Microsofts Update-Modelle für Business-User

Windows 10 - Services und Apps lassen viele Fragen offen

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Rainer Graefen

Microsoft hat es bislang noch nicht wirklich geschafft, die Vorteile von Windows as a Service transparent darzustellen. Für Firmen bedeutet das neue Modell ein Umdenken, auch was die Lizenzierung angeht.
Microsoft hat es bislang noch nicht wirklich geschafft, die Vorteile von Windows as a Service transparent darzustellen. Für Firmen bedeutet das neue Modell ein Umdenken, auch was die Lizenzierung angeht. (Bild: Microsoft)

Windows und Universal Apps kommen künftig nur noch als Services auf den Rechner. Die Umstellung auf Windows as a Service hat viele Vorteile, lässt aber auch Fragen offen, so etwa hinsichtlich der Sicherheit und der Lizenzierung.

Microsoft will nach Angaben von Alexander Stüger, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, „in zwei bis drei Jahren eine Milliarde Lizenzen von Windows 10“ verkaufen. Angesichts des schleppenden Verkaufs von Windows 8.x, der real unter den Erwartung geblieben, erscheint diese Zielmarke als recht ambitioniert. Viele Unternehmen kleben noch an Windows 7, und 8 Prozent der Nutzer setzen noch immer auf Windows XP.

Berücksichtigt man jedoch, dass Windows 10 auf zahlreichen verfügbaren Hardware-Plattformen inklusive Windows Phone und Windows RT laufen soll, wächst die Erfolgswahrscheinlichkeit. Wirklich entscheidend ist jedoch, ob das neue Modell „Windows as a Service“ ein Erfolg oder von den geschäftlichen Benutzern abgelehnt wird. Großanwender wie „ein bekannter deutscher Automobilhersteller“ (Stüger) haben sich schon mal Sonderbedingungen einräumen lassen, um das Upgrade von Windows-8-Versionen auf Windows-10-Lizenzen so einfach und kostengünstig gestalten zu können.

Upgrades auf Windows 10 kosten entweder 135 Euro (Home Edition) oder 279 Euro (Professional), aber die Mehrzahl der deutschen Unternehmen dürfte auf das Volumenlizenzmodell setzen und es mit der Enterprise- oder der Education Edition fortsetzen. Für diese Anwender ist Windows as a Service besonders interessant, denn erstens müssen sie zwischen vier Update-Modellen wählen und zweitens entscheiden, ob und wie sie diese Update-Modelle mischen.

Update-Modelle für Business-User

Grundsätzlich sollte man zwischen Sicherheits-Updates (vulgo „Patches“) und Funktionserweiterungen wie etwa Add-ons unterscheiden. Windows as a Service soll beides vereinfachen. Doch es hilft, vorher Bescheid zu wissen, bevor sich der Business-Nutzer festlegt.

„Current Branch“ ist das einfachste Update-Modell, denn dabei wird einfach das vorhandene Update-Modell weitergeführt. Die Updates erfolgen automatisch und sofort. Wer das nicht will, sollte sich für „Current Branch for Business“ entscheiden. Während Patches immer sofort ausgeliefert werden, trifft dies auf Funktionserweiterungen nicht zu. Hier „sind Funktions-Updates für unterstützte Geräte erst dann verfügbar, wenn sie im Consumer-Markt ihren Mehrwert und die notwendige Kompatibilität im Unternehmenseinsatz bewiesen haben“, schreibt Microsoft.

Admins haben dann acht Monate Zeit, solche Erweiterungen testen zu lassen, etwa durch einen Windows Insider. „Mithilfe des Windows Server Update Service (WSUS) lassen sich ensprechende Update-Einstellungen vornehmen“, sagte der Microsoft-Produktmanager André Hansel.

Long Term Servicing

Als drittes Update-Modell gibt es „Long Term Servicing Branches“ (LTS). Sie werden nicht sofort installiert und lassen sich über längere Zeit hinauszögern, um beispielsweise sensible Geräte wie etwa bei der Flugsicherung, in der medizinische Notversorgung oder im Umfeld der Maschinensteuerung nicht zu stören. Solche zertifizierten Geräte könnten unter Umständen ihre Zulassung verlieren, wenn ihre Software durch ein Update verändert wird. Bei den LTS-Updates sollte sich dann der Anwender selbst um einen neuen Build von Windows 10 kümmern. Microsoft bietet Werkzeuge fürs Troubleshooting und den Roll-out an.

Als vierte Variante bieten die Redmonder schließlich noch „Windows Update for Business“ an. „Damit definieren Unternehmen Wartungsfenster, die festlegen, wann ein bestimmtes Gerät Updates erhalten soll, und kontrollieren, wann ausgewählte Gruppen im Unternehmen Aktualisierungen erhalten“, so der Hersteller.

Weitere Details zu Windows Update for Business gibt es auf Blogging Windows.

Mehr Informationen zur Windows-Verwaltung findet der Leser im TechNet von Microsoft.

Axel Oppermann ist IT-Marktanalyst und Gründer des Beratungs- und Analystenhauses Avispador.
Axel Oppermann ist IT-Marktanalyst und Gründer des Beratungs- und Analystenhauses Avispador. (Bild: Axel Oppermann)

„Für das Update-Management und für Mobile Device Management lässt sich der Microsoft System Center Configuration Manager nutzen“, so Hansel. Der SCCM decke auch über 90 Prozent der Funktionen eines MDM-Tools wie MobileIron oder Microsoft Intune ab.

„Microsoft hat es noch nicht wirklich geschafft, die Vorteile von Windows as a Service transparent darzustellen“, kritisiert der Analyst Axel Oppermann. „Das braucht Zeit, zumal viele betroffene Anwender einen solchen Ansatz nicht gewohnt sind beziehungsweise diesen nicht erwartet haben.“ Er empfiehlt: "Insbesondere Firmen müssen sich überlegen, wie sie vorgehen wollen."

Universal Apps

Entwickler, so stellen sich das die Redmonder vor, „erstellen für Windows 10 zukünftig nur noch eine Anwendung für die Nutzung auf allen Windows-Geräten“. Die App läuft dann auf mehreren Geräten und ermöglicht damit eine einheitliche Nutzererfahrung auf allen Geräten, beispielsweise mithilfe von Windows 10 Continuum. „Microsofts Ziel ist es, dass es und seine ISV-Partner mit einer einheitlichen App deutlich mehr unterschiedliche Geräte und somit auch Kunden erreichen können“, erläutert Oppermann. „Hierfür sorgen eine einheitliche Programmierschnittstelle (API) und einheitliches Oberflächen-Design (UI).“ Der Vorteil für ISVs: „Entwickler erhalten so eine größere Reichweite im Markt und eine intensivere Verwendung ihrer Apps.“ Auch bei den Entwicklertools gebe es eine entsprechende Vereinheitlichung.

Portierung von iOS- und Android-Apps

Dass Microsoft der Apps-Markt immer wichtiger wird, weil es hier künftig Geld verdienen will, zeigt auch die geplante Portierung von iOS-Apps und Android-Apps auf Windows 10, die in den Projekten „Astoria“ und „Islandwood“ vorangetrieben wird. Wie Oliver Gürtler, der Leiter des Geschäftsbereichs Windows bei Microsoft Deutschland, sagte, erfolgt diese Portierung mithilfe von Werkzeugen in Microsofts Entwicklungsumgebung „Visual Studio“.

Der Entwickler „nimmt beispielsweise ObjectiveC-Code einer iOS-App und kompiliert sie neu, um sie als Universal App bereitstellen zu können“, erläuterte Gürtler. Als erfolgreiches Beispiel nannte er das Spiel „Candy Crush Saga“. „Es ist genau mit diesen Tools migriert worden und ist heute im Windows Store die Nr. 1 in dieser Kategorie.“ Auch Android-Apps sollen mit einem Tool portiert werden können, aber Veröffentlichungsdaten konnte oder wollte Gürtler noch nicht nennen.

Der neue Business Store

Neben dem Windows Store soll es künftig einen Business Store geben, „der sich automatisch an die Bildschirmgröße des verwendeten Geräts anpasst, Vorschläge aufgrund des Nutzerverhaltens macht, umfangreiche Zahlungsmöglichkeiten bietet und ein einheitliches Benutzererlebnis garantiert“, informiert Microsoft. Weitere Informationen hierzu gebe es auf dem „Building Apps for Windows“-Blog.

Anwenderstimme

„Wir als Lösungsentwickler erzielen erhebliche Einsparungen, wenn wir mit einer Codebasis große, kleine bis hin zu mobilen Bildschirmen versorgen können“, erklärt Ludwig Neer, für die Entwicklung zuständiges Vorstandsmitglied bei CAS Software in Karlsruhe, einem Hersteller von CRM-Lösungen. „Denn der Vorteil von Windows 10 besteht im Business-Bereich vor allem darin, dass ein durchgängiges System alle Hardware-Plattformen abdeckt.“

Die Universal Apps böten demnach CAS Software die Möglichkeit, Entwicklungskosten einzusparen. „Das Programmiermodell der Universal Apps besteht aus Bibliotheken, die einheitlich sind. Das gab es schon bei Windows 8.x, aber unter Windows 10 wurde dieses Konzept stark modifiziert.“ Der Entwickler kann jetzt auch ganz kleine und ganz große Bildschirme abdecken. „Das bedeutet schon eine erhebliche Umstellung“, gibt Neer zu.

Auch seine Entwicklungspartner profitieren von Universal Apps, freut sich der CAS-Vorstand. „Zunächst einmal nutzen sie unser eigenes SmartDesign-Konzept, und die Umsetzung der neuen Windows-10-UI wird in der kommenden Generation von SmartDesign erfolgen. Wir werden ein App-in-App-Konzept einführen, also Apps für Business-Anwendungen.“ Das Ökosystem der CAS-Partner könne solche Apps erstellen und so den App-Gedanken von Windows in die Business-Anwendungen weiterführen.

Ausblick

Für Ludwig Neer könnte das neue Betriebssystem kurzfristig durchaus ein Erfolg werden, wobei allerdings im Business-Bereich unter „kurzfristig“ ein Zeitraum unter drei Jahren zu verstehen ist... „Microsoft sollte zeitnah aufzeigen, wo die Reise hingeht; also auch, welche etwaigen Bezahlmodelle für einzelne Services - etwa auch Premium Apps - zu erwarten sind“, mahnt Oppermann an. „Denn wer garantiert uns, dass Microsoft in einem Jahr, wenn das kostenlose Upgrade nicht mehr bereitsteht, für Premium Services nicht auf einmal die Hand aufhält?“

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