Der Weltmarkt für vernetzte Autos soll laut Statista bis 2025 auf einen Gesamtwert von 166 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die zunehmende Konnektivität von Autos produziert täglich eine große Menge Daten. Die meisten Autohersteller sammeln diese und werten sie aus. Einerseits ist das ein enormer Aufwand. Andererseits bringt die Auswertung der Daten wertvolle Erkenntnisse.
Der Autor: Stephen Surhigh ist Vice President & General Manager Cloud Services bei Harman International
(Bild: Harman International)
Moderne Autos generieren schätzungsweise 600 Gigabyte an Daten – pro Tag. Das entspricht jedoch nicht der Datenmenge, die tatsächlich erfasst und auf den cloudbasierten Servern eines Automobilherstellers (OEMs) gespeichert wird. Diese variiert je nach den im Fahrzeug verfügbaren Diensten sowie den Anwendungsfällen. Die meisten OEMs schaffen ein Gleichgewicht zwischen der Menge und dem Wert der Daten, die sie sammeln. Jedes Kilobyte ist mit Kosten verbunden, z. B. für den Datentransport (d. h., Kosten des Mobilfunkanbieters), das Speichern (d. h., Kosten für die Server) und die Verarbeitung durch Mensch und Computer.
In den Lösungen, die Harman im Auftrag von OEMs verwaltet, werden derzeit etwa 50 Megabyte Daten pro Monat und Fahrzeug gesammelt. Dieser Wert kann je nach Fahrzeug oder Besonderheiten des Connected-Vehicle-Programms des OEMs variieren. Nach einem Software-Update etwa wird die Überwachung der Fahrzeugfunktionen und damit die Menge der vom Fahrzeug gesammelten Daten typischerweise für eine gewisse Zeit erhöht, um sicherzustellen, dass das Update die gewünschte Wirkung hat.
„Standarddaten“
Im Allgemeinen variieren Art und Umfang der erfassten Daten von OEM zu OEM. In den letzten Jahren haben die meisten OEMs damit begonnen, grundlegende Werte wie Standort, Kilometerzähler, Geschwindigkeit, Drehzahl, Diagnosefehlercodes (DTCs) usw. zu erfassen. Diese Daten ermöglichen den Konstrukteuren und Ingenieuren ein besseres Verständnis der Fahrzeuge, ihrer Leistung und Nutzung. Zumeist werden sie zur Garantieanalyse, aber auch für die Produktplanung und -entwicklung genutzt. Ein weiterer Anwendungsfall ist die Nutzung als Verkehrssonde, um die Geoposition und andere Details zu melden, die von Echtzeit-Verkehrsanbietern aggregiert und verarbeitet werden.
Viele der heutigen Fahrzeuge sind so konzipiert, dass sie auch Daten sammeln, die über die historischen Datenverwendungsfälle hinausgehen und mehr Details zur Leistung einzelner Komponenten oder Funktionen enthalten (z. B. IVI-CPU-Leistung, Telematiksignalstärke, Spracherkennungsleistung usw.). Ferner gibt es vernetzte Funktionen, die sich auf die Datenerfassung stützen, um Dienste wie persönliche Assistenten, Echtzeit-Suchen nach Sonderzielen (Points of Interest) oder E-Commerce im Fahrzeug bereitzustellen. Diese Funktionen treiben OEMs dazu, die Datennutzung über die Bedürfnisse ihrer internen Entwicklungsteams hinaus zu erweitern. Daten werden mit externen Organisationen geteilt, was ein komplexes Umfeld aus Design-, Technik-, Sicherheits- und Rechtsperspektive schafft.
Datenerfassung bei geparktem oder ausgeschaltetem Auto
Ist ein Auto noch vernetzt, wenn es geparkt ist? Prinzipiell produzieren Fahrzeuge Daten, egal ob sie sich bewegen oder nicht. OEMs bewerten diese und suchen nach relevanten Ereignissen, die das Fahrzeug meldet. Der Zeitpunkt und die Schwere des Ereignisses geben die Häufigkeit und das Intervall der Datenerfassung und Cloud-Speicherung an.
Sobald die Daten die Server des OEMs erreicht haben, können sie weiter aggregiert, analysiert, geteilt und anderweitig verarbeitet werden. Dieser Prozess verläuft bei jedem OEM individuell. Im Allgemeinen werden jedoch schwerwiegende Ereignisse wie das Auslösen eines Airbags in Echtzeit an die Cloud gemeldet, selbst wenn das Fahrzeug steht. In einigen Fällen produzieren Autos auch dann noch Daten, wenn sie ausgeschaltet sind. Dafür halten ausgewählte Prozessoren/Sensoren das Auto für eine begrenzte Zeit in einer Art Ruhezustand, wenn der Schlüssel abgezogen wird, oder sie wecken es auf, wenn sie einen Schlüsselanhänger oder eine Fahrzeugbewegung erkennen.
Während des Ruhezustands sind manche Funktionen noch aktiv. Mit ihrer Hilfe können Fahrzeuge Ereignisse definieren, bei denen Daten gemeldet werden sollen. Ein Beispiel hierfür wäre eine Echtzeit-Benachrichtigung per E-Mail oder Textnachricht, wenn ein geparktes Fahrzeug eine signifikante Erschütterung erfährt, die darauf hinweisen könnte, dass es angefahren wurde oder abgeschleppt wird.
Rechtsfragen
Daten sind ein sensibles Thema geworden, weshalb OEMs äußerst beschützend mit ihnen umgehen. Sie nutzen den „Opt-in“-Prozess, der aus Datenschutzgründen erforderlich ist, um mit den Fahrzeugbesitzern, Fahrern und anderen Stakeholdern das Dateneigentum rechtlich zu klären.
Einige der gesammelten Fahrzeugdaten sind persönliche Daten, die einem Individuum gehören, z. B. wenn die GPS-Koordinaten den Standort der Einfahrt zeigen. Dieselben Daten können mit reduzierter GPS-Präzision jedoch weitergegeben werden, z. B. wenn nicht der Standort in der Einfahrt des Besitzers angezeigt wird, sondern nur die Postleitzahl oder der Stadtteil. In diesem Format gelten die Daten nicht mehr als persönlich. Infolgedessen muss die Frage lauten: Wie spezifisch sind die Daten, auf die man zugreifen kann? Alle OEMs wägen sorgfältig den Wert gegen die Haftung ab, die mit der Weitergabe von Daten an Mitarbeiter und externe Stellen verbunden ist.
Stand: 08.12.2025
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Die europäische Datenschutzgrundverordnung definiert „Datenverantwortliche“ und „Datenverarbeiter“ als Akteure in der Welt der Datenverarbeitung. OEMs fungieren in der Rolle des „Datenverantwortlichen“, der definiert, wie und warum Daten verarbeitet werden. Darüber hinaus fungieren Unternehmen wie Harman, die im Auftrag und unter der Leitung der OEMs arbeiten, in der Rolle des „Datenverarbeiters“.
Unter den europäischen Datenschutzgesetzen haben Eigentümer/Nutzer das Recht, Daten einzusehen, zu korrigieren und zu erfahren, wie sie verwendet/verarbeitet werden. Sie haben auch das Recht, ihre gesamten Daten löschen zu lassen („Recht auf Vergessenwerden“). OEMs haben ihre Programme zur Datenspeicherung und -aufbewahrung so strukturiert, dass sie diesen Ansprüchen gerecht werden.
Externe Datennutzung
Jeder OEM befindet sich auf einem anderen Reifegrad, was die Fähigkeit angeht, aus den gesammelten Daten Wert zu schöpfen. Einige der ausgereifteren Lösungen teilen Daten mit Organisationen außerhalb des OEMs. Beispiele dafür sind Mietwagen- und Versicherungsunternehmen sowie andere Dienstleister, die die Fahrzeuge des OEMs nutzen. In den letzten Jahren fanden Datenbroker diverse Verwendungsmöglichkeiten für Fahrzeugdaten, die unabhängig davon sind, ob das Fahrzeug selbst in das Geschäftsmodell des Dienstleisters eingebunden ist. Die Verknüpfung eines anonymisierten Fahrzeugdatenpakets (z. B. die Kombination aus Marke, GPS-Standort und Tageszeit) zeigt, wie viele potenzielle Kunden täglich an einem bestimmten Ort vorbeifahren. Diese für sie relevanten Daten nutzen etwa Schnellrestaurants, um zu entscheiden, wo sie neue Franchisebetriebe ansiedeln.
Ein Blick in die Zukunft
Datenerfassung ist nicht nur für die Funktionen in einem Fahrzeug wichtig. Sie ist ebenso die Voraussetzung für autonomes Fahren, das noch weitaus mehr Daten produzieren wird.
5G erhöht die Datenübertragungsgeschwindigkeiten um das 20-Fache gegenüber 4G und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 20 Gigabyte pro Sekunde. Das Ergebnis sind höhere Datenmengen mit effizienterer Übertragung. Dadurch werden Latenzzeiten reduziert und mehr Konnektivität ermöglicht, um die Anwendungsfälle für vernetzte Fahrzeuge zu verbessern.
Darüber hinaus umfasst 5G Technologien, die eine direkte Kommunikation mit Geräten in der Nähe ermöglichen, was ein Schlüssel in der Entwicklung hin zum autonomen Fahren (Autonomous Driving, AD) und einhergehenden Fahrerassistenzsystemen (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS) sowie der Vehicle-to-Infrastructure (V2I/V2X)-Kommunikation ist. V2I/V2X-Aspekte werden verwendet, um das Fahrzeug mit Straßen, Parkhäusern, Verkehrssignalen und anderen Infrastrukturkomponenten kommunizieren zu lassen, die Smart-City-Initiativen beschleunigen. Im Hinblick auf ADAS/AD wird erwartet, dass die meisten Fahrzeuge neben Fahrzeugstatus und Fahrerdaten auch Sensordaten aus der gesamten Fahrzeugumgebung sammeln. Die Aufzeichnung bestimmter kritischer Fahrsituationen und das Hochladen dieser Daten bei vorhandenem Internetzugang wird es OEMs ermöglichen, die ADAS/AD-Systeme zukünftiger Fahrzeuge zu verbessern und dadurch analoge Situationen besser zu bewältigen. Für all diese Aspekte sind Daten und deren Nutzung von entscheidender Bedeutung.