Kommentar von Emmanuelle Blons, Infosys Limited Deutsche Unternehmen sind in Europa führend bei generativer KI

Von Emmanuelle Blons 3 min Lesedauer

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Eine Studie von Infosys ergab, dass Unternehmen in Europa im vergangenen Jahr bereits 1,3 Milliarden US-Dollar für generative KI-Initiativen ausgegeben haben – und Deutschland ist mit Investitionen von 294 Millionen US-Dollar in diesem Zeitraum führend. Es gibt auch bereits Pläne, dies im kommenden Jahr um 107 Prozent auf 609 Millionen US-Dollar zu steigern.

Die Autorin: Emmanuelle Blons ist Associate Vice President, Organization Change Management, bei Infosys Limited(Bild:  Crédit photo : Mon Portrait Pro)
Die Autorin: Emmanuelle Blons ist Associate Vice President, Organization Change Management, bei Infosys Limited
(Bild: Crédit photo : Mon Portrait Pro)

Generative Künstliche Intelligenz (GenKI) ist eine der transformativen neuen Technologien. Ihre vielfältigen Funktionen wie Text-, Bild- und Audiogenerierung steigern die Produktivität in vielerlei Hinsicht: Dazu gehört die Zusammenfassung von Meetings ebenso wie das Vervollständigen von Code.

Position mit Vor- und Nachteilen

Obwohl Deutschland im Bereich der generativen KI unter den europäischen Ländern die Nase vorn hat, klafft zwischen Deutschland und den USA, wie in den meisten europäischen Ländern, eine große technologische Lücke.

Früher war die Situation anders. Im Jahr 2008 war die Wirtschaft der EU größer. Dann kam die globale Finanzkrise, unter der Europa litt – und die US-Wirtschaft die europäische überholte. Die US-Regierung hat im Vergleich zu den europäischen Ländern höhere Investitionen in technologische Forschung und Entwicklung getätigt. Das Ergebnis: Die Vereinigten Staaten sind technologisch fortschrittlicher geworden. Darüber hinaus haben die Europäische Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) und das EU-KI-Gesetz dazu geführt, dass sich europäische Unternehmen stärker auf ethische Herausforderungen oder Voreingenommenheit bei KI-Modellen konzentrieren. Unternehmen zeigen dadurch eine geringere Risikobereitschaft.

Ein weiterer Grund für den Rückstand Deutschlands im Vergleich zu den Vereinigten Staaten: Es fehlt private digitale Infrastruktur. Darüber hinaus sind Bürokratie, die langsame Implementierung neuer Technologien, der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und die technologiefeindliche Bevölkerung weitere Herausforderungen. Dennoch ist Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Konkurrenten im Bereich der Ausgaben immer noch fast führend.

Der Wettbewerbsvorteil

Obwohl Deutschland mit einigen Hindernissen zu kämpfen hat, trugen bestimmte Faktoren dazu bei, dass es seine günstige Position in Bezug auf die Ausgaben und den erzielten Geschäftswert erreicht hat. Deutschland ist die größte Volkswirtschaft in Europa mit einem konstant hohen Brutto-Inlandsprodukt (BIP). Seine KI-Forschungszentren und Start-ups sind ebenfalls auf dem Vormarsch. Dies führt zu einer wachsenden Innovations- und Kollaborationskultur, aber auch entsprechenden Ausgaben.

Auch die Regierung hat ein Interesse daran, die KI-Szene zu fördern, um die Vereinigten Staaten und China zu überholen. Im November 2023 stellte die deutsche Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger den KI-Aktionsplan vor, mit dem Ziel, dass die Abhängigkeit von externen Parteien minimiert werden soll.

Deutschland hat für die KI-Entwicklung in der laufenden Legislaturperiode fast 1,6 Milliarden Euro als Investition vorgesehen. Zu weiteren Initiativen gehören Ausgaben für KI-Forschung, Infrastruktur, Aus- und Weiterbildung sowie Maßnahmen zur Einstellung und Bindung von KI-Talenten. Ein Bonus für Unternehmen: Sie erhalten im Rahmen des Programms Finanzmittel für die Einführung von KI-Technologien und Anreize, um KI-Experten zu beschäftigen. Dieser Impuls der Regierung ebnet den Weg für die KI-Entwicklung in Deutschland.

Fortschritt Raum bieten

Auch wenn Deutschlands Zukunft im Bereich der KI vielversprechend aussieht, sind die konsequenten Bemühungen deutscher Unternehmen um KI-Entwicklung und -Innovation der Schlüssel, um ihr Ziel zu erreichen: die USA und China hinsichtlich KI zu überholen. Gleichzeitig müssen sie sich aber an verantwortungsvolle KI-Praktiken halten – und auf dieser Basis ein KI-first-Betriebsmodell entwickeln.

  • Produkt: Unternehmen sollten sich um generative KI-Produkte herum organisieren. So lassen sich schnelle und kurze Lösungen schaffen, um gemeinsam zu arbeiten und den Geschäftswert zu steigern.
  • Design: Organisationen und ihre Teams entwerfen Designs für generative KI-Lösungen, um die Zusammenarbeit zu optimieren und bessere Erfahrungen zu entwickeln.
  • Daten: Unternehmen sollten hochwertige Datenbestände sortieren, damit das Betriebsmodell effizient arbeiten kann.
  • Talent: Bereits im Unternehmen befindliche Talente rekrutieren bzw. neue einstellen, anstatt auszulagern. So lassen sich fähige Teams aufbauen, die die KI-Ziele erreichen.
  • Technik: Ein Microservices-basierten, API-first, Cloud-native und Headless (MACH)-Ansatz wählen – damit lassen sich neue generative KI-Systeme schnell anstelle der alten Systeme einsetzen.

Ein Mix aus diesen unterschiedlichen Praktiken, ergänzt durch staatliche Initiativen, unterstützt deutsche Unternehmen dabei, ihre KI-Fortschritte zu verstärken. Gleichzeitig können sie so ihre Position als Marktführer hinsichtlich Ausgaben und Einführung von KI weltweit festigen.

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