Kommentar von Hendrik Siegeln, Integration Matters Integration: Entscheidender Faktor für mehr Wettbewerbsfähigkeit

Von Hendrik Siegeln 4 min Lesedauer

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Der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) ist verständlich, denn nach Ansicht zahlreicher Marktforscher können Unternehmen durch das große Potenzial von KI ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern oder sogar steigern. Die kalte Praxis jedoch zeigt, dass Unternehmen bereits Probleme haben, einen reibungslosen Ablauf im Tagesgeschäft zu gewährleisten, was die Effizienz massiv belastet. An das Ausschöpfen von KI-Potenzialen ist da kaum zu denken.

Der Autor:  Hendrik Siegeln ist Chief Innovation Architect bei der Integration Matters GmbH(Bild:  Integration Matters GmbH)
Der Autor: Hendrik Siegeln ist Chief Innovation Architect bei der Integration Matters GmbH
(Bild: Integration Matters GmbH)

Unternehmen verfügen für gewöhnlich über eine historisch gewachsene IT-Landschaft. Im Laufe der Zeit haben sie immer mehr neue Softwarelösungen eingeführt, um die Digitalisierung voranzutreiben und ihre Prozesse zu automatisieren. Durch die internationale Expansion kamen länderspezifische Softwarelösungen hinzu. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich aus Legacy-Systemen und neuen Lösungen mit entsprechenden Datensilos, der sich vor allem bei mittelständischen Unternehmen, etwa aus dem Maschinenbau, findet. Sie betreiben oft Werke in verschiedenen Ländern, die Produkte unter den jeweiligen Marktanforderungen herstellen. Zur Verwaltung von Produktdaten, aber auch Aufträgen, Bestellungen etc. nutzen die örtlichen Repräsentanzen auf ihre Gegebenheiten konfigurierte ERP-Systeme. Eine ganzheitliche, systemübergreifende Sicht auf alle Produkte, Aufträge und Bestellungen des Unternehmens ist so nicht möglich.

Integration für mehr Effizienz

Nun stellt sich die Frage, wie Unternehmen ihr versprengtes Produktportfolio dennoch effizient verwalten können. Die Antwort lautet: durch Integration. Diese Aufgabe ist komplex, denn es geht um weit mehr als nur die technische Verknüpfung von Softwarelösungen. Vielmehr muss eine gut durchdachte Integration dafür sorgen, dass die ERP-Systeme Daten trotz deren unterschiedlicher Struktur reibungslos austauschen können. So werden international beispielsweise unterschiedliche Zeichensätze verwendet und die Feldbezeichnungen bzw. -formatierungen unterscheiden sich in den ERP-Systemen.

Selbst der Einsatz einer ausgefeilten KI-Lösung hilft bei dieser Aufgabenstellung kaum weiter. Gefragt ist vielmehr das gute alte IT-Handwerk, das mit der richtigen Integrationsstrategie die immensen Herausforderungen meistern kann.

Unterschiedliche Integrationsansätze

Welches die richtige Strategie ist, hängt von den Anforderungen und dem vorhandenen Budget ab. Grundsätzlich haben Unternehmen die Möglichkeit, die einzelnen Systeme entweder punktuell über APIs miteinander zu verbinden oder aber eine Middleware als integrierende Plattform einzuführen.

  • Bei einer API-basierten Integration werden die ERP-Systeme über ihre Konnektoren direkt miteinander verknüpft. Der Vorteil dieses Ansatzes ist die vergleichsweise schnelle Umsetzung der Anbindung. Als Nachteil muss eine solche Point-to-Point-Anbindung bei jedem Versionswechsel neu erstellt werden und die Integrationsarchitektur ist nur bedingt skalierbar. Sollen weitere Systeme angedockt werden, sind zusätzliche Anbindungen zu programmieren. Das führt neben hohen Kosten schließlich zu einer unübersichtlichen Integrationslandschaft mit einem immensen Wartungsbedarf.
  • Durch den Einsatz einer Middleware als Integrationsplattform lässt sich das Vorhaben mit deutlich weniger Programmierkenntnissen bewerkstelligen. Ein weiterer Vorteil ist die höhere Skalierbarkeit im Hinblick auf die Anbindung weiterer Anwendungen. Als nachteilig gilt für diesen Ansatz, dass die Einführung der Middleware mit höherem Aufwand verbunden ist. Und natürlich müssen auch zusätzliche Lizenzkosten einkalkuliert werden, wenn keine Open-Source-Lösung eingesetzt wird.

Die unterschiedlichen Ansätze werden am Praxisbeispiel eines international aufgestellten Maschinenbauunternehmens deutlich, das einen globalen E-Commerce-Shop aufbauen möchte. Dieser soll alle Produktdaten, Lieferzeiten sowie Preise in Echtzeit bereitstellen und gleichzeitig den Bestellprozess einfach und nachvollziehbar abbilden.

Verfügt das Unternehmen nur über ein ERP-System mit allen Produktdaten, so lässt sich die Aufgabenstellung mit einer API-basierten Integration zunächst vergleichsweise schnell und budgetschonend umsetzen. Bieten die Landesgesellschaften aber spezielle Produkte für ihre jeweiligen Märkte an und verwalten sie die Produktdaten in eigenen ERP-Systemen, so zeigt sich die Aufgabe deutlich komplexer.

Bei einem API-basierten Ansatz müsste jedes ERP-System einzeln an den Webshop angebunden werden. Je mehr Landesgesellschaften es gibt, desto größer ist die Zahl der zu erstellenden Skripte, welche die Systeme miteinander verbinden. Der Aufwand ist entsprechend hoch und wächst linear, da für jede weitere Landesgesellschaft weitere Skripte programmiert werden müssen. Zudem wird das Konstrukt unübersichtlich. Vor allem aber zwingen diese Point-to-Point-Verbindungen die Organisation in ein starres Korsett, das die Flexibilität massiv einschränkt.

Mit der Einführung einer Middleware gestaltet sich das Projekt deutlich schlanker. Hierbei werden der Webshop und die ERP-Systeme mit jeweils nur einem Konnektor an die Plattform angebunden.

Weitere Argumente, die für den Einsatz einer Middleware sprechen, sind die hohe Flexibilität und der geringere Wartungsaufwand. Wird beispielsweise der Webshop aktualisiert oder gar durch eine andere Lösung ersetzt, muss lediglich der Konnektor zur Plattform angepasst werden. Bei einer API-Integration wäre es hingegen erforderlich, sämtliche Skripte zu den einzelnen ERP-Systemen neu zu programmieren. Der Aufbau und die Pflege eines globalen E-Commerce-Shops ist bei einer heterogenen IT-Infrastruktur also mit hohen Integrationsanforderungen verbunden, die langfristig nur durch den Einsatz einer Middleware effizient zu bewältigen sind.

Das Pferd nicht von hinten aufzäumen

Unternehmen sollten ihre IT-Infrastruktur zunächst mit einer robusten Integrationsarchitektur aufbauen, um die täglichen Geschäftsprozesse zu automatisieren. Das bildet das Fundament für eine Steigerung von Rentabilität und Wachstum und erhöht die Anpassungsfähigkeit an sich schnell verändernde Marktbedingungen. Erst im Anschluss sollten KI-Projekte in Angriff genommen werden, etwa um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von monotonen Tätigkeiten zu entlasten. Mit einer voreiligen Implementierung von KI-Lösungen würden Unternehmen hingegen kaum von deren Potenzial profitieren, da der hierfür notwendige nahtlose Austausch aktueller, konsistenter Daten zwischen den Systemen nicht zu gewährleisten wäre. Last, but not least, können KI-Lösungen nur dann zuverlässig und effizient arbeiten, wenn sie selbst sorgfältig in die IT-Landschaft eingebunden sind.

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