Wenn KI Teil der Therapie wird Edge-KI wandert in den Körper

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Mit einem neuen Implantatansatz bringen Precisis und Infineon Künstliche Intelligenz (KI) dorthin, wo man sie bislang nicht vermutete: in den menschlichen Körper. Statt Cloud-Analyse und externer Rechenleistung wandert Edge-KI jetzt direkt in medizinische Implantate – und macht Halbleitertechnologie zu einem Teil kritischer Gesundheitsinfrastruktur.

Das minimalinvasive Stimulationsimplantat von Precisis soll neuronale Signale künftig direkt im Körper auswerten und Therapieimpulse in Echtzeit anpassen – Edge-KI wird damit Teil medizinischer Infrastruktur.(Bild:  Precisis)
Das minimalinvasive Stimulationsimplantat von Precisis soll neuronale Signale künftig direkt im Körper auswerten und Therapieimpulse in Echtzeit anpassen – Edge-KI wird damit Teil medizinischer Infrastruktur.
(Bild: Precisis)

Das Heidelberger MedTech-Start-up Precisis entwickelt gemeinsam mit und Infineon im Rahmen des staatlich geförderten M/EDGE-Projekts Implantate, um Lösungen für die Behandlung medikamentenresistenter Epilepsie voranzutreiben. Dabei gehe es nicht darum, dass die KI Daten auswertet, sondern Teil der Behandlungslogik wird.

Kern der Zusammenarbeit ist das minimalinvasive Gehirnstimulationssystem EASEE. Es handelt sich um einen Gehirnschrittmacher für Menschen mit therapieresistenter Epilepsie – also Patienten, bei denen Medikamente keine ausreichende Wirkung mehr zeigen. Eine unter der Kopfhaut platzierte Elektrode sendet gezielte elektrische Impulse an überaktive Hirnareale und kann so epileptische Anfälle reduzieren. Die Platzierung der Elektrode erfolgt minimalinvasiv, ohne den Schädel zu öffnen.

KI wird Teil medizinischer Dauerinfrastruktur

Damit verschiebt sich die Rolle von KI grundlegend. Edge-Computing wird nicht mehr nur zur Optimierung technischer Prozesse eingesetzt, sondern übernimmt eine steuernde Funktion in biologischen Systemen. KI wird Teil medizinischer Dauerinfrastruktur – mit Anforderungen an Ausfallsicherheit, Energieeffizienz, Datenintegrität und regulatorische Nachvollziehbarkeit, wie sie bisher vor allem für industrielle Steuerungstechnik galten.

Technologische Grundlage sind energieeffiziente und gesicherte Halbleiter von Infineon, die als Kern des Implantable Pulse Generator dienen. Sie ermöglichen es, komplexe neuronale Daten lokal zu verarbeiten und KI-Algorithmen direkt im Implantat auszuführen. Die Architektur ist auf niedrigen Energieverbrauch, hohe Verlässlichkeit und dauerhaften Betrieb ausgelegt – zentrale Voraussetzungen für implantierbare Systeme.

Halbleiter werden Gesundheitsinfrastruktur

Für die Industrie bedeutet dieser Ansatz eine strukturelle Verschiebung. Halbleiter werden nicht mehr nur als Komponenten medizinischer Geräte betrachtet, sondern als tragende Säule medizinischer Versorgungsinfrastruktur. Gleichzeitig rücken Fragen der KI-Governance, der funktionalen Sicherheit und der regulatorischen Kontrolle in einen Bereich, der bislang primär durch Medizintechnik-Regularien geprägt war.

Precisis arbeitet bereits daran, den Ansatz über die Epilepsietherapie hinaus auf weitere neurologische Indikationen auszuweiten, darunter medikamentenresistente Depression. Damit entsteht ein technologisches Fundament, das KI, Halbleitertechnik und Medizintechnik zu einer neuen Infrastrukturklasse verbindet – mit direktem Einfluss auf die zukünftige Gestaltung personalisierter Therapien.

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