RecalBox: Schnell eingerichtet und einfach zu handhaben
Die GUI Emulation Station bildet die Benutzeroberfläche von Recalbox und Retropie, zwei Projekte, die beide den Raspberry Pi in eine Emulationsplattform für zahlreiche klassische Spielesysteme verwandelt. Unter der Haube weisen die beiden Betriebssysteme allerdings einige Unterschiede auf.
(Bild: Screenshot / Recalbox.com)
Das Kodi Media Center ist auch Bestandteil des Recalbox-OS, ein mit zahlreichen Emulatoren gespicktes System, das sich zu 100% an Zocker und Retro-Fans richtet. Neben dem auf seine wesentlichen Grundfunktionen beschränkten, bewährten Mediaplayer hält dieses System über 30 Emulatoren parat, darunter klassische Konsolen wie das Atari 2600, die originale Sony Playstation oder die Adventure-Umgebung ScummVM. Über das heimische Netzwerk können Anwender sogenannte ROM-Dateien in den Emulator ihrer Wahl laden.
Aus rechtlichen Gründen hält Recalbox keine Spiele von anno dazumal parat, für die Bespeisung mit Spielen muss der Anwender überwiegend selbst sorgen. Dem Image liegen aber einige lizenzfreie Public-Domain-Titel bei, mit dem neugierige Zocker das System schnell testen können. Zwischenzeitlich war RecalBox sogar im NOOBS-Starterpaket enthalten. Nach einer längeren Phase der Inaktivität im Jahr 2018 wurde es allerdings wieder entfernt. In jüngerer Vergangenheit hat das Recalbox-Projekt aber wieder neuen Aufwind erhalten und liegt inzwischen (Stand 15. November 2019) in Version 6.1.1 vor. Allerdings fehlt noch eine Portierung auf die neueren Raspberry-Pi-4-Modelle. Derzeit ist Recalbox auf Raspberry Pi Zero-W-H, 1, 2, 3B, 3B+ und Compute Module 3 sowie den Einplatinenrechnern Odroid C2, XU4 und der PPC-x86/x64-Reihe einsetzbar.
Ein Vorteil von Recalbox ist die leichte Anwendbarkeit: Ein Image ist ohne größere Konfiguration aufgespielt, die Übertragung von Spielen auf das SBC erfolgt über ein grafisches Interface per Webbrowser am PC.
RetroPie: Unterstützung von über 50 Konsolen- und Heimcomputer-Familien
Ebenfalls an Retro-Gamer richtet sich das Raspberry-Pi-Image RetroPie. Diese Variante verzichtet auf das Kodi Media Center, bietet dafür allerdings auch Support für Emulatoren die Recalbox nicht bietet, beispielsweise für Commodore Amiga.
Dies geht aber auch mit einer etwas aufwändigeren Konfiguration einher. Das Projekt besteht schon länger als RecalBox und unterstützt auch Raspberry Pi Zero- und Raspberry Pi 1 Varianten. RetroPie unterstützt über 50 verschiedene klassische Computer- und Konsolensysteme bzw. Familien (Stand 28. April 2020, Version 4.6) per Emulation – darunter auch solch obskure Rechner wie der Dragon 32 oder die Oric-Familie an Heimcomputern (Oric-1, Oric Atmos, Stratos/IQ164 und Oric Telestrat). Im Gegensatz zur Recalbox bietet RetroPie seit Version 4.6 auch eine eingebaute Unterstützung für das Raspberry Pi 4.
Oberflächlich sehen sich RecalBox und Retropie sehr ähnlich. Der Eindruck täuscht: Beide Systeme verwenden nur mit EmulationStation dasselbe grafische Front-End. Während Recalbox effektiv eine Ready-to-Use-Lösung darstellt, gilt RetroPie als das vielseitigere System, das allerdings auch umständlicher in Handhabung und Konfiguration ist. RetroPie verfügt als das ältere Projekt dafür auch über eine überaus aktive Community und lässt sich auf Wunsch direkt als Standalone-Boot, aber auch im Nachgang zu einem bereits bestehenden Raspbian-OS dazu installieren.
Lakka: Open Source System in vertrauter GUI-Umgebung
Lakka ist ebenfalls ein OS, dass sich auf die Emulation klassischer Konsolen und Heimcomputer spezialisiert hat. Es geht allerdings einen etwas anderen Weg als die zuvor beschriebenen RetroPie und Recalbox.
Lakka ist ein Open-Source-OS. Es verwendet als Front-End RetroArch, dessen GUI von der Optik und Handhabung her etwas an das Betriebssystem der Playstation 3 erinnert. Lakka wurde mit den Ziel entwickelt, möglichst schlank und schnell in RetroArch zu laden. Lakka unterstützt dabei sowohl ARM- als auch x86-basierte Plattformen und ist somit als schlanke Linux-Distrubution auch für den Einsatz auf älteren, schwächeren PCs geeignet.
Anders als RetroPie und Recalbox, die zum Teil auch andere Bibliotheken verwenden, stützt sich Lakka einzig und allein auf Emulatoren auf Basis der libretro-API-Cores. Das schränkt die Vielseitigkeit ein, soll aber der Stabilität zuträglich sein – auch wenn für manche Systeme wahrscheinlich bessere Software verfügbar ist. Lakka gilt dafür als eine äußerst schnell zugängliche Variante, was auch am vertraut wirkenden GUI liegen mag.
Gegenüber den beiden Konkurrenten hat Lakka den zusätzlichen Vorteil, dass das OS in einer Vielzahl an Builds verfügbar ist, die auf die speziellen Ausstattungsmerkmale einzelner Single-Board-Computer zugeschnitten sind. So liegen eigene Varianten für die verschiedenen Rasberry-Pi-Baureihen vor, um deren jeweilige Hardwareressourcen ideal auszuschöpfen.
Auch wenn die Retro-Gaming-Stationen eine relativ junge Entwicklung sind, hat ihre Popularität dazu beigetragen, dass Lakka seit Juni 2017 als empfohlene Startplattform in NOOBS integriert ist. Von allen Emulationsstationen war Lakka die erste, die auch Raspberry-Pi-4-Unterstützung bot (seit dem 1. August 2019).
Stand: 08.12.2025
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