„Daten sind das neue Öl”, heißt es, auch wenn der Vergleich an einer entscheidenden Stelle hinkt: Daten sind keine begrenzte Ressource, sondern entstehen täglich neu. Und zwar nach Schätzungen jeden Tag weltweit in einem Umfang von 2,5 Trillionen Bytes. Sie bilden eine volatile Wirtschaftswelt ab, in der sich alles stetig verändert und mehr und schnellere Entscheidungen getroffen werden müssen als je zuvor.
Die Autorin: Karin Shalev Shogol ist General Managerin bei Elevation in Deutschland
(Bild: Elevation)
Nun gilt es, die schier unerschöpflichen Daten-Ressourcen gewinnbringend (für Unternehmen und Gesellschaft) zu nutzen. Hier lag der Fokus bisher vor allem auf der Entwicklung neuer Technologien – vom autonomen Fahren bis hin zur Marketingautomation. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen dabei zunehmend und viele Mitarbeiter glauben, dass ihre Arbeit durch den Einsatz von Technologie und Künstlicher Intelligenz (KI) überflüssig wird.
Dieses Bild verschärft sich bei vielen, da die Weiterbildung der Mitarbeiter, die die Technologien in Organisationen operativ nutzen, auf der Strecke geblieben ist. Dabei liegt hier der Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Denn um Prozesse zu optimieren oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – und somit täglich wichtige Entscheidungen treffen zu können – ist Datenkompetenz fundamental. Es ist daher unerlässlich, ein datengetriebenes Mindset im Unternehmen zu festigen und den Mitarbeitern die Angst im Umgang mit Daten zu nehmen, indem man Ihnen die Relevanz der eigenen Datenkompetenz aufzeigt.
So ist es beispielsweise für den Erfolg bei der Erstellung eines neuen Produkts ausschlaggebend, auf konkrete Daten zu setzen. Damit das Produkt möglichst viele Menschen anspricht, müssen die beteiligten Mitarbeiter die Bedürfnisse der Zielgruppe, Marktentwicklungen und Design-Trends erfassen und analysieren.
Datenkompetenz kann Unternehmenswert steigern
Wie entscheidend Datenkompetenz auf allen Ebenen von Unternehmen ist, zeigt der von Qlik in Auftrag gegebene Data Literacy Index. Organisationen mit ausgeprägtem Daten-Know-how weisen hier einen bis zu fünf Prozent höheren Unternehmenswert auf als andere. Größere Organisationen sind laut Studie in der Lage, ihren Wert um bis zu 500 Millionen US-Dollar zu steigern, wenn sie unternehmensweit und konsequent auf eine datenfokussierte Kultur setzen. Dennoch entspricht der selbstsichere Umgang mit Daten nicht dem Alltag vieler Mitarbeiter: Rund 75 Prozent fühlen sich im Umgang mit Daten unsicher oder überfordert.
Das Problem ist bekannt: Weiterbildungen haben laut LinkedIn Workplace Learning Report 2021 daher oberste Priorität bei den Personalentwicklern in Deutschland.
Eine datengetriebene Unternehmenskultur implementieren
Wie bereits erwähnt: Daten fallen im Überfluss an und verarbeitende Technologien sind weit entwickelt. Doch Technologien liefern in den meisten Fällen – und das auch noch für eine ganze Weile – nur die Grundlage für Entscheidungen. Diese werden weiterhin durch Menschen, nicht durch Maschinen getroffen. Und je höher die Datenkompetenz der Mitarbeiter, desto schnellere und bessere Entscheidungen treffen sie.
Doch vielen Mitarbeitern fehlt das Selbstvertrauen, sich mit dem Thema Daten tiefergehend zu beschäftigen. Die geforderten Fertigkeiten (Statistiken, Analysen, usw.) können schnell abschreckend wirken. Um eine datenbasierte Unternehmenskultur zu schaffen, müssen die Mitarbeiter jedoch nicht von jetzt auf gleich Statistik-Profis werden. Zunächst muss ein grundlegendes Verständnis dafür geschaffen werden:
Was Daten sind,
woher sie kommen,
für wen sie in der Organisation relevant sind,
wie man datenbasierte Entscheidungen trifft (datengetriebene Entscheidungsfindung),
wie man Daten visualisiert und
wie man Daten-Storytelling betreibt.
Erst im nächsten Schritt sollten Daten-Tools und statistische Verfahren eine Rolle spielen.
Die Zielsetzung sollte dabei aber stets sein, Datenkompetenz nicht nur im Controlling oder auf Führungsebene, sondern über alle Bereiche des Unternehmens hinweg zu implementieren. Mitarbeiter sollten erkennen können, in welchem Kontext Daten wichtig sind und ob relevante Muster auftreten, die der Entscheidungsfindung dienen, anstatt nur auf ihr Bauchgefühl zu hören.
Data Trainings sind ein guter Weg, diese fehlenden Kompetenzen auszugleichen und eine Datenkultur aufzubauen.
Datenkompetenz als KPI: Erfolg der Weiterbildung messen
Um den Erfolg dieser Trainings in einem Unternehmen messen zu können, sind zwei KPIs von großer Bedeutung. Zum einen die grundlegende und messbare Entwicklung der Datenkompetenz. Zum anderen deren Auswirkung auf die getroffenen Entscheidungen. Wie viele Entscheidungen hat ein Unternehmen getroffen, wie lang dauerte ein entsprechender Prozess und wie wirkungsvoll waren sie?
Um tatsächlich als datengetriebenes Unternehmen zu agieren, ist es zudem wichtig, Datenkompetenz in allen Bereichen des Unternehmens zu fördern und auf die Expertise der eigenen Angestellten zu vertrauen. Was aufgrund des hohen Technologie-Levels nämlich oft übersehen wird: Selbst in Unternehmen, die schlanke Entscheidungsprozesse propagieren, wird oftmals noch nach klassischen Hierarchien gehandelt. Das heißt, Entscheidungen fällen nur Führungskräfte.
Stand: 08.12.2025
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Beim Musik-Streaming-Dienst Spotify hat sich Berichten zufolge gezeigt: Mitarbeiter mit hoher Datenkompetenz trafen in 70 Prozent aller Fälle dieselben Entscheidungen wie ihr Chef. In 20 Prozent fällten sie aufgrund von operativen Einblicken sogar bessere Entscheidungen. Nur in zehn Prozent der Fälle waren die Entscheidungen der Angestellten schlechter. Sprich: Wer die nötige Produktnähe mit einer hohen Datenkompetenz verbindet, entscheidet in der Regel besser als das strategische Management.
Fazit
Datenkompetenz auf allen Ebenen ist also essenziell, um als datengetriebenes Unternehmen zu agieren und zügig die richtigen Entscheidungen zu treffen. Über die Wirkung dieser Entscheidungsprozesse und im Umkehrschluss über den daraus resultierenden Unternehmenserfolg lassen sich jedoch nur Aussagen treffen, wenn man die Entwicklung der Datenkompetenz misst. Nur dann werden Unternehmen in der Lage sein, den Return On Investment (ROI) von Weiterbildungen zu ermitteln und diese zu optimieren.
* Karin Shalev Shogol ist General Manager Deutschland des israelischen Start-ups Elevation. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Kompetenztrainings in den Feldern Daten, Business, Product Management und Programmierung.