Mit der Veröffentlichung von ChatGPT am 30. November 2022 machte OpenAI die Möglichkeiten der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) für die Öffentlichkeit zugänglich. In nur zwei Jahren hat sich diese Art der KI dramatisch auf die Erstellung von Bildern, Texten und Videos ausgewirkt. Nach dem Fünfstufensystem von OpenAI befindet sich die generative KI jedoch erst auf der ersten von fünf Stufen, die die Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz definieren sollen.
Der Autor: Dr. Phong Nguyen ist FPT Software VP & Chief AI Officer, FPT Corporation
(Bild: FPT Corporation)
Die fünfte Stufe umfasst künstliche Superintelligenzen (Artificial Superintelligence), die menschliche Fähigkeiten übertreffen sollen. Obwohl wir von solchen KIs noch weit entfernt sind, sind bereits die ersten Auswirkungen der dritten Stufe – die agentenbasierte KI (Agentic AI) – deutlich erkennbar. Diese ist noch leistungsfähiger als generative KI, da sie nicht nur komplexe Bearbeitungsaufgaben automatisiert, sondern auch eigenständig handelt und Maßnahmen ergreift, um ihre Ziele möglichst effizient zu erreichen.
Im Kern verkörpert agentenbasierte KI die Fähigkeit zu lernen, eigenständig zu agieren und ihre Entscheidungsfähigkeit im Laufe der Zeit zu verbessern. Das wird durch den Einsatz von Large Language Models (LLMs) als leistungsstarke Logik-Engines ermöglicht. Diese Modelle können über APIs Befehle an vorhandene Tools senden, sodass die agentenbasierte KI Aktionen ausführen und durch Versuch und Irrtum lernen kann.
Lernphase weitgehend überspringen
Im Gegensatz zum traditionellen Reinforcement Learning, das in der Regel ohne Vorkenntnisse beginnt, kann agentenbasierte KI aufgrund ihrer Schlussfolgerungsfähigkeiten einen Großteil der umfassenden Lernphase überspringen. Bei komplexeren Aufgaben können mehrere LLMs als spezialisierte Agenten zusammenarbeiten, was zu effizienteren Entscheidungsprozessen führt.
In Kombination mit generativer KI können agentenbasierte Systeme geschaffen werden, die enormes Potenzial aufweisen für präzises Parsing, effiziente Problemlösungen und intelligente Entscheidungen. Unternehmen können die agentenbasierte KI nicht nur nutzen, um schnell nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen, sondern auch mithilfe ihrer eigenen LLMs diese Entscheidungen zu erklären und kommunizieren, und zwar an Partner, Stakeholder und Mitarbeiter.
Agentenbasierte KI wird überall zum Einsatz kommen
Die agentische KI ist mehr als nur ein Werkzeug zur Automatisierung sich wiederholender Aufgaben. Sie kann riesige Datenmengen in Echtzeit verarbeiten und kritische Funktionen wie Preisstrategien, Bestandsmanagement, Lieferkettenlogistik und Kundeninteraktionen optimieren.
Die Effektivität agentenbasierter KI ist bereits in verschiedenen Branchen erkennbar. Ein Beispiel bietet die Zusammenarbeit des vietnamesischen IT-Dienstleisters FPT Software, der kürzlich mit einem deutschen Chemiehersteller Multi-Agenten-Lösungen entwickelt hat, um mehrere interne Prozesse zu automatisieren, darunter das Lieferkettenmanagement. Dadurch konnten die Reaktionszeiten für Bestellungen von Wochen auf Minuten reduziert werden.
Agentische KI kann zudem als Verteidigungsinstrument eingesetzt werden, das Risiken erkennt, sofort reagiert und die Wiederherstellung automatisiert, um Daten zu schützen und Ausfallzeiten zu minimieren. In Branchen, die stark auf Maschinen angewiesen sind, ermöglicht sie die Vorhersage von Ausfällen, die Reduzierung von Wartungskosten, die Steigerung der Betriebszeit und die Verlängerung der Lebensdauer von Anlagen.
Grenzen der agentenbasierten KI
Was kann agentenbasierte KI also nicht? Sicherlich ist sie – wie KI im Allgemeinen – weniger geeignet für Aufgaben, die menschliches Einfühlungsvermögen, Kreativität, körperliche Geschicklichkeit und komplexe ethische Urteile erfordern. Daneben steht allerdings die Vielfalt an Anwendungsmöglichkeiten, die wir schon in naher Zukunft erwarten können.
Wie geht es weiter?
Die agentenbasierte KI wird die digitale Welt revolutionieren. Während sie zunächst in digitalen Umgebungen eingesetzt wird, um Daten auszutauschen und komplexere Abläufe zu automatisieren, ist auch ihr Einsatz in der physischen Welt absehbar. In der Robotik kann sie dazu beitragen, Robotern fundierte Entscheidungen zu ermöglichen, die deren Einsatz in komplexen Arbeitsumgebungen unterstützen.
Die Infrastruktur zur Unterstützung der agentenbasierten KI wird sich in zwei Richtungen weiterentwickeln. Einerseits ist es notwendig, die Skalierbarkeit zu erhöhen und erhebliche GPU-Ressourcen bereitzustellen, um umfangreiche Berechnungen und Datenverarbeitung zu bewältigen. Andererseits wird die Infrastruktur spezialisierter und effizienter werden, sodass schlanke Modelle mit domänenspezifischem Wissen auf kleineren Geräten betrieben werden können. Low-Level-Hardware-Optimierungen, einschließlich KI-spezifischem Silizium, das für die speziellen Rechenanforderungen der agentenbasierten KI ausgelegt ist, werden entscheidend für die Beschleunigung ihrer Entwicklung und den großflächigen Einsatz sein.
Stand: 08.12.2025
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Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass agentische KI noch einen langen Weg vor sich hat. Die Verbesserung der agentenbasierten KI erfordert, dass wir uns zunächst mit den bekannten ethischen Herausforderungen der KI auseinandersetzen, wie zum Beispiel der Vermeidung von verzerrten Ergebnissen, der Gewährleistung von Transparenz und dem Schutz der Daten. Technische Fortschritte bei Lernalgorithmen, Wahrnehmung und Hardware werden entscheidend sein. Darüber hinaus ist die Förderung einer effektiven Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI von großer Bedeutung. Durch die Kombination dieser Elemente können wir Vertrauen in den sicheren und nützlichen Einsatz von agentischer KI schaffen.
Vertrauen ist entscheidend
Der Aufbau von Vertrauen in agentenbasierte KI ist entscheidend. Die Erklärbarkeit der KI – sodass auch Nichtfachleute verstehen, was die KI macht und wie sie funktioniert –, verantwortungsvolle Datenpraktiken, verlässliche Cybersicherheit und die Befähigung der Nutzer sind unerlässlich. Wenn wir diese Aspekte in den Vordergrund stellen, können wir das Potenzial der agentenbasierten KI ethisch vertretbar voll ausschöpfen.
Langfristig viel Potenzial, aktuell viele Herausforderungen
Die KI entwickelt sich rasch über die fünf Stufen der Künstlichen Intelligenz weiter. Einer der faszinierendsten Aspekte der agentenbasierten KI ist ihr Potenzial für emergentes Verhalten. Da KI-Systeme immer komplexer werden, können sie unerwartete Verhaltensweisen zeigen. Das wirft Fragen der Kontrolle und Sicherheit auf und macht das Verständnis und die Bewältigung von emergentem Verhalten zu einer großen Herausforderung in der KI-Entwicklung.
Ebenfalls ist es wichtig, einige der eher nüchternen Herausforderungen bei der Einführung von agentischer KI in Unternehmen zu betrachten. Frühe Anwender müssen damit rechnen, hohe Kosten für den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur und das Training der Modelle rechtfertigen zu müssen.
Während wir das Potenzial und die Herausforderungen der agentenbasierten KI erforschen, sollten wir uns bewusst sein, dass es sich um ein sich schnell entwickelndes Feld handelt. Mit jedem Fortschritt der KI könnten unvorhergesehene ethische Dilemmas und gesellschaftliche Auswirkungen auftreten. Wie bei jeder neuen und schnell fortschreitenden Technologie ist es entscheidend, Probleme und Chancen zu antizipieren. Gleichzeitig ist es wichtig zu erkennen, dass die Chancen, die sich uns bieten, sehr real sind und unser verantwortungsbewusstes Handeln erfordern.