Kommentar von Steve Kearns, Elastic Vektorsuche – wann semantische Suche der Schlüssel zum besseren Ergebnis ist

Von Steve Kearns 5 min Lesedauer

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In den vergangenen Jahren hat die Vektorsuche durch den Aufstieg Künstlicher Intelligenz (KI) deutlich an Bedeutung gewonnen. Die zugrundeliegende Technologie ist komplex, doch Implementierungen sind für erfahrene Entwickler gut beherrschbar. Entscheidend bleibt die Frage nach dem Anwendungsfall: Wann ist Vektorsuche notwendig – und wann bietet sie gegenüber traditionellen Suchtechnologien einen klaren Mehrwert?

Der Autor: Steve Kearns ist VP of Product Management bei Elastic(Bild:  Elastic)
Der Autor: Steve Kearns ist VP of Product Management bei Elastic
(Bild: Elastic)

Traditionelle Suchmaschinen arbeiten mit exakter Wortübereinstimmung und lexikalischen Signalen. Vektorsuche adressiert die semantische Ebene: Sie erfasst die Bedeutung von Wörtern und Phrasen und findet kontextuell verwandte Ergebnisse. Statt großer LLMs werden spezialisierte Embedding-Modelle eingesetzt. Sie sind darauf spezialisiert, Texte, Bilder oder Audio in numerische Vektoren zu überführen, indem sie semantische Bedeutung und Kontext verdichten und so Ähnlichkeiten messbar machen. Dadurch lassen sich Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Terminologien erkennen: Eine Suche nach „Auto“ liefert auch relevante Inhalte zu „Fahrzeug“ oder „Kraftfahrzeug“, selbst wenn diese Begriffe nicht explizit vorkommen.

Die Erstellung von Embeddings ist dabei der Kernschritt: Dokumente, Absätze oder Chunks werden in Vektoren umgewandelt, die die semantische Nähe messbar machen. Suchmaschinen vergleichen diese Vektoren und ermitteln die inhaltlich ähnlichsten Treffer – ein Ansatz, der besonders bei heterogener Sprache und variierender Begriffswahl überzeugt.

Die Kraft der Multimodalität

Ein wesentlicher Vorteil der Vektorsuche liegt in der Durchsuchbarkeit verschiedener Medientypen. Bilddatenbanken ohne Text lassen sich durch Vektor-Embeddings indexieren; visuelle Inhalte werden so per Textabfrage auffindbar. Unternehmen wie Vimeo kombinieren Transkripte mit Zeitstempeln auf Satzebene und Screenshots aus Keyframes und machen beide mittels Embeddings durchsuchbar. Adobe nutzt schon seit Jahren Vektorsuche für die Bildsuche – lange bevor diese durch KI in den Vordergrund rückte. Diese Praxisbeispiele zeigen, wie semantische und visuelle Signale gemeinsam ein deutlich reichhaltigeres Sucherlebnis schaffen.

Darüber hinaus ermöglichen multimodale Modelle die Verknüpfung von Text, Bild, Audio und Video in einer einzigen Sucherfahrung. So entsteht ein konsistenter Index über verschiedene Datenformen hinweg, der komplexe Inhalte effizient erschließt und Suchanfragen unabhängig von Mediengrenzen präzise beantwortet.

Wann Vektorsuche sinnvoll ist

Viele Organisationen verfügen über etablierte Suchmaschinen – öffentlich auf Websites oder intern zur Informationssuche. Vektorsuche ergänzt diese Systeme, wenn die semantische Bedeutung einer Anfrage ausschlaggebend ist – etwa, wenn Nutzer mit unterschiedlichen Begriffen nach derselben Information suchen, wenn Inhalte domänenspezifische Terminologie aufweisen oder wenn bessere Suchergebnisse messbare Geschäftsziele unterstützen.

Große E-Commerce-Plattformen berichten von Umsatzsteigerungen im Bereich von ein bis zwei Prozent durch den Einsatz semantischer Suche. Sucht eine Kundin nach einem „blauen Kleid“, einem „gelben Schrank“ oder einer „Fliese mit bestimmtem Muster“, verbessert Vektorsuche die Anzeige ähnlicher Produkte spürbar – insbesondere, wenn Produktbilder als Vektoren indexiert sind.

Der Effekt zeigt sich auch bei Recommendation-Systemen, bei der Navigation durch große Kataloge und bei der Reduktion von Nulltreffern. Für komplexe Szenarien mit Inhalten aus Text, Bildern und Videos kann Vektorsuche domänenspezifisches Wissen effizient erschließen. Sie ist jedoch kein Ersatz für klassische Suche: Wenn ein konkretes Dokument mit klaren Schlüsselbegriffen benötigt wird, liefert lexikalische Suche meist sofort das exakte Ergebnis. Vektorsuche erweitert diesen Kern durch semantische Trefferlisten und Kontextanreicherung.

Die praxistaugliche Herangehensweise ist ein hybrider Ansatz. Eine optimale Suchlösung kombiniert klassische und semantische Methoden: Exakt passende Ergebnisse werden priorisiert, während semantische Verbindungen ergänzend dargestellt werden. So entsteht ein vollständiges Bild, ohne dass Nutzer umfangreich nacharbeiten müssen.

Hybride Suche adressiert gleich mehrere Anforderungen gleichzeitig:

  • Präzision bei eindeutigem Suchziel (lexikalisch)
  • Kontextbreite bei unklarer oder variierender Terminologie (semantisch)
  • Bessere Nutzerführung durch ergänzende, verwandte Treffer
  • Stabilere Ergebnisse bei mehrdeutigen Anfragen

Implementierung: Komplexität beherrschbar machen

Die Einführung von Vektorsuche erhöht zunächst die Komplexität. Inhalte werden in Chunks segmentiert, durch Embedding-Modelle verarbeitet und effizient indexiert. Elastic setzt hierfür auf Hierarchical Navigable Small World (HNSW), eine Struktur, die schnelle Approximate-Nearest-Neighbor-Abfragen ermöglicht. Um die Integration schlank zu halten, wird HNSW in die bestehende Suchlösung eingebettet: Ein zusätzlicher Parameter in einer weiteren Spalte ergänzt die vorhandenen Daten und erleichtert die hybride Suche. Nicht alle Anbieter verfolgen diesen integrierten Ansatz; Unterschiede in Architektur und Indexierung wirken sich auf Aufwand, Kosten und Flexibilität aus.

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Vektoroperationen sind speicherintensiv und damit kostenrelevant. Elastic begegnet dem mit Better Binary Quantization (BBQ): Quantisierungstechniken in Elasticsearch komprimieren 32-Bit-Floats auf 8-Bit-Integer oder sogar 1-Bit-Repräsentationen und reduzieren den Speicherbedarf deutlich. Die komprimierten Daten sind direkt abfragbar, was Kosten senkt und durch Hardware-Optimierungen häufig auch die Performance verbessert. In der Praxis erlaubt dieses Vorgehen eine hohe Trefferqualität bei begrenzten Ressourcen – ein wichtiger Faktor in großen Deployments.

Performance in der Praxis

In vielen Anwendungsfällen erreicht Vektorsuche die Geschwindigkeit klassischer, lexikalischer Suche – und ist mitunter schneller. Low-Level-Optimierungen bis hin zu CPU-Instruktionen (SIMD, AVX) erlauben Vektoroperationen mit ähnlicher Effizienz wie Textsuchen. Für die Erzeugung von Embeddings werden GPUs eingesetzt; die eigentlichen Suchabfragen laufen performant auf CPUs. Diese Arbeitsteilung unterstützt Kostenkontrolle und Skalierbarkeit.

Für moderne KI-Anwendungen sind Vektordatenbanken nahezu unverzichtbar geworden. Gängige Integrationen existieren zu Frameworks wie LangChain und LlamaIndex; darüber hinaus stehen Model Context Protocol (MCP)-Server für die nahtlose Anbindung von KI-Agenten bereit. Diese Ökosysteme beschleunigen Implementierungen und eröffnen weitere Anwendungsfälle wie Retrieval-Augmented Generation (RAG), semantische Navigation und kontextbasierte Assistenz.

Erfolgsfaktoren: Datenqualität und Modellauswahl

Direkte Umstiege auf Vektorsuche führen nicht automatisch zu überragenden Ergebnissen. Die Qualität hängt maßgeblich von den Daten und der Modellauswahl ab. Es gilt die bekannte Regel: „Garbage in, garbage out“. Erfolgsentscheidend sind:

  • Passende Embedding-Modelle für die jeweilige Domäne (General- vs. Domain-Specific)
  • Saubere, gut strukturierte Datenbestände (Deduplizierung, Normalisierung, Metadaten)
  • Angemessene Sicherheits- und Zugriffsmechanismen (z. B. Dokumentenberechtigungen)
  • Wirksame Filter- und Verfeinerungsoptionen (Hybrid-Ranking, Facetten, Kontextfilter)

Viele Organisationen, die mit reinen Vektordatenbanken starten, wechseln früher oder später zu flexiblen Plattformen, die hybride Suchumgebungen bereitstellen. Parallel schreitet die Innovation bei Embedding-Modellen voran – insbesondere für multimodale Anwendungen, die Text, Bilder, Audio und Video verbinden. Allgemeine Modelle werden kontinuierlich besser, wodurch spezifisches Finetuning seltener notwendig wird. Gleichzeitig gewinnen Evaluations- und Observability-Werkzeuge an Bedeutung, um Qualität, Kosten und Performance im laufenden Betrieb zu optimieren.

Use Case first: Der Anwendungsfall bestimmt den Nutzen

Unternehmen profitieren von Vektorsuche, wenn die Datenqualität hoch ist und der Anwendungsfall klar definiert wurde. Der Einstieg beginnt mit der Prüfung des konkreten Use Cases. Steigen semantische Suchanfragen, nehmen multimodale Inhalte zu oder gewinnen KI-getriebene Anwendungen an Relevanz, steigt der Wert der Vektorsuche. Empfehlenswert ist die Einbettung in eine hybride Suchstrategie – nicht als Ersatz bestehender Suchmaschinen.

Der Weg führt über schlanke Pilotierungen, Experimente mit hybrider Suche und Skalierung auf Basis belastbarer Ergebnisse. Vektordatenbanken sind leistungsfähig; zugleich wird eine Suchmaschine benötigt, die Vektoren nativ unterstützt – nicht allein eine Datenbank. Die Zukunft der Enterprise Search liegt in der intelligenten Kombination beider Ansätze, um konsistent präzise und kontextreiche Ergebnisse zu erzielen. So entsteht eine Sucherfahrung, die sowohl exakte Übereinstimmungen als auch semantische Zusammenhänge abbildet und die Nutzerführung sichtbar verbessert.

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