Kommentar von Sunil Senan, Infosys

Daten sind die neue Leitwährung

| Autor / Redakteur: Sunil Senan / Nico Litzel

Der Autor: Sunil Senan ist Vice President of Data & Analytics bei Infosys
Der Autor: Sunil Senan ist Vice President of Data & Analytics bei Infosys (Bild: Infosys)

Mitte der Neunziger Jahre gewann das Internet an Popularität. Diese neue Technologiewelle vernetzte Unternehmen, Verbraucher, Mitarbeiter und Bürger in einer Art und Weise, die zuvor nicht möglich war. Seitdem entstanden eine Vielzahl von E-Commerce-, B2B-, B2E (Business-to-Employee)-, G2C (Government-to-Citizen)-Portalen sowie das Internet der Dinge (IoT). Damit wurde das Internet zu einer Art Leitwährung des neuen digitalen Zeitalters.

Information Discovery, Suche und Collaboration-Tools generierten eine Flut an Daten, die es Menschen ermöglichten, fast grenzenlos Neues kennenzulernen und zu entdecken. Die heutige Welt dreht sich vielfach um Daten und damit um neue Chancen für Unternehmen. Sie unterstützen dabei, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, Kundenbeziehungen zu vertiefen und umfangreichere Erkenntnisse über ihre Business, Kunden und Produkte zu erhalten. Kurz gesagt: Die Welt wird von Wissen, Lernen und Automatisierung angetrieben – im Gegensatz zur einfachen Vernetzung.

Firmen schauen sich immer häufiger auch außerhalb ihres eigenen Unternehmens um, um die Daten zu generieren. Kombiniert mit den eigenen internen Daten bieten sie einen deutlichen Mehrwert und stärkere Aussagekraft. Bereits heute stammen 85 Prozent der von Organisationen benötigten Informationen aus externen Quellen. Ein Beispiel sind Unternehmen im Gesundheitswesen, deren Daten wertvoller sind, wenn sie mit Nachweisdaten verknüpft werden. Diese kommen beispielsweise von Fitness-Trackern oder und sozialen Netzwerken, die das Verhalten der Patienten aufzeichnen.

Daten verknüpfen heute bislang nicht vernetzte Akteure und Aktionen: Menschen, Prozesse, Anwendungen, Maschinen, Abteilungen und sogar Organisationen – und eröffnen allen Beteiligten ungeahnte neue Möglichkeiten.

Über reine Erkenntnisse hinaus

Diese „neue“ Leitwährung wird nicht nur durch Erkenntnisse und den entsprechenden Zugang angetrieben, sondern auch durch Wissensdrang, Lernwillen und kognitive Fähigkeiten. Daten bilden die Grundlage von Informationen, aus denen sich dann Handlungsoptionen ableiten lassen. Kombiniert mit Künstlicher Intelligenz bieten sich neue Möglichkeiten: Dazu gehören innovative Geschäftsmodelle, neue Umsatzquellen, sowie Daten-getriebene Produkte und Services. Unternehmen wollen neue strategische Ziele erreichen und die richtigen Daten können sie dabei unterstützen.

Organisationen wollen auf Grundlage ihrer Daten neue strategische Ziele erreichen. Sie forcieren damit Innovationen sowie eine engere Zusammenarbeit mit ihren Kunden, Mitarbeitern und anderen Stakeholdern voranzutreiben. Daten sind daher das neue strategische Kapital, das jede Branche verändert und auf deren Basis sich die Wettbewerbsfähigkeit steigern, Innovationschancen eröffnen und neue Geschäftsmodelle entwickeln lassen. Daten sind der Kern dieses Modells, das sich maßgeblich gewandelt hat: von einem strukturierten zu einem unstrukturierten ebenso wie von einem historischen zu einem Echtzeit-Modell. Silos werden aufgebrochen und es wird mit Partnern und Kunden eng zusammengearbeitet.

Neue Prozesse müssen erdacht werden

Die nächste Stufe ist, die Daten zu analysieren, sie in wertschöpfende Erkenntnisse umzuwandeln und zu nutzen – Order to Cash, Procure to Pay, Concept to Shelf, Hire to Retire, um nur einige zu nennen. Lange Zeit haben Unternehmen versucht, Daten und Erkenntnisse zu verwenden, um die Effizienz und Effektivität innerhalb der Prozesse zu steigern. Daten, Analysen und Künstliche Intelligenz ermöglichen allerdings neue Erfahrungen und verbessern die Zusammenarbeit mit Kunden – dieses enorme Potenzial sollte gehoben werden, zumal die Technologien die Basis für neue Geschäftsmodelle sind. Damit aktualisieren und straffen sie Prozesse, die diese Modelle unterstützen.

Auf der Transformationsebene treiben Daten neue digitale Interaktionen voran. Diese liefern reichhaltige Informationen, mit denen sich das Kundenverhalten besser verstehen und sich so für neue Interaktionen nutzen lässt. Gekoppelt mit Künstlicher Intelligenz werden die Daten noch wertvoller. Die Fähigkeit, Hunderte neuer Möglichkeiten, beispielsweise für eine Kundenansprache, neue Produkte oder Services, zu entwickeln, basiert auf automatisierten, autonomen Operationen und Disintermediation. In der Zwischenzeit liefern Maschinen, Wearables, Netzwerke und Sensoren Daten in Echtzeit. Diese bieten eine 360-Grad-Sicht auf Ökosysteme und deren Leistung, sie erkennen Muster und eröffnen neue höhere Effizienzlevel.

Die nächste Stufe der Evolution

Künftig werden Daten automatisiertes Lernen vorantreiben und neue Interaktionen erlauben und beeinflussen. Dies wird dazu beitragen, weitere, neuere Geschäftsmodelle zu entwickeln und so die Grenzen kompletter Branchen zu verschieben. Ähnlich wie das Internet das Denken verändert hat, werden Daten das Wissen und den Einfluss von Menschen und Unternehmen die Wertschöpfungskette bereichern: durch detaillierteres Lernen, Voraussagen, Automatisierung und durch die Zusammenarbeit zwischen unabhängigen Akteuren.

Dies wird neue Geschäftsmodelle und Wege für ein verstärkte Interaktionen ermöglichen – ähnlich wie dies in den 90er-Jahren mit der .com-Domäne der Fall war. Es wird Datenmarktplätze geben, die auf Wissen, Lernen, Künstlicher Intelligenz und Automatisierung basieren. Sie erlauben, Erkenntnisse auf Basis von Daten zu entwickeln und dadurch bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen. Dies wird die Rolle und Positionierung informierter Unternehmen grundlegend verändern. Daten sind dann zentraler und (frei)verfügbarer Bestandteil der Wertschöpfungskette

Alle wichtigen Transformationen haben ihre eigenen Risiken und Grenzen, genau wie dies beim Internet zumindest zu Beginn der Fall war. Dass Unternehmen zu Beginn der aktuellen Technologie-Welle bereits die Lehren aus den früheren Internet-Erfahrungen gezogen haben, ist wichtig. Die Evolution von Cyber-Security ist ein Beispiel: Die neuen Anwendungen unterstützen die Datensicherheit. Organisationen verarbeiten und speichern immer mehr Daten über eine größere Anzahl von Domains. Damit wird die Cloud immer wichtiger – Security, Compliance und Zusammenarbeit entwickeln sich ähnlich weiter. Dieser Wandel ist bereits im Gange, die Europäische Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) ist der erste Schritt in diese Richtung. Künstliche Intelligenz wird einen noch größeren Einfluss darauf haben.

Chancen für Unternehmen

Daten sind für Firmen strategisch wichtig: Sie beeinflussen Chancen positiv, erschließen neue Umsatzquellen, ermöglichen neue Services und vertiefen das Wissen über Kunden und das Ökosystem, in dem sie sich bewegen. Vernetzte Fahrzeuge, sogenannte Connected Cars, sammeln Daten zur Nutzung und zum Fahrverhalten. Sie eröffnen Automobilherstellern neue Service-Modelle, beeinflussen die Infotainment-Optionen und stellen Empfehlungen zur Fahrt-Route und -Ziel zusammen. Darüber hinaus lassen sich Daten-getriebene Produkte auch durch die Informationen selbst ausliefern. Dazu gehört unter anderem der Verkauf von Informationen im Einklang mit Compliance, Datenschutz und anderen Regularien durch Anonymisierung, Nachverfolgung und Herkunft sowie Datenlizenzierung. Es gibt eine breite Palette solcher Möglichkeiten über viele verschiedene Branchen hinweg. Jede Anwendung und Chance unterscheidet sich natürlich je nach Sektor.

Daten verknüpfen somit bislang unverbundene Ereignisse. Sie verschieben bestehende Grenzen für Innovationen, Zusammenarbeit und Lernen. Es ermöglicht Unternehmen, ein detaillierteres Wissen über ihr Business und ihre Kunden. Die entwickeln bessere Produkte und Services schneller. Darüber hinaus heben sie das in den Daten schlummernde Potenzial und verändern so Industrien – in Kombination mit unterschiedlichen Technologien wie dem Internet der Dinge, künstlicher Intelligenz oder Machine Learning.

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