Viele Unternehmen nutzen heute Unmengen von Daten, bislang allerdings meist innerhalb firmeninterner Silostrukturen. Föderierte Datenräume sollen helfen, durch kontrollierten Datenaustausch mit Dritten ungenutzte Potenziale zu erschließen.
Der Autor: Nico Götz ist Business Consultant im Geschäftsfeld Connected Data Spaces beim Softwareunternehmen doubleSlash.
(Bild: doubleSlash)
Dass Daten heute weltweit zu den wichtigsten Wertschöpfungsfaktoren zählen, ist längst eine Binsenweisheit. Umso erstaunlicher, dass die Datenwelt von Unternehmen nach wie vor kaum außerhalb ihrer internen Strukturen stattfindet. Wo doch klar ist: Je mehr Daten zur Verfügung stehen, umso höher das in ihnen schlummernde Potenzial – vorausgesetzt, sie sind strukturiert und nutzungsgerecht aufbereitet.
Dieses Potenzial auszuschöpfen, ist das Ziel der sogenannten föderierten Datenräume oder „Data Spaces“, die derzeit vor allem in Europa entstehen. Das europäische Data Space Projekt Gaia-X ist eine Plattform für den Datenaustausch, die auf föderalen Prinzipien basiert. Das bedeutet, sie ist offen gestaltet und ermöglicht den Austausch von Daten unter souveräner Kontrolle. Der Datenraum funktioniert auf der Grundlage gemeinsam festgelegter Vereinbarungen, Regeln und Standards und wird unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft & Klimaschutz.
Mit ihrer Initiative zünden die Initiatoren die nächste Stufe der Digitalisierung. Zugleich wollen sie europäische Entwickler und Unternehmen aus der Abhängigkeit von den globalen Cloudanbietern wie Google oder Amazon befreien.
Vermittler zwischen verschiedenen Datenquellen
Im Grunde haben föderierte Datenräume eine Vermittlerfunktion. Denn, und das ist entscheidend: In den Datenräumen selbst werden keinerlei operative Daten vorgehalten. Die verbleiben dort, wo sie generiert wurden. Dieses Konstrukt ermöglicht den Benutzern den Zugriff auf Daten aus verschiedenen Quellen, während die Kontrolle über Datenverwaltung, Datensicherheit und Compliance nach wie vor beim jeweils Bereitstellenden liegt.
Dass die Daten nicht physisch kopiert im Datenraum bereitstehen, erleichtert die Skalierung und eröffnet neue Möglichkeiten für Anwendungen und Analysen. Es reduziert außerdem die Notwendigkeit, Daten an mehr als einer Stelle zu speichern und zu verwalten. Das verringert Redundanz und senkt die Kosten für die Infrastruktur.
Das Ergebnis: Organisationen können ihre proprietären Systeme für Dritte öffnen, ohne dabei Gefahr zu laufen, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren. Auf der anderen Seite können sie Daten Dritter nutzen, um ihre eigenen Themen zu bearbeiten. Damit können sie gefahrlos von den Vorteilen der gemeinsamen Nutzung und Wertschöpfung profitieren.
Der föderierte Datenraum selbst hält die Funktionen bereit, die für den strukturierten und kontrollierten Datenaustausch erforderlich sind. Das sind Identifikations- und Authentifikationsverfahren, die sicherstellen, dass zu jeder Zeit klar ist, wer auf den Datenraum zugreift. Das sind Marktplatzfunktionen mit Navigation, Apps, Dienstleistungen und beispielsweise Contracting-Funktionen. Außerdem sorgen semantische Hilfestellungen dafür, dass die Beteiligten mit einheitlichen Begrifflichkeiten arbeiten.
Dieselben Standards und Richtlinien
Kurz: Metadaten, Berechtigungen und Sicherheitsmechanismen stellen sicher, dass alle Partner, die über den Datenraum interagieren, vertrauenswürdig sind und dieselben hohen Standards und Richtlinien in Bezug auf Datenspeicherung und -freigabe einhalten.
Haben sich innerhalb eines föderierten Datenraumes Partner gefunden, die Daten austauschen wollen, geschieht dies nach der Vermittlung auf direktem Wege zwischen den Partnern. Jeder Partner übernimmt mit einem Datensatz zugleich die Verantwortung für Datenschutz, Datensicherheit und den weiteren Umgang damit innerhalb seiner Organisation.
Wurde ein Datensatz mit weiteren Funktionalitäten angereichert oder für die Entwicklung neuer Lösungsansätze genutzt, kann die jeweilige Organisation diese Neuerung wieder über den Datenraum anbieten. Selbstverständlich kann jeder Partner seine Daten zur Nutzung von Dritten jederzeit freigeben oder diese wieder entziehen.
Auf diese Weise, so die Idee, soll das Teilen von Daten dazu beitragen, dass Akteure innerhalb eines vertikalen Ökosystems beziehungsweise einer bestimmten Branche die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um gemeinsam ihre Wertschöpfung zu steigern. Denn häufig arbeiten viele Unternehmen eines Wirtschaftssektors in einer Wertschöpfungskette oder in bestimmten Geschäftsprozessen zusammen. Also haben sie das gemeinsame Interesse, diese Zusammenarbeit und deren Ergebnisse zu optimieren.
Gaia-X: Mehrwerte schaffen
Das zentrale digitale Ökosystem nach dem Prinzip der föderierten Datenräume auf Open-Source-Basis ist das europäische Projekt Gaia-X. Es richtet sich nach eigener Darstellung vor allem an kleinere und mittelständische Unternehmen und Organisationen, die auf Basis des kontrollierten Datenaustauschs Mehrwerte schaffen beziehungsweise neue datengetriebene Geschäftsmodelle entwickeln wollen.
Stand: 08.12.2025
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Für die damit verbundenen Datentransfers stellt Gaia-X ein gemeinsames Regelwerk für Zugangs- und Transportprotokolle, Dienste und Richtlinien bereit. Diese folgen alle den Gaia-X-Prinzipien Transparenz, Datensicherheit, DSGVO-Konformität, Interoperabilität und Skalierbarkeit. Die Basis für das Referenzarchitekturmodell, das die Standards und Richtlinien in Bezug auf Datenspeicherung und -freigabe festlegt, hat die International Data Spaces Association (IDSA) entwickelt. Sie wurde im Kontext von Gaia-X adaptiert und weiterentwickelt.
Als wesentliche Vorteile gegenüber den bisher im Markt üblichen Angeboten nennt Gaia-X – neben sicherem Datenaustausch und der Möglichkeit, Mehrwert aus den eigenen Daten zu generieren – die dezentrale Speicherung bei den beteiligten Partnern selbst. Das sorgt für hohe Transparenz und Kontrolle. Interessant dürfte für viele Akteure auch die Möglichkeit sein, durch den Open-Source-Ansatz diverse Anbieter zu kombinieren.
Auf dieser Basis lässt sich beispielsweise die Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen aus verschiedenen Branchen bei der Entwicklung eines neuen Produkts optimieren: Jedes Unternehmen stellt dabei seine eigenen Datensätze, die für das Projekt benötigt werden, über den Datenraum zur Verfügung. Auf diese Weise ist es denkbar, dass etwa Unternehmen aus dem Energiesektor gemeinsam mit der Automobilindustrie die E-Mobilität vorantreiben.
Catena-X: Vorreiter Automotive-Branche
Schon deutlich konkreter wird der Nutzen von föderierten Datenräumen bei Catena-X, einem Projekt, initiiert und vorangetrieben von der deutschen Automobilindustrie. Ein wesentliches Ziel ist es, eine gemeinsame Dateninfrastruktur für die gesamte Lieferkette der Branche zu schaffen. Damit soll unter anderem Transparenz im Hinblick auf das Lieferkettengesetz geschaffen werden. Eine Grundvoraussetzung, die heute viele Unternehmen noch nicht – und vor allem nicht alleine – erfüllen können.
Über den Datenraum sollen sich Nutzer und Anbieter, Zulieferer und Autobauer, Rohstofflieferanten und Verwerter miteinander vernetzen. Die Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette informieren über Energieverbrauch, Transportwege und weitere relevante Faktoren, die zur CO₂-Bilanz beitragen. Damit lässt sich der CO₂-Fußabdruck der kompletten Lieferkette analysieren, und die Unternehmen können gezielt Maßnahmen ergreifen, um diesen zu reduzieren.
Ein weiteres Thema ist die Rückverfolgbarkeit: Während die Unternehmen bislang nur ihre eigenen Verantwortlichkeiten dokumentieren und die Informationen nicht untereinander austauschen, sollen künftig durchgängige Datenketten genau aufzeigen, welche Materialien und Komponenten verbaut sind oder mit welcher Software gearbeitet wurde.
Gleiches gilt für das Recycling. Dazu werden alle relevanten Informationen in einem Datenökosystem erfasst. Das macht die komplexe Materie transparent und eröffnet die Chance, die Nutzung von Ressourcen zu verbessern, problematische Stoffe zu identifizieren und die Wiederverwertbarkeitsquote zu steigern.
Um Unternehmen auf dem Weg zur Nutzung von Datenräumen zu begleiten, sind vor allem Dienstleister gefragt, die sie beim Onboarding in die entsprechenden Datenräume und Vorhaben unterstützen. Sicher ist: Föderierte Datenräume heben die Digitalisierung auf eine neue Stufe, indem sie Daten über die Grenzen von Unternehmen und Organisationen hinweg nutzbar machen.
Projekte nehmen Fahrt auf
Inzwischen nehmen die Projekte zum Thema föderierte Datenräume Fahrt auf. So unterstützt der Gaia-X Hub Deutschland seit Anfang 2022 elf Fördervorhaben des Bundeswirtschaftsministeriums, zum Beispiel: - „Autowerkstatt 4.0 – KI-gestützte Fehlerdiagnose beim Kfz“ soll den Austausch branchenspezifischer Daten und KI-Modelle ermöglichen. - COOPERANTS zielt auf effizientere Arbeitsmethoden und Produktionsprozesse bei Luft- und Raumfahrzeugen. - Unter Führung der Berliner Charité soll Health-X dataLOFT einem breiten Publikum die Nutzung und Kontrolle der eigenen Gesundheitsdaten ermöglichen. - Marispace-X will Akteuren aus Industrie, Wissenschaft, Behörden und NGOs ermöglichen, aus dem Meer gewonnene Daten zu verwalten, zu teilen und zu analysieren.