EY-Studie sieht inländische Wirtschaft auf der Verliererstraße

Deutsche Unternehmen stecken im Digitalisierungsdilemma

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Die Deutschen müssen sich unbedingt ranhalten: Denn die Digitalisierung der Wirtschaft steht nicht erst bevor, sie ist bereits in vollem Gange. Bereits bei fast jedem dritten Unternehmen weltweit spielen digitale Technologien eine sehr große Rolle für das eigene Geschäftsmodell, bei weiteren 40 Prozent eine mittelgroße. Dabei geht Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern vorweg; nur das Nachbarland Schweiz ist in Sachen Digitalisierung noch deutlich weiter. Von den befragten Schweizer Unternehmen geben 41 Prozent an, digitale Technologien spielten für sie bereits eine sehr große Rolle, in Deutschland liegt der Anteil bei 36 Prozent.

Dass der Trend zur Digitalisierung aber nicht mehr aufzuhalten ist und Bedeutung auch für das eigene Geschäftsmodell haben wird – damit rechnet schon jedes dritte Unternehmen. Die digitale Entwicklung scheint in Deutschland dabei deutlich rasanter zu verlaufen als in anderen Ländern: Hierzulande sehen 41 Prozent der Unternehmen eine deutlich steigende Bedeutung digitaler Technologien für ihr Geschäftsmodell, nur in China liegt der Anteil mit 42 Prozent noch etwas höher. Bei so viel Realitätssinn erschrecken die weiteren Ergebnisse der Befragung: Denn nur wenig bis keine Relevanz für sich sieht gerade einmal jedes vierte Unternehmen weltweit. In Deutschland agiert sogar jedes siebte nach dem Motto „Augen zu und durch“. Doch das werde nicht funktionieren, warnt Olaf Riedel, Partner bei EY und Leiter Beratungsdienstleistungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Unternehmen müssten sich schon jetzt mit den Folgen der Digitalisierung befassen und entsprechende Strategien entwickeln. „Die Auswirkungen bekommen alle Branchen zu spüren – allerdings mit unterschiedlicher Wucht und nicht alle sofort“, so Riedel.

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Weit von der Weltspitze entfernt

Tatsächlich würden gerade die deutschen Unternehmen gern mehr investieren – wenn sie könnten: Immerhin jedes dritte deutsche Unternehmen gibt an, nicht über die nötigen Finanzmittel zu verfügen. Weltweit hindern mangelnde finanzielle Möglichkeiten nur jedes fünfte Unternehmen an weiteren Investitionen. Damit sind deutsche Firmen weit von der Weltspitze entfernt und liegen sogar unter dem weltweiten Durchschnittswert. Auffallend ist, dass vor allem Unternehmen aus der Eurozone deutlich weniger für die Digitalisierung ihres Geschäfts ausgeben wollen oder können. Hier spielen womöglich die schwache Wirtschaftsentwicklung und die ebenfalls eher trüben Konjunkturaussichten in Europa eine Rolle. Andererseits ist Kapital so günstig wie nie zuvor. Heinen befürchtet, dass die deutschen Unternehmen ihre Prioritäten woanders setzen. Das sei aber gefährlich, denn „wenn die Unternehmen der Eurozone den Digitalisierungstrend verpassen, verlieren sie weiter an Wettbewerbsfähigkeit“, warnt Heinen.

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