Grundsätze gewinnen an Bedeutung

Bei KI ist Ethik entscheidend für das Vertrauen

| Autor / Redakteur: Martin Hensel / Nico Litzel

Verbraucher reagieren positiv, wenn sie auf ethische KI-Interaktionen treffen.
Verbraucher reagieren positiv, wenn sie auf ethische KI-Interaktionen treffen. (Bild: Capgemini)

Ethische Grundsätze gewinnen zunehmend an Bedeutung, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in Künstliche Intelligenz (KI) sicherzustellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Capgemini-Studie.

Für Untersuchung mit dem Titel „Why adressing ethical Questions in AI will benefit Organizations“ wurden 1.580 Führungskräfte von Großunternehmen sowie über 4.400 Verbraucher aus sechs Ländern einschließlich Deutschland befragt. Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Verbraucher und Mitarbeiter belohnen ethisches Verhalten, sanktionieren aber auch zweifelhafte Praktiken. Als ethisch empfundene KI-Interaktionen steigern die Kaufbereitschaft sowie die Loyalität gegenüber Unternehmen.

Ethik beeinflusst Verbraucher

Konkret vertrauen 62 Prozent der Teilnehmer Unternehmen mehr, wenn sie KI-basierte Interaktionen als ethisch wahrnehmen. Positive Erfahrungen teilen 61 Prozent mit Freunden und Familie, 59 Prozent stellen eine höhere Loyalität gegenüber dem entsprechenden Unternehmen fest. Jeweils 55 Prozent der Teilnehmer würden in so einem Fall mehr Produkte kaufen oder gute Bewertungen in sozialen Medien abgeben.

Als ethische Probleme bei der KI-Interaktion werden beispielsweise eine fehlende Zustimmung zur Datennutzung sowie intransparente oder verzerrte Ergebnisse gesehen. Derartige Fälle haben negative Auswirkungen: 41 Prozent der Verbraucher würden sich beschweren, 36 Prozent eine Erklärung verlangen und ein Drittel der Befragten sogar den Kontakt zum Unternehmen abbrechen.

Ethische Fragen bei KI klären

Neun von zehn befragten Unternehmen gaben an, dass der KI-Einsatz in den vergangenen zwei bis drei Jahren ethische Fragen aufgeworfen hat. Dazu zählen etwa das Erheben persönlicher Patientendaten im Gesundheitswesen ohne vorherige Zustimmung oder das übermäßige Vertrauen in maschinell getroffene Entscheidungen bei Banken und Versicherungen.

53 Prozent der Führungskräfte halten ethische und transparente KI-Systeme für wichtig. 41 Prozent würden den Einsatz von in dieser Hinsicht problematischen Systemen unterbinden oder haben dies bereits getan. Als wichtigste Gründe für ethische Defizite von KI-Systemen wurden vor allem der schnelle Einführungsdruck, Ressourcenmangel und fehlende Berücksichtigung entsprechender Standards genannt. Für Datenwissenschaftler sind es vor allem fehlende Richtlinien und Daten.

Regulierungen gefordert

In Deutschland wurden rund 42 Prozent der Verbraucher innerhalb der vergangenen zwei bis drei Jahre mindestens zwei Mal mit ethisch unzureichenden KI-Anwendungen konfrontiert. Eine Mehrheit (74 Prozent) befürwortet mehr Transparenz und will wissen, ob die KI sie fair und diskriminierungsfrei behandelt (72 Prozent). 70 Prozent sind zudem der Ansicht, dass es weitere Regulierungen für den KI-Einsatz in Unternehmen geben sollte.

„Die Öffentlichkeit ist zunehmend offen für KI-basierte Services, ist sich aber auch der möglichen ethischen Auswirkungen bewusst. Unternehmen stehen an einem Scheideweg: Es wird deutlich, dass es nicht allein um Vorschriften und Compliance geht, sondern ethische Grundsätze vorteilhaft für das eigene Geschäft sein können“, erklärt Fabian Schladitz, Leiter des Center of Excellence Künstliche Intelligenz von Capgemini in Deutschland. „Unternehmen sollten die passenden Strukturen und einen Wertekanon schaffen, um ethische Aspekte angemessen zu berücksichtigen und darauf achten, dass dies auch während der Entwicklung von KI-Systemen geschieht. Wird KI anschließend eingesetzt, ist es mindestens genauso wichtig, alle Beteiligten über die Interaktionen mit KI umfassend zu informieren und sie zu befähigen, bewusst mit ihr umzugehen“, ergänzt er.

Die vollständige Studie steht auf der Capgemini-Website kostenlos zum Download bereit.

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