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DATA Storage & Analytics Technology Conference 2019 „Die Datenanonymität muss gewährleistet sein“

| Redakteur: Nico Litzel

Dr. Gerhard Koch, Technical Board Member bei Octarine LLC und ehemals CTO von Connected Car & Car IT Security – Mercedes Car Group, ist auf der „DATA Storage & Analytics Technology Conference 2019“ mit der Keynote „Analytics und KI – große Chancen und große Herausforderungen“ vertreten.

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Dr. Gerhard Koch, Technical Board Member, Octarine LLC
Dr. Gerhard Koch, Technical Board Member, Octarine LLC
(Bild: Octarine LLC)

BigData-Insider: Die Automobilindustrie ist eine treibende Kraft bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI). Wohin wird Ihrer Einschätzung nach die Reise gehen? Auf welche Anwendungen werden wir uns freuen können?

Koch: Neben dem klassischen Einsatz von KI im Rahmen des autonomen Fahrens, wo es vor allem um die Auswertung von Sensordaten und die Klassifizierung von Fahrsituationen geht, findet man weitere interessante KI-Anwendungen im Bereich des sprachlichen Austauschs zwischen Fahrer und Fahrzeug, das sogenannte Natural Language Processing. Beispiele sind das Abrufen von Playlisten im Auto oder Abfragen des nächsten Wartungsintervalls etc. Auch die Prognose von Bedürfnissen über den Fahrer spielt eine immer größere Rolle im Automobilumfeld. So ist zum Beispiel denkbar, dass entlang des Verhaltens des Fahrers ein vorausschauendes Profil erstellt wird, das typisch für ihn ist – Sitzheizung automatisch einstellen, bevorzugte Parkplätze ansteuern, bevorzugte Musik abspielen usw.

KI-Funktionen sind aber nicht ganz unumstritten. Welche neue Herausforderungen kommen hier auf uns zu?

Koch: Heutige Modelle haben immer das grundsätzliche Thema, das sie die Anonymität der Fahrzeug- und Benutzerdaten gewährleisten müssen, die ja Basis der heutigen KI-Modelle sind. Dabei ist zu gewährleisten, dass die Hersteller dementsprechende Daten-Anonymisierungsmechanismen auf technischer Seite zur Verfügung stellen. Aktives Anmelden der KI-Funktionen könnte zum Beispiel biometrisch erfolgen, sodass Missbrauchsszenarien minimiert werden. An diesen Szenarien wird aktiv geforscht. Grundsätzlich sieht man vermehrt Entwicklungen, die sich mit den ethischen Implikationen von KI-Modellen auseinandersetzen. So sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass die Diskussion über die „Moral“ der KI-Algorithmen gerade eben erst begonnen hat. Im Mai 2016 hat das Verkehrsministerium eine Kommission eingesetzt, um diese Fragen zu erörtern.

Wie viel Autonomie sollten wir KI-Modellen künftig zugestehen? Wie sehr sollten sich KI-Modelle selbstständig weiterentwickeln dürfen?

Koch: Die KI-Modelle, die heute eingesetzt werden, befinden sich vor allem im Bereich Prognose bzw. Erkennen von Zusammenhängen beziehungsweise Klassifikation von Situationen. So lange diese im Bereich Assistenzsysteme für den Menschen eingesetzt werden, ist dies eher unkritisch. Anders sieht das aus, wo KI selbstständig Entscheidungen treffen soll, da dies ja unmittelbar mit den gelernten Daten und der Qualität des ausgewählten KI-Modells zusammenhängt. Insofern gibt es noch viel Forschungsarbeit zu leisten, wie die Qualität von Algorithmen kontinuierlich beurteilt werden kann, um alleinige Entscheidungen der Algorithmik zuzulassen. Vielversprechend sind neueste Forschungen in der Selbst-Anpassbarkeit von neuronalen Netzen, die sich verändernden Problemstellungen automatisch anpassen können. Die Frage, inwieweit sich KI-Modelle selbstständig weiterentwickeln dürfen, ist eher eine Frage der Regulierung und weniger eine Frage der Technologie.

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