Die Risk-Management-Abteilung des Rückversicherungsriesen Swiss Re kämpfte mit einer steigenden Anzahl regulatorischer Anforderungen, die sich in längeren Durchlaufzeiten und sinkender Zufriedenheit der internen Kunden niederschlug. Beim Umbau der traditionellen Data-Warehouse-Architektur setzte Swiss Re auf die Datenvirtualisierungsplattform von Denodo.
Wegen der Corona-Krise hat der Rückversicherer Swiss Re, hier die Konzernzentrale in Zürich, im ersten Halbjahr 2020 Milliardenverluste gemacht. Doch am 31. Juli bemerkte Finanzchef John Dacey: „Unsere Projektionen deuten darauf hin, dass wir das Schlimmste überstanden haben sollten.“
Die Schweizer Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) gehört zu den führenden und größten Rückversicherungsunternehmen der Welt. Im Jahr 1863 gegründet, beschäftigt Swiss Re heute über 15.000 Angestellte in 80 Büros auf der ganzen Welt und konnte im Jahr 2018 gebuchte Bruttobeiträge von 36,4 Milliarden Dollar verzeichnen.
Innerhalb der Swiss-Re-Gruppe kommt der Risk-Management-Abteilung eine Schlüsselrolle zu. Ihre Aufgabe ist es, Geschäftsentscheidungen für sämtliche Bereiche anhand von Datenanalysen zu steuern und dadurch die Solvenz sicherzustellen, um bei Schadensereignissen die Zahlungsfähigkeit gewährleisten zu können.
Hierzu werden die Versicherungsrisiken berücksichtigt und anhand von Simulationen über mögliche Schadensereignisse das Kapital berechnet, das für den Schadensfall zurückgehalten werden muss. In dieser Abteilung sind weltweit 500 Mitarbeiter als Risikoanalysten tätig, dazu kommen auf Seiten der IT noch einmal etwa 90 Mitarbeiter, die an den Systemen beteiligt sind.
Herausforderungen im Zukunftsmarkt Asien
In ihrer Funktion ist die Risk-Management-Abteilung auf einen ganzheitlichen Blick auf alle Teil- und Risikobereiche im Geschäft der Lebensversicherungen, Sachversicherungen und Anlagen angewiesen. Hierfür hat das Risk-Management seit der Jahrtausendwende auf eine traditionelle Data-Warehouse-Architektur in der dritten Normalform gesetzt, die „Oracle“ als Basis hat und mit ETL-Prozessen (ETL = Extract, Transform, Load) befüllt wurde. Für das Reporting kamen Data Marts zum Einsatz.
Diese Architektur sah sich mit der Zeit immer größeren Herausforderungen ausgesetzt. Insbesondere die hohe Frequenz neuer regulatorischer Anforderungen in der Versicherungsbranche war mit der traditionellen Architektur nicht mehr zu stemmen, da sie nur drei bis vier größere Releases pro Jahr bewältigen konnte.
Die steigenden Anforderungen am wichtigen Entwicklungsmarkt Asien stellte das Risk-Management vor immer größere Herausforderungen. Das Data-Warehouse war 2008 entwickelt worden, um die Reporting-Anforderungen des Swiss Solvency Test zu erfüllen, daraufhin folgte wenige Jahre später „Solvency II“ der EU, ehe in den vergangenen Jahren der asiatische Raum nachgezogen hat.
Die Leistungsgrenze
Uwe Raetz, Head RM IT Solution Development & QA bei Swiss Re, erinnert sich: „Man kann sagen, dass der asiatische Markt auf einmal aufgewacht ist. Nachdem Europa mit Solvency II und dem Swiss Solvency Test vorgelegt hat, hat sich Asien an diesem Beispiel orientiert und nachgezogen. [...] Da der asiatische Markt sehr fragmentiert ist und jedes Land seine eigenen Anforderungen formuliert hat, sind wir innerhalb von kürzester Zeit mit einer großen Menge an neuen Anforderungen geflutet worden, die mit dem traditionellen Data-Warehouse nicht mehr zu stemmen war.“
Dass die Architektur des Data-Warehouse an ihre Grenzen geriet, zeigte sich an den langen Durchlaufzeiten, die für einen Change nötig waren. Zudem konnte das Risk-Management seinen internen Kunden wichtige Reports nicht mehr in der vorgeschriebenen Zeit liefern, was sowohl im Team als auch bei den internen Kunden für zunehmende Frustration sorgte.
Zu diesen funktionalen Anforderungen kamen noch technische Anforderungen hinzu, die durch die übergeordnete IT-Strategie der Swiss Re entstanden. Diese sah vor, bis Ende 2020 die komplette Infrastruktur, welche bis dato On-Premises gehostet wurde, vollständig in die Cloud zu migrieren.
Umstellung auf Data Vault
Die neue Architektur musste also vor allem eine schnellere Verfügbarkeit und größere Flexibilität bereitstellen. Dafür sollten Daten nahezu in Echtzeit und zentral von Systemen wie Nutzern abgerufen werden können.
Mit Hilfe von DevOps sollten zudem ein höherer Automatisierungsgrad und schnellere Releases erreicht werden. Gleichzeitig musste gewährleistet werden, dass Nutzer nicht durch die Änderungen in der Architektur und der Cloud-Migration in ihrer Arbeit und Produktivität eingeschränkt werden.
Im ersten Schritt wurde 2016 mit der Umstellung des Datenmodells auf die Modellierungstechnik für Data-Warehouses „Data Vault“ begonnen und ein Metadaten-Management-System aufgebaut, um die Automatisierung von Prozessen zu ermöglichen. Im nächsten Schritt sollte für den einfacheren Zugriff der Nutzer eine Lösung zur Datenvirtualisierung implementiert werden.
Stand: 08.12.2025
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Die Lösung im eigenen Haus
Hierfür kam Denodo ins Spiel, Anbieter von Datenvirtualisierung, agile Datenintegration, Datenabstraktion und Echtzeitdatendienste für verschiedene Datenquellen. Dessen Plattform wurde bereits in der Abteilung für Sachversicherungen eingesetzt. Bereits nach einer kurzen Testphase mit einem Proof-of-Concept war klar, dass die Produkte auch in der neuen Architektur für das Risk-Management eine tragende Rolle einnehmen sollte.
„Wir konnten in etwa zwei Wochen mit der Unterstützung von Denodo die wichtigsten Use Cases für uns testen und kamen sehr schnell zum Schluss, dass es auch in unserer Abteilung die Lösung ist, die am besten passt“, rekapituliert Raetz. „Wir haben natürlich den Markt verfolgt und hatten auch andere Lösungen auf dem Schirm“, erläutert er, aber Denodo habe die Anforderungen sofort erfüllt.
Zu Beginn der Implementierung war es zunächst eine Herausforderung, die neue Technik ohne Erfahrung und das nötige Know-how innerhalb der Abteilung einzusetzen. Das Team von Raetz holte sich jedoch der Unterstützung bei der Denodo Community und Denodo selbst. Auch der Austausch mit den Kollegen der Sachversicherung half dabei, dass es zu keinen Verzögerungen oder Komplikationen kam.
Von heute auf morgen schneller und produktiver
Der Mehrwert der Denodo-Plattform ist jedoch vom ersten Moment an sichtbar gewesen und hat sich durch die zunehmende Entwicklungsgeschwindigkeit gezeigt. Innerhalb weniger Minuten lässt sich mithilfe der Plattform eine neue Datenquellen integrieren. Schnellere Feedback-Loops sind nun möglich. Mit Hilfe von Fast Prototyping konnte zudem ein erstes Feedback an Nutzeranfragen übermittelt werden, selbst wenn Erfordernisse wie die Datenanforderungen für das Reporting oder die letztlich eingesetzte Datenquelle noch gar nicht definiert waren.
„Die Geschwindigkeit, mit der wir auf der Denodo-Plattform entwickeln können, hat uns wirklich beeindruckt“, zeigt sich Manager Raetz begeistert. „Wir haben schon nach wenigen Stunden einen ersten Aufschlag an den Nutzer zurückspielen können, indem wir Quellen virtuell vorab integriert haben, damit der Nutzer auf der Denodo-Plattform schon damit herumspielen kann. Mit seinem Feedback haben wir dann in einem iterativen Prozess die Anforderungen schärfen und nachjustieren können. Das hat zu einem schlagartigen Anstieg der Nutzerzufriedenheit geführt.“
Ungetrübte Produktivität im stetigen Wandel
Heute ist die Risk-Management-Abteilung in der Lage, mit Denodo den kompletten Scope abzudecken, obwohl das System ständig erneuert und erweitert wird und ein Ende des Implementierungszeitraums noch nicht abzusehen ist. Dennoch sprechen die Kennzahlen für sich.
Statt wie bisher einmal im Quartal ist das System nun in der Lage, wenn nötig zehn Mal pro Tag einen kontrollierten Release mit Veränderungen durchzuführen. Dazu hat sich die Bearbeitungszeit von Nutzeranfragen von durchschnittlich zwei bis drei Wochen auf wenige Stunden reduziert, in denen ein erster Entwurf an den Anwender gehen kann.
Die Nutzerzufriedenheit ist auch deswegen stark gestiegen, da Anwender ihre Anfragen mit kurzen Iterationszyklen präzisieren können und so schnell an exakt die Ergebnisse kommen, die sie benötigen – ohne langwierige nachgelagerte Feedback-Runden.
Zufriedenheit stellt sich ein
Durch die Datenvirtualisierungsschicht von Denodo bleiben die Interfaces für Nutzer zudem immer stabil, auch wenn Datenquellen nachträglich verändert werden oder Änderungen im Backend vorgenommen werden, beispielsweise bei Storage-Technologien. So bleibt die Komplexität der zugrundeliegenden Technologien vor den Nutzern verborgen, während der Umbau der Architektur und die Migration in die Cloud im Hintergrund weiterlaufen können, ohne die Anwender in ihrer Produktivität zu stören.
Inzwischen ist Denodo bei fünf Abteilungen der Swiss Re im Einsatz und hat sich als fester Bestandteil der Infrastruktur etabliert. „Wir sind mit der Zusammenarbeit mit Denodo absolut zufrieden, auch wenn der Kontakt ein wenig zurückgegangen ist. Das liegt aber daran, dass wir inzwischen intern ausreichend Know-how aufgebaut haben, um Probleme auch selbständig zu lösen und nur noch bei Versions-Updates auf den Support zurückgreifen müssen“, so Bereichsleiter Raetz.