Spot an: Künstliche Intelligenz im Lichtschalter

| Autor / Redakteur: Michael Eckstein / Nico Litzel

Lokale KI: Mediatek will Endgeräte wie Lichtschalter auch ohne Cloud-Anbindung intelligenter machen.
Lokale KI: Mediatek will Endgeräte wie Lichtschalter auch ohne Cloud-Anbindung intelligenter machen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Mediatek rüstet sich für die Post-Smartphone-Ära: Auf der CES hat das Unternehmen angekündigt, verstärkt Chips für Bereiche wie Daten-Switches, Automotive und auch KI-Lösungen für Edge-Geräte zu entwickeln.

Einen großen Teil seines Umsatzes machen die taiwanesische System-on-Chip-(SoC)-Spezialisten bislang mit integrierten Schaltungen für Endkundenprodukte wie Smartphones, Tablets, Smart TV, Set-Top-Boxen, WLAN-Router, Blu-Ray-Laufwerke usw. Nun richtet sich Mediatek, das selbst keine Produktionsstätte besitzt, verstärkt auf potenziell zukunftsträchtige Märkte aus: Auf der CES in Las Vegas hat das Unternehmen Entwicklungen unter anderem für Automotive-Anwendungen und intelligentere Endpunktgeräte angekündigt beziehungsweise vorgestellt.

Zum Beispiel sei es ein „No Brainer“, basierend auf dem bestehenden Portfolio Chips für die boomenden Smart Speaker wie Amazon Echo oder Google Home beizusteuern, sagt David Ku, Chief Financial Officer von Mediatek, in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin EE Times: „Letztlich sind all diese Geräte Tablets ohne Bildschirm.“

Künstliche Intelligenz für den Lichtschalter

Neben einem reinen Cloud-to-Cloud-Serviceansatz sieht er auch Platz für ein „Edge und Cloud“-Hybridmodell, in dem die Endgeräte mit eigener „Intelligenz“ ausgestattet sind und nicht sämtliche Berechnungen über die Cloud erfolgen. Damit könnten beispielsweise Smart Speaker menschliche Stimmen zuverlässiger von Hintergrundgeräuschen trennen, um Sprachbefehle besser zu verstehen. Diese Lösungen seien auch für andere Bereiche interessant, etwa Smartphones, Kopfhörer und Applikationen wie Sprachsteuerungen im Auto.

Damit nicht genug: „Die am häufigsten genutzten Smart-Speaker-Befehle sind ‚Licht an!‘ und ‚Licht aus!‘“, erklärt Ku. Was spreche dagegen, KI-Funktionen, die relativ wenig Prozessorleistung beanspruchen, in Massenprodukte wie Lichtschalter zu integrieren? Dadurch könnte man auf eine Cloud-Anbindung verzichten.

Das hätte mehrere Vorteile: Anbieter müssten keine Cloud-Infrastruktur in allen Regionen aufbauen, in denen sie ihre Produkte verkaufen wollen. Wenn keine Cloud-Rechenleistung erforderlich ist, könnte die Gesamtstrombilanz besser ausfallen. Darüber hinaus würden Anwender von der möglicherweise schnelleren Reaktion und einer besser geschützten Privatsphäre profitieren.

Mediatek wolle „Enabler für KI im Edge-Bereich“ werden, betont Ku. Ein Mosaikstein in der Strategie ist das NeuroPilot-Software-Entwicklungs-Kit: Einmal geschriebener Code soll sich über verschiedene Hardware-Plattformen und Produktlinien hinweg nutzen lassen. Entwickler könnten damit Kosten senken und Produkte schneller zur Marktreife bringen.

Eigene Ausgründung als KI-Lieferant

Um diese Funktionalität zu realisieren, bräuchte man einen kleinen digitalen Signalprozessor (DSP) und ein neuronales Netzwerk, dass rund 20 bis 30 Wörter erkennen kann. Der DSP fungiert dabei als Deep-Learning-Beschleuniger. Mediatek nutzt nach Angaben von EE Times für seine Entwicklungen KI-Prozessoren und -Algorithmen des taiwanesischen Start-Ups Intelligo – einem Unternehmen, dass 2016 als Mediatek-Ausgründung gestartet ist.

Das „Debussy“ genannte SoC von Intelligo basiert auf dem hauseigenen KI-Prozessor iGo. Dieser bietet nach eigenen Angaben ein konfigurierbares DNN und eine „hocheffiziente Interferenz-Engine, die 1 TOPS pro Watt“ bereitstellt. Der SoC beherrscht auch Audio-Bearbeitungsfunktionen wie Echo-Auslöschung, dynamische Aussteuerungskontrolle, Equalizer und Sampleraten-Konvertierung.

Ziel ist ein breites, ausgeglichenes Portfolio

Auch andere Entwicklungen des Unternehmens zielen darauf ab, sich unabhängiger von den bisherigen Umsatzträgern zu machen und auf ein „ausgeglichenes Portfolio zu setzen“. So stünden auch kundenspezifische ASIC-Bausteine im Fokus, die in Daten-Switches für Rechenzentren zum Einsatz kämen. „Anwender generieren immer mehr Daten – wir sehen keine Verlangsamung dieses Trends“, erklärt Ku.

Noch relativ neu sind Mediatek-Lösungen für den Automotive-Sektor, etwa Telematic-Module, mmWave-Radar- und Infotainment-Produkte. Damit zählt Mediatek zum kleinen Kreis der Firmen, die erfolgreich CMOS-basierte Radarsysteme entwickelt haben, darunter NXP, Texas Instruments und Infineon.

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