Robotersteuer

Bill Gates fordert Robotersteuer und liegt laut Studie falsch

| Autor / Redakteur: Victoria Sonnenberg / Nico Litzel

In der Arbeitswelt der Zukunft werden Mensch und Maschine enger als heute kooperieren.
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In der Arbeitswelt der Zukunft werden Mensch und Maschine enger als heute kooperieren. (Bild: Kuka)

Das McKinsey Global Institute stellt fest, dass sich mehr als 90 Prozent der Arbeitsplätze auch künftig nicht vollständig automatisieren lassen.

Grund für die Entwarnung, dass Roboter uns die Arbeit wegnehmen, liefert eine empirische Prüfung der Wirtschaftsdaten und Zukunftsforschung, die einen klaren Beschäftigungsanstieg in der Roboterbilanz zeigt – also demnach keine Spur der befürchteten Jobverluste.

In der Arbeitswelt der Zukunft werden laut McKinsey Global Institute Roboter die Arbeitnehmer in vielen Bereichen unterstützen – also Mensch und Maschine enger als heute kooperieren. Die positive Wirkung der Roboter-Automation auf den Arbeitsmarkt lässt sich heute schon in den fortschrittlichsten Industrienationen ablesen.

Die US-Automobilindustrie installierte beispielsweise zwischen 2010 und 2015 mehr als 60.000 Industrieroboter. Im selben Zeitraum nahm die Beschäftigung in der US-Automobilbranche um 230.000 Arbeitsplätze zu. Dieser Entwicklungstrend zeigt sich auch in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften Europas und Asiens. Die jüngste OECD-Studie zur Zukunft der Produktivität ergab: Unternehmen, die technologischen Fortschritt erfolgreich einsetzen, sind bis zu zehnfach so produktiv wie Wettbewerber, die in diesem Feld nicht investieren.

Gewinne besteuern und nicht Chancen

Eine Robotersteuer würde die unverzichtbaren Investitionen in den technologischen Fortschritt für die Unternehmen teurer machen. „Tatsächliche Wertschöpfung sollte besteuert werden und nicht schon im Vorfeld die reine Chance auf Gewinn”, sagt Joe Gemma, Präsident der International Federation of Robotics (IFR). Wie die Praxis zeigt, fällt die Steuerbilanz nach einem technologischen Umbau für die Sozialsysteme ohnehin positiv aus. Wenn repetitive oder gefährliche Jobs durch den Einsatz von Industrierobotern verloren gehen, entstehen neue höherqualifizierte Stellen, die zudem besser bezahlt werden und damit die Beiträge für die Sozialkassen steigern.

Bürokratie vermeiden und internationale Standards nutzen

Die IFR unterstützt eine enge Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor. Beispielsweise sollten Bildungs- und Ausbildungssysteme an die neuen Anforderungen angepasst werden, damit Arbeitnehmer jetzt und in Zukunft die Vorteile der Robotik nutzen können. Sehr wichtig ist in diesem Prozess, teuren Bürokratieaufwand ohne konkreten Nutzen zu vermeiden.

Eine europäische Agentur für Robotik und künstliche Intelligenz würde nach Überzeugung der IFR einen bürokratischen Aufwand erfordern, der in keinem Verhältnis zu Kosten und Nutzen steht. So sind die zivilrechtlichen Fragen der Robotik bereits mit den geltenden Rechtsvorschriften abgedeckt. Produkthaftung und Sicherheit werden durch globale Standards und EU-Direktiven wie die europäische Maschinenrichtlinie adressiert. Eine zusätzliche Kategorie für Robotik zu etablieren oder weiterzuentwickeln ist derzeit nicht notwendig.

Technisches Komitee für Robotik

Auf europäischer Ebene sollte der aktuelle Prozess zudem berücksichtigen, was bereits standardisiert ist: So hat die weltweit größte internationale Organisation für Normung ISO schon ein spezielles Technisches Komitee für Robotik eingerichtet – die ISO / TC 299. Technische Fachleute aus Amerika, Asien und Europa entwickeln hier internationale Roboter-Sicherheitsstandards, die mit der europäischen Harmonisierung abgestimmt sind. Alle betroffenen Länder beteiligen sich an diesem Prozess. Wie die Praxis zeigt hat der Sektor ein großes Interesse daran, Standards auf globaler Ebene zu entwickeln, anstatt nur auf europäische oder nationale Aktivitäten zu achten. „Die IFR ist überzeugt, dass regulatorische Maßnahmen zur Robotik in enger Zusammenarbeit zwischen den Vertretern von öffentlichem Sektor, Roboterherstellern, Roboteranwendern und Entwicklern sowie Forschungseinrichtungen entwickelt werden sollten“, sagt Joe Gemma.

Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal MaschinenMarkt.

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