Definition Was ist ein Kolmogorov-Arnold Network (KAN)?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 3 min Lesedauer

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Das Kolmogorov-Arnold Network ist eine junge Klasse neuronaler Netzwerke. Es ist vom Kolmogorov-Arnold-Darstellungstheorem inspiriert und eine Alternative zu dem heute im Deep-Learning-Umfeld dominierenden Multi-Layer-Perzeptron. Kolmogorov-Arnold Networks bieten hinsichtlich Effizienz und Interpretierbarkeit einige Vorteile.

(Bild:  © aga7ta - stock.adobe.com)
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Das Kolmogorov-Arnold Network, abgekürzt KAN, ist eine neue Klasse künstlicher neuronaler Netzwerke. Es stellt eine Innovation im Bereich der Künstlichen Intelligenz dar und ist eine Alternative zu dem heute im Deep-Learning-Umfeld dominierenden Multi-Layer-Perzeptron (MLP). Inspiriert ist das Kolmogorov-Arnold Network von dem sogenannten Kolmogorov-Arnold-Darstellungstheorem, das von den renommierten Mathematikern Andrey Kolmogorov und Vladimir Arnold Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Es besagt, dass stetige multivariate Funktionen sich als Zusammensetzung univariater Funktionen darstellen lassen.

Im Gegensatz zu einem Multi-Layer-Perzeptron hat ein KAN keine festen Knotenaktivierungsfunktionen, sondern lernfähige und anpassbare Aktivierungsfunktionen der Knotenverbindungen. Die linearen Gewichte des MLP sind durch Funktionen ersetzt. Dadurch lassen sich typische Probleme herkömmlicher mehrschichtiger Perzeptrons, beispielsweise hinsichtlich Effizienz oder Interpretierbarkeit, beheben.

Noch befindet sich das Kolmogorov-Arnold Network in einer recht frühen Entwicklungsphase. Der neuen Klasse von neuronalen Netzwerken wird für die Zukunft aber ein großes Potenzial im Bereich der Künstlichen Intelligenz und des Deep Learning zugeschrieben. Insbesondere bei der Behandlung von hochdimensionalen Daten, wie sie im wissenschaftlichen Umfeld zum Einsatz kommen, erzielen Kolmogorov-Arnold-Netzwerke bessere Ergebnisse. Im Vergleich zu einem mehrschichtigen Perzeptron benötigt ein KAN für die Bearbeitung vergleichbarer Aufgabenstellungen wesentlich weniger Parameter.

Motivation für die Entwicklung

Viele KI-Anwendungen basieren heute auf künstlichen neuronalen Netzwerken in MLP-Architektur. Das Multi-Layer-Perzeptron hat sich als eine Art Standardarchitektur für Deep-Learning-fähige KI-Modelle, wie sie beispielsweise für generative Sprach- oder Bildmodelle zum Einsatz kommen, entwickelt. MLPs bestehen aus vielen Schichten untereinander verbundener Neuronen mit festen Knotenaktivierungsfunktionen. Das Architekturprinzip und die Aktivierungsfunktionen sind relativ einfach, erfordern aber für die Bearbeitung komplexer Aufgabenstellungen große Netzwerke mit vielen Neuronen und Neuronenverbindungen.

Um die heutigen KI-Modelle leistungsfähiger zu machen, sind immer größere künstliche Neuronennetzwerke mit teils vielen hundert Milliarden Parametern notwendig. Das Training solcher Modelle erfordert riesige Datenmengen. Sowohl das Training als auch die Inferenz sind mit erheblichem Hardware- und Energieaufwand verbunden. Hinzu kommt, dass aufgrund des Blackbox-Charakters der Modelle für den Anwender kaum nachvollziehbar ist, wie Ergebnisse oder Vorhersagen der KI zustande gekommen sind. Aufgrund der zunehmenden Herausforderungen, vor denen die Weiterentwicklung von MLP-basierten KI-Modellen steht, wird nach Alternativen zu dieser Architekturklasse neuronaler Netzwerke gesucht. Eine mögliche Alternative ist das Kolmogorov-Arnold Network. Es kommen wegen seiner anpassbaren, lernfähigen Aktivierungsfunktionen mit weniger Parametern aus, um vergleichbare Ergebnisse wie ein mehrschichtiges Perzeptron zu erzielen.

Aufbau und prinzipielle Funktionsweise

Der Hauptunterschied zwischen einem Kolmogorov-Arnold Network und dem Multi-Layer-Perzeptron besteht in der Implementierung und der Art der Aktivierungsfunktionen. Ein MLP hat feste Knotenaktivierungsfunktionen und anpassbare Gewichtungen der Knotenverbindungen. Beim KAN sind die Aktivierungsfunktionen lernfähig und anpassbar. Sie sind auf die Verbindungen zwischen den Knoten bezogen. Einfache Gewichtungen zwischen den Neuronen eines MLP sind durch nicht lineare, anpassbare Funktionen ersetzt. Diese Funktionen sind lernfähig. KANs erlernen quasi die Funktionen, die die jeweilige Ein- und Ausgabe abbilden. Für die verschiedenen Neuronenverbindungen können die Funktionen variieren. Durch die nicht lineare Transformation der Eingabedaten sind deutlich weniger Parameter notwendig als in einem traditionellen MLP.

Mögliche Anwendungsbereiche

Momentan gehen viele davon aus, dass Kolmogorov-Arnold-Netzwerke hauptsächlich im wissenschaftlichen Bereich zur Lösung von Aufgabenstellungen mit hochdimensionalen Daten beispielsweise aus der Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Genomik, Klimawissenschaft oder Astrophysik zum Einsatz kommen werden. In diesen Bereichen könnten sie das herkömmliche Multi-Layer-Perzeptron ersetzen. Aber auch im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und des Finanzwesens und in anderen Bereichen könnte sich ihr Einsatz als sinnvoll erweisen.

Vorteile eines Kolmogorov-Arnold Network

Gegenüber dem traditionellen Multi-Layer-Perzeptron ergeben sich bei einem KAN unter anderem diese Vorteile:

  • genauere und effizientere Verarbeitung komplexer Daten und Datenbeziehungen
  • leistungsfähiger und flexibler
  • bessere Interpretierbarkeit der Ergebnisse und Vorhersagen (höhere Transparenz)
  • einfachere Visualisierungsmöglichkeiten der am Zustandekommen eines Ergebnisses kombinierten Signale
  • höhere Akzeptanz der KI-Ergebnisse und -Vorhersagen durch besseres Verständnis der inneren Abläufe
  • höhere Effizienz durch kleinere Berechnungsgraphen und weniger Parameter
  • einfachere und kostengünstigere Modelle
  • Potenzial für eine deutliche Verbesserung heutiger Deep-Learning-Modelle
  • besseres „Erinnerungsvermögen“ der Modelle

Nachteile und Herausforderungen

Der Einsatz eines KAN ist auch mit einigen Nachteilen und Herausforderungen verbunden. Aktuell befinden sich diese Netze noch in einer recht frühen Entwicklungsphase. Es sind kaum Tools oder Frameworks für die Entwicklung und Bereitstellung eigener KANs vorhanden. Erste Anwendungsfälle sind aber im Entstehen. Netze mit sehr komplexen Architekturen und Aktivierungsfunktionen können hohe Anforderungen an die Rechenleistung und den Arbeitsspeicher stellen, wodurch sich auch längere Trainingszeiten ergeben können. Auch das Tuning der Hyperparameter ist unter Umständen aufwendiger als in einem MLP. Zudem neigen Kolmogorov-Arnold-Netzwerke unter Umständen zur Überanpassung.

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