Sicherheitsregeln für Industrieroboter Neue Normen für Cobots und Industrieroboter: ISO 10218 passt sich der Praxis an

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Die Normen ISO 10218-1 und -2 wurden grundlegend überarbeitet. Sie bringen neue Vorgaben für Sicherheitsfunktionen, berücksichtigen Cobots stärker – und verlangen mehr Dokumentation bei abweichenden Sicherheitskonzepten.​

ISO 10218 überarbeitet: Neue Anforderungen an die Sicherheit von Industrierobotern(Bild:  KI-generiert)
ISO 10218 überarbeitet: Neue Anforderungen an die Sicherheit von Industrierobotern
(Bild: KI-generiert)

Im Februar 2025 hat die Internationale Organisation für Normung (ISO) die aktualisierten Fassungen der Normen ISO 10218-1 und ISO 10218-2 veröffentlicht. Diese regeln die Sicherheitsanforderungen für Industrieroboter und ihre Integration in industrielle Anlagen. Die bisherigen Ausgaben von 2011 wurden umfassend überarbeitet – unter anderem, um Entwicklungen bei kollaborativen Robotern und modernen Steuerungskonzepten Rechnung zu tragen.​

Der Fachbeitrag von Dr. Matthias Umbreit auf der Website von IBF Solutions ordnet die Änderungen praxisnah ein. Besonders im Fokus steht die funktionale Sicherheit: Statt wie bisher pauschal PL d nach ISO 13849-1 zu fordern, nennt ISO 10218-2:2025 in einem Anhang konkrete Sicherheitsfunktionen und weist ihnen jeweils einen Standard-Performance-Level zu. Abweichungen sind erlaubt, erfordern jedoch eine ausführliche Risikobeurteilung – samt größerem Dokumentationsaufwand.​

Neue Klassen für Roboter – Cobots rücken auf

Ein weiteres zentrales Element der Überarbeitung betrifft die Einteilung von Industrierobotern in zwei Klassen. Während bisher alle Roboter pauschal denselben Sicherheitsanforderungen unterlagen, unterscheidet ISO 10218-1:2025 nun zwischen Klasse 1 (geringes Gefahrenpotenzial, geringere Anforderungen) und Klasse 2 (alle übrigen Roboter mit höheren Anforderungen). Für kleinere, leichtere Cobots bedeutet das spürbare Erleichterungen – sofern sie die Voraussetzungen erfüllen.​

Zudem integriert die neue Norm Inhalte der technischen Spezifikation ISO/TS 15066, die speziell für kollaborierende Roboter entwickelt wurde. Dazu gehören die bekannten Kollaborationsarten wie Handführung, Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung oder Leistungs- und Kraftbegrenzung. Letztere ermöglicht den Betrieb von Cobots ohne trennende Schutzeinrichtungen. Damit verbundene Risiken – etwa durch Kontakt zwischen Mensch und Roboter – werden in der neuen Norm durch definierte Kraft- und Druckgrenzwerte abgedeckt.​

Sicheres Abschalten und mehr Dokumentation

Ein weiterer Aspekt: Die überarbeitete Norm greift Anforderungen der Maschinenrichtlinie auf, etwa die Pflicht zum „normalen Stillsetzen“. Diese Funktion soll dafür sorgen, dass Anlagen am Schichtende kontrolliert heruntergefahren werden – ohne Not-Halt und ohne Risiko für Personal oder Technik.​

Darüber hinaus sind nun auch Themen wie Restart-Interlock, Greifersysteme, manuelle Be- und Entladung, Cybersecurity und mechanische Festigkeit Bestandteil der Normenserie. Teil 2 der Norm ist auf über 250 Seiten angewachsen – eine Herausforderung für Konstrukteure, wie Umbreit im Fachartikel betont.​

Für die Umsetzung ist eine Übergangsfrist von 24 Monaten vorgesehen, deren endgültige Bestätigung durch die EU-Kommission noch aussteht. Wer mit Industrierobotern arbeitet – ob als Hersteller, Systemintegrator oder Betreiber – wird sich zeitnah mit den neuen Vorgaben befassen müssen.

Quelle: Dr. Matthias Umbreit: Die neuen Normen für Industrieroboter: EN ISO 10218-1 und EN ISO 10218-2, veröffentlicht auf ibf-solutions.com, 2. April 2025.

Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS.

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