröffnung der Hochleistungs-KI-Infrastruktur der Deutschen Telekom in München mit massiv skalierbaren Rechen- und Speicherressourcen speziell für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle.(Bild:  Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)
Industrial AI Cloud: Eröffnung der Hochleistungs-KI-Infrastruktur der Deutschen Telekom in München mit massiv skalierbaren Rechen- und Speicherressourcen speziell für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle.
(Bild: Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)

Telekom-CEO Tim Höttges sieht man die Aufregung nicht an, aber er habe schlecht geschlafen gesteht er, angesichts des Anlasses und in Erwartung des fast vollständig versammelten Telekom-Vorstands und der hochrangigen Gäste aus Politik und Wissenschaft sowie der zahlreichen Partner und Kunden, die der Einladung nach München gefolgt sind. Aber seine Freude kann er schwer unterdrücken: In nur sechs Monaten – von der Ankündigung im Juni 2025 bis zur offiziellen Eröffnung am gestrigen Mittwoch – hat die Deutsche Telekom zusammen mit ihrem Datacenter-Partner Polaris die KI-Fabrik in München aufgebaut.

Ein neuer KI-Hub für Deutschland und Europa

„Wir reden nicht, die Telekom macht”, sagt Tim Höttges, CEO Deutsche Telekom. “Wir investieren in KI. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann.“(Bild:  Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)
„Wir reden nicht, die Telekom macht”, sagt Tim Höttges, CEO Deutsche Telekom. “Wir investieren in KI. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann.“
(Bild: Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)

Im Münchner Tucherpark im Eisbachviertel hat die Deutsche Telekom ihre KI-Fabrik am 4. Februar 2026 offiziell eröffnet. Auf rund 10.700 Quadratmetern stellt der Konzern Unternehmen, Forschungseinrichtungen und dem öffentlichen Sektor hochperformante, souveräne Rechenleistung für künstliche Intelligenz (KI) zur Verfügung. Die Anlage ist bereits zu rund einem Drittel ausgelastet – unter anderem durch Industrie- und Deep-Tech-Unternehmen wie Agile Robots oder PhysicsX, Catena-X oder Yamaha.

„Wir reden nicht, die Telekom macht“, sagte Telekom-CEO Tim Höttges bei der Eröffnung. „Wir investieren in KI, in den deutschen Standort und in Europa. Unsere KI-Fabrik in München ist die Basis für innovative Geschäftsmodelle – und für Souveränität. Wir beweisen hier, dass Europa KI kann.“

Politische Anerkennung: „Statement für Mindset, Tempo und Souveränität“

Der bei der offiziellen Eröffnung anwesende Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder ordnete das Projekt als technologischen und mentalen Wendepunkt ein – für Bayern, für Deutschland und für Europa. Die KI-Fabrik sei nicht nur Infrastruktur, sondern „ein Statement für eine Geisteshaltung – für Offenheit, Freiheit und Technologie“. Mit der neuen Anlage werde die nationale KI-Rechenkapazität auf einen Schlag um rund 50 Prozent erhöht, ein „Quantensprung“ im internationalen Wettbewerb, so Söder. Rechenzentren seien längst keine unsichtbare Infrastruktur mehr, sondern „die echten Hotspots der Zukunft“. Gleichzeitig betonte der Ministerpräsident die Bedeutung eines industrieorientierten KI-Ansatzes: Europas Stärke liege nicht allein in neuen Softwareideen, sondern in der Verknüpfung von KI mit Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie und Produktion – also dort, wo Deutschland seine Kernkompetenzen habe.

"Wir sehen durch die KI-Fabrik eine Steigerung der KI-Rechenkapazität auf einen Schlag um 50 Prozent. Das ist ein Quantensprung. Wir können aufholen in Deutschland“, sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. (Bild:  Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)
"Wir sehen durch die KI-Fabrik eine Steigerung der KI-Rechenkapazität auf einen Schlag um 50 Prozent. Das ist ein Quantensprung. Wir können aufholen in Deutschland“, sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
(Bild: Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)

Auch das Thema digitale Souveränität ordnete Söder differenziert ein. Eine vollständige Abkopplung von den USA sei weder realistisch noch sinnvoll. Entscheidend sei vielmehr, „eigene Stärke aufzubauen, um Partnerschaften auf Augenhöhe zu führen“. Vor diesem Hintergrund verteidigte er ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Nvidia als „perfektes Match“ und verwies auf die strategische Einbettung der KI-Fabrik in das bayerische Hightech-Ökosystem aus Forschung, Start-ups und Industrie.

Vizekanzler Bundesfinanzminister Lars Klingbeil unterstrich diese Einschätzung und stellte die KI-Fabrik in einen gesamtwirtschaftlichen Kontext. Das Projekt sei ein starkes Signal für wirtschaftliche Erneuerung, Selbstbewusstsein und technologische Handlungsfähigkeit nach mehreren Jahren konjunktureller Schwäche. Die Anlage verbinde drei zentrale Ziele der Bundesregierung: Innovationskraft, wirtschaftliche Stärke und digitale Souveränität. Klingbeil bezeichnete die KI-Fabrik als Leuchtturmprojekt für die Metropolregion München und den Hightech-Standort Deutschland, auch wenn sie „ironischerweise unter der Erde liegt“. Die Kooperation zwischen Telekom, SAP und Nvidia sei Ausdruck eines selbstbewussten Souveränitätsverständnisses: „Ja, wir haben bei der Chipproduktion Rückstände – aber wir holen auf, indem wir starke Partnerschaften eingehen und eigene Infrastruktur aufbauen“.

Zugleich machte Klingbeil deutlich, dass der Ausbau souveräner KI-Kapazitäten weitere politische Weichenstellungen erfordere – von innovationsfreundlicher Regulierung über besseren Zugang zu Kapital bis hin zu einer europäischen Daten- und Energiepolitik für Rechenzentren. Die Bundesregierung arbeite daher an einer eigenen Rechenzentrumsstrategie und unterstütze das Ziel, mindestens eine der geplanten europäischen KI-Gigafactories nach Deutschland zu holen.

Strategische Bedeutung: Industrielle KI statt reiner Plattformökonomie

Im Zentrum der KI-Fabrik steht nicht generische KI, sondern angewandte industrielle KI. Mit einer Rechenleistung von bis zu 0,5 ExaFLOPS – bereitgestellt über rund 10.000 NVIDIA-GPUs – können komplexe Simulationen, digitale Zwillinge und KI-gestützte Produktionsprozesse in Echtzeit berechnet werden.

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Für Antonio Krüger, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), ist das ein entscheidender Vorteil: „Erfolgreiche KI-Anwendung erfordert Rechenpower. Die europäische Industrie hat einen großen Vorteil: ihren Schatz an Daten. Jetzt entsteht die Infrastruktur, um dieses Potenzial zu heben und das stärkt die technologische Souveränität.“ Auch Cedrik Neike, Vorstandsmitglied der Siemens AG, sieht darin einen Wettbewerbsvorteil für den Standort: „Gemeinsam mit der Telekom bringen wir unsere Software in eine GPU-beschleunigte, souveräne Cloud. Das ist kein Zukunftsversprechen – das ist in München jetzt Realität.“

Ein souveräner Technikbaukasten „made in Germany“

Kern des Projekts ist ein vollständig integrierter, souveräner Technologie-Stack mit insgesamt 35 Partnern, nur einer davon – Nvidia – nicht aus Deutschland. Der deutsche Stack wurde bewusst als Gegenmodell zu fragmentierten Cloud- und KI-Architekturen internationaler Hyperscaler konzipiert. Ziel ist es, Rechenleistung, Daten, Plattformen und industrielle Anwendungen in einer kontrollierten, rechts- und datensouveränen Umgebung zusammenzuführen.

Die Deutsche Telekom und ihre IT-Tochter T-Systems verantworten dabei die komplette Infrastruktur- und Betriebsebene. Dazu zählen die KI-optimierten Rechenzentren, die Netzanbindung, Sicherheitsarchitekturen, Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie der Betrieb der Industrial AI Cloud auf deutschem Boden. Daten verbleiben damit vollständig innerhalb der deutschen und europäischen Rechtsräume – ein zentraler Faktor für regulierte Branchen, kritische Infrastrukturen und den öffentlichen Sektor.

Auf der Plattform-Ebene setzt der Deutschland-Stack auf die SAP Business Technology Platform (BTP). Sie fungiert als verbindendes Element zwischen Infrastruktur und Anwendung und ermöglicht es Unternehmen, KI-Funktionen direkt in bestehende Geschäftsprozesse zu integrieren – von Produktion und Logistik über Finance bis hin zu Wartung und Supply Chain. Statt isolierter KI-Experimente kann damit die skalierbare industrielle Nutzung im Vordergrund stehen.

T-Systems-Chef Ferri Abolhassan erklärt Hintergründe zur KI-Fabrik. Sie ist die Basis für den „Deutschland Stack“, den die Telekom gemeinsam mit SAP bereitstellt.  (Bild:  Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)
T-Systems-Chef Ferri Abolhassan erklärt Hintergründe zur KI-Fabrik. Sie ist die Basis für den „Deutschland Stack“, den die Telekom gemeinsam mit SAP bereitstellt.
(Bild: Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)

Ergänzt wird der Stack durch Industriepartner wie Siemens, die tiefes Domänen-, Prozess- und Anlagenwissen einbringen. Digitale Zwillinge, simulationsbasierte Optimierung und KI-gestützte Steuerung komplexer industrieller Systeme werden so direkt auf der Infrastruktur ausgeführt, auf der auch die relevanten Produktions- und Betriebsdaten liegen. Das reduziert Latenzen, erhöht die Datensicherheit und beschleunigt den Weg von der Idee in den industriellen Einsatz.

Der entscheidende Unterschied zu globalen Cloud-Modellen soll in der End-to-End-Integration liegen: Infrastruktur, Plattform und Anwendung sind nicht lose gekoppelt, sondern strategisch aufeinander abgestimmt. Damit entsteht ein Ökosystem, das europäische Industriekompetenz mit moderner KI verbindet und gezielt auf Wertschöpfung, Resilienz und technologische Unabhängigkeit ausgerichtet ist.

Der per Video zugeschaltete SAP-CEO Christian Klein unterstrich die Bedeutung dieser Integration: „Souveränität heißt, Daten an einem klar definierten Ort zu managen und angewandte KI direkt in Geschäftsprozesse zu bringen.“ Damit gebe es auch keine Ausreden mehr für Unternehmen und Behörden, die Digitalisierung wegen angeblich fehlender Datensicherheit oder Souveränität nicht entschieden anzugehen. SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig ergänzte: „Die Differenzierung Deutschlands muss über Industriekompetenz funktionieren. Genau dafür ist diese KI-Fabrik gebaut.“

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Warum Nvidia und sonst niemand von außerhalb Europas?

Ein bewusster Bruch liegt in der Wahl von Nvidia als einzigem nicht-europäischen Technologiepartner. Die Erklärung: Hochleistungs-KI-Chips und GPU-Ökosysteme dieser Klasse sind aktuell weltweit nur von Nvidia verfügbar, wie Telekom-CEO Höttges nicht nur einmal betonte.

Telekom-Manager Ferri Abolhassan stellte klar: Die Hardware und das Software-Ökosystem von Nvidia inklusive Omniverse- und Digital-Twin-Technologien seien notwendig, um international wettbewerbsfähige industrielle KI zu ermöglichen. Betrieb, Datenhoheit, Sicherheit und Anwendungen hingegen verbleiben vollständig in deutscher bzw. europäischer Verantwortung.

Europäische KI-Souveränität: SOOFI als Leuchtturmprojekt

Ein zentrales Projekt auf der neuen KI-Fabrik ist SOOFI (Sovereign Open Source Foundation Models). Ziel ist die Entwicklung eines offenen, europäischen Large Language Models mit rund 100 Milliarden Parametern – trainiert und betrieben vollständig in Europa. Jörg Bienert, Geschäftsführer des KI-Bundesverbands, betonte: „Das Training erfolgt auf der Industrial AI Cloud der Telekom, die sich in einer internationalen Ausschreibung aufgrund ihrer State-of-the-Art-Infrastruktur durchgesetzt hat. Das ist ein Schlüsselelement für eine souveräne, offene und sichere KI-Infrastruktur.“

SOOFI: Europäisches Sprachmodell als Herzstück souveräner KI

Mit dem Forschungsprojekt SOOFI (Sovereign Open Source Foundation Models) wird erstmals ein großskaliges europäisches Sprachmodell mit rund 100 Milliarden Parametern vollständig auf deutscher Infrastruktur trainiert und betrieben. Die Leibniz Universität Hannover hat dafür der Telekom einen Auftrag im zweistelligen Millionenbereich erteilt.

SOOFI soll das bisherige Modell Teuken7B ablösen und eine souveräne Open-Source-Alternative zu US- und chinesischen Foundation Models schaffen. Beteiligt sind sechs führende deutsche Forschungseinrichtungen sowie zwei Start-ups, flankiert von der Fraunhofer-Gesellschaft, dem KI-Bundesverband und dem Center for Sovereign AI (CESAI). Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Technisch hat SOOFI seine Heimat in einer der leistungsfähigsten KI-Infrastrukturen Europas gefunden: Für das Training stellt die Telekom-Tochter T-Systems ihre Industrial AI Cloud mit über 10.000 GPUs, 0,5 ExaFLOPS Rechenleistung und rund 20 Petabyte Speicher bereit. Ab März 2026 wird ein dedizierter Verbund aus rund 130 NVIDIA DGX B200 Systemen mit mehr als 1.000 GPUs exklusiv für SOOFI betrieben. Die Anbindung erfolgt über mehrere 400-GBit/s-Glasfaseranschlüsse, bei gleichzeitig höchsten Standards für Datenschutz, Sicherheit und Verfügbarkeit.

Für Ferri Abolhassan, CEO von T-Systems, ist das Projekt von strategischer Tragweite: „Digitale Souveränität ist geschäftskritisch für den Wirtschaftsstandort Europa. Mit SOOFI setzen wir ein Projekt um, das entscheidend für die Zukunftsfähigkeit und Unabhängigkeit Europas im Bereich künstliche Intelligenz ist“.

Inhaltlich liegt der Fokus von SOOFI auf europäischen Sprachen, industriellen Anwendungen sowie Einsatzszenarien in Verwaltung, KMU und kritischen Infrastrukturen. Dabei gehe es dabei auch um Wertefragen, so dass große KI-Modelle europäische Werte respektieren, um Vertrauen in KI aufzubauen, insbesondere in sensiblen Bereichen wie Bildung, Medizin, Verwaltung und Produktion. Auch aus Sicht des KI-Bundesverbands ist SOOFI ein Schlüsselprojekt. Geschäftsführer Jörg Bienert ordnet es als komplementär zu europäischen Industrie- und Infrastrukturinitiativen ein: „Neben Gigafactory-Ansätzen und dem EU AI Action Plan ist SOOFI ein zentraler Baustein für ein offenes, unabhängiges und leistungsfähiges KI-Ökosystem in Deutschland und Europa“.

Standortvorteil München: Umbau statt Neubau, Tiefe statt Fläche

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der ersten KI-Fabrik Deutschlands liegt im Standort München selbst und in der Art und Weise, wie die Infrastruktur realisiert wurde. Statt eines langwierigen Neubaus setzt die Deutsche Telekom auf die Transformation eines bestehenden Rechenzentrums im Münchner Stadtgebiet. Dadurch konnte das Projekt in außergewöhnlich kurzer Zeit umgesetzt werden.

Kaltgang eines Ports im Rechenzentrum, das vollständig aus erneuerbaren Energien betrieben wird und auf höchste Energieeffienz ausgelegt ist. Der PUE beträgt derzeit max. 1,2, ein PUE von 1,09 sei realistisch zu erreichen.(Bild:  Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)
Kaltgang eines Ports im Rechenzentrum, das vollständig aus erneuerbaren Energien betrieben wird und auf höchste Energieeffienz ausgelegt ist. Der PUE beträgt derzeit max. 1,2, ein PUE von 1,09 sei realistisch zu erreichen.
(Bild: Deutsche Telekom AG / Cindy Albrecht / Robert Dieth)

Das Rechenzentrum erstreckt sich über sechs Etagen in die Tiefe. Die dritte und vierte Untergeschossebene nutzt die Telekom exklusiv für ihre Industrial AI Cloud, die hier mit Hochleistungs-GPUs für industrielle KI-Anwendungen betrieben wird. Die unterirdische Bauweise ermöglicht hohe Sicherheitsstandards, stabile klimatische Bedingungen und eine effiziente Nutzung sowieso begrenzter innerstädtischer Flächen.

Auch beim Thema Energieeffizienz und Nachhaltigkeit setzt der Standort Maßstäbe. Für die Kühlung der Systeme wird Wasser aus dem Eisbach genutzt, das ganzjährig niedrige Temperaturen aufweist und so den Energiebedarf deutlich reduziert. Gleichzeitig soll künftig die entstehende Abwärme nicht ungenutzt abgeführt, sondern zur Versorgung des angrenzenden Wohn- und Geschäftsquartiers aus den 1960er Jahren eingesetzt werden. Die KI-Fabrik wird vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben, und erreicht Spitzenwerte bei der Energieeffizienz (PUE <1,2). Gleichzeitig ist der Standort hoch skalierbar: Eine Verdopplung, perspektivisch sogar Verdreifachung der Kapazitäten in München ist möglich.

Ein industriepolitischer Wendepunkt

Mit der Eröffnung der ersten KI-Fabrik Deutschlands entsteht mehr als ein Rechenzentrum: Die Industrial AI Cloud ist strategischer Anker für industrielle KI, digitale Souveränität und europäische Wettbewerbsfähigkeit.

Oder, wie es Tim Höttges formulierte: „Das ist ein guter Tag für Deutschland, weil wir endlich ins Machen kommen.“

Worum geht es bei der KI-Gigafactory-Initiative der EU?

Die Initiative zum Ausbau von KI-Gigafactories ist ein strategisches Großprojekt der Europäischen Union, mit dem Ziel, Europas Wettbewerbsfähigkeit im globalen KI-Wettlauf zu stärken und digitale Souveränität zu sichern.

Die Gigafactories sind riesige, hochleistungsfähige KI-Rechenzentren, die jeweils mit rund 100.000 modernsten KI-Prozessoren ausgestattet werden sollen und damit deutlich mehr Kapazität bieten können als die derzeit in Europa entstehenden KI-Fabriken. Ihre Aufgabe ist es, die nächsten Generationen von KI-Modellen zu entwickeln und zu trainieren – also die technologisch anspruchsvollsten Algorithmen für Anwendungen in Medizin, Mobilität, Klimaforschung, Industrie und mehr.

Die Europäische Kommission hat über ihre InvestAI-Fazilität 20 Milliarden Euro an Fördermitteln versprochen, um bis zu fünf KI-Gigafactories in der EU aufzubauen. Diese werden im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften realisiert und sollen Start-ups, Forschungseinrichtungen und Unternehmen Zugang zu massiv skalierbarer Rechenleistung bieten – ein wichtiger Baustein, um technologisch mit den USA und China mitzuhalten.

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