Kommentar von Jan Rodig, Tresmo

Die Wahl der richtigen IoT-Plattform ist geschäftskritisch

| Autor / Redakteur: Jan Rodig / Nico Litzel

Der Autor: Jan Rodig ist CEO von Tresmo
Der Autor: Jan Rodig ist CEO von Tresmo (Bild: Tresmo)

Das Internet der Dinge (IoT) nimmt Fahrt auf. Inzwischen werden immer mehr Anwendungsszenarien entwickelt, die echten Nutzen bringen – von der effektiveren Steuerung großer Industrieanlagen bis hin zu datengetriebener vorausschauender Wartung. Doch die Umsetzung von IoT-Projekten erfordert umfangreiche und sorgfältige Vorüberlegungen, denn die Wahl der IoT-Plattform hat weitreichende Konsequenzen.

Das Angebot an IoT-Plattformen ist in den vergangenen Monaten förmlich explodiert: Unter mehr als 500 kommerziellen Lösungen können – und müssen – Unternehmen derzeit wählen, wollen sie ein IoT-Projekt mittels einer Plattform umsetzen. Dabei könnten die Ausprägungen der verschiedenen Angebote unterschiedlicher kaum sein. Nicht nur spezifische Branchenanforderungen fließen jeweils ein, sondern auch ein differenziertes Verständnis dafür, was eine IoT-Plattform tatsächlich ist. Während ganzheitliche End-to-End-Plattformen als IoT-Plattformen im engeren Sinne gelten, werden oft auch reine Connectivity- oder M2M-Plattformen (Machine-to-Machine) sowie IaaS-Backend-Plattformen (Infrastructure-as-a-Service) als IoT-Plattformen angeboten.

Geht es nicht auch ohne?

Eine IoT-Plattform ist zwar keine Grundvoraussetzung für einen IoT-Service, sie vereinfacht die Sache aber enorm. Denn als Mittler zwischen den „Dingen“, wie Maschinen, Autos oder anderen Gegenständen, und den „Anwendungen“, wie Web-Applikation oder mobilen Apps, bringen sie bestimmte Grundfunktionen gleich mit. IoT-Plattformen im engeren Sinnen sollten folgende elementare Funktionalitäten enthalten:

  • Connectivity
  • Datenstandardisierung und Datenmanagement
  • Datenvisualisierung
  • Device- und Service-Management
  • Externe Schnittstellen
  • Unterstützung der Entwicklung
  • Sicherheits-Feature

Hier wird deutlich, was eine IoT-Plattform leisten kann. Das macht die Wahl der richtigen umso wichtiger. Als Dreh- und Angelpunkt schließlich der gesamten Lösung hängen von der IoT-Plattform die Leistungsfähigkeit des IoT-Services, die praktischen Einsatzmöglichkeiten sowie deren datenschutzseitige Absicherung und nicht weniger als die Sicherheit, auch mit künftigen Entwicklungen wie neuen Geräten oder Übertragungsstandards flexibel umgehen zu können, ab.

Die Folgen einer Fehlentscheidung können weitreichend sein. Wenn ein Plattformwechsel durchgeführt werden muss, sind die Folgekosten enorm: Vom Einspielen neuer Firmware bis hin zum Austausch der Endgeräte kommt dann ein hoher Zusatzaufwand auf das Unternehmen zu. Von erheblichen Verzögerungen beim Time-to-market, einem möglichen Imageschaden und dem Ärger mit einem zumindest teilweise gescheiterten Projekt ganz zu schweigen. Trotzdem lässt sich ein Plattformwechsel im laufenden Projekt nicht immer vermeiden, einfach weil sich die Anforderungen stark ändern können. Deshalb sollte diese Option möglichst von Beginn an in die Überlegungen einbezogen und eine Plattform gewählt werden, die niedrige Wechselbarrieren aufstellt.

Aber welche soll es sein?

Welche die richtige IoT-Plattform ist, hängt natürlich entscheidend vom jeweiligen Projekt ab. Unternehmen sollten sich deshalb vorab detailliert mit ihrem Projekt, dessen Zielen und genauen technischen Spezifikationen auseinandersetzen. Unabhängige, externe Beratung kann hierbei eine wertvolle Unterstützung sein, denn kaum ein Unternehmen kann selbst auf die Erfahrungen mehrerer IoT-Projekte zurückgreifen. Zudem setzen sich in den Unternehmen zunehmend agile Methoden bei der Entwicklung digitaler Lösungen durch. Dies verkürzt zwar zum einen die Innovationszyklen, stellt zum anderen aber eine Herausforderung für die IoT-Plattformwahl dar, da die Plattform eine entsprechend flexible IT-Architektur unterstützen muss: Der Einsatz von Container-Technologien etwa, macht das Deployment und den Betrieb der IoT-Lösung unabhängiger, ein mitwachsendes Preismodell einer Plattform, macht vor allem Prototypen und frühe Phasen deutlich günstiger.

Die Plattformevaluation erfolgt dann idealerweise systematisch anhand eines Fragenkatalogs, der sich sowohl an die IoT-Plattform-Anbieter als auch an das eigene Projektteam richtet. Aus den Erfahrungen aus über 30 IoT-Projekten hat Tresmo beispielsweise eine Checkliste mit rund 80 Parametern zusammengestellt. Sie untergliedert sich in mehrere Einzelbereiche und geht in wichtige Details. Beim Thema „Cloud Connectivity“ wird zum Beispiel nach der Anzahl der gleichzeitig möglichen Verbindungen, den unterstützten Kommunikationsprotokollen und der Absicherung des Transport Layers gefragt.

Der Abschnitt „Serverseitige Interaktion mit IoT-Geräten“ beschäftigt sich etwa mit den verfügbaren Schnittstellen, um Authentifizierung und Autorisierung sowie die Möglichkeit der echtzeit-nahen Kommunikation. Darüber hinaus sollten sich Unternehmen Gedanken machen über die Themen Skalierung, IT-Sicherheit und Datenschutz, Art und Weise der Abhängigkeit vom Anbieter (Vendor-Lock-in), IoT-Geräte-Produktion, Hosting, eingebettete SDKs (Software Developer Kits) sowie schließlich die Administration, den Support und entsprechende SLAs (Service Level Agreements).

Fazit

IoT-Plattformen können die Umsetzung von IoT-Vorhaben deutlich beschleunigen – nach unserer Erfahrung verkürzen sie komplexe IoT-Projekte auf etwa die Hälfte der Zeit im Vergleich zu kompletten Eigenentwicklungen. Jedoch kann die Entscheidung für eine für das individuelle Vorhaben nicht passende Plattform enorme Mehrkosten und Verzögerungen verursachen. Diese lassen sich durch eine kluge Auswahlentscheidung auf Basis einer sorgfältigen Anforderungsanalyse des eigenen IoT-Vorhabens sowie durch eine zukunftsfähige und flexible IT-Architektur vermeiden. Wenn man alles richtig macht, schafft man damit ein solides Fundament für die Realisierung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle wie beispielsweise nutzungs- und erfolgsabhängige Vergütungsansätze.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45392284 / Industrie 4.0)