Emotionale Intelligenz für Künstliche Intelligenzen

Schau mir in die Augen, KI!

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Emotionen beeinflussen jeden Aspekt unseres Lebens, fehlen aber in unserem digitalen Leben, da Geräte und Apps nicht wissen, wie wir uns fühlen.
Emotionen beeinflussen jeden Aspekt unseres Lebens, fehlen aber in unserem digitalen Leben, da Geräte und Apps nicht wissen, wie wir uns fühlen. (Bild: © Feodora - stock.adobe.com)

Künstliche Intelligenz hat für viele Menschen etwas Unheimliches. Dass Maschinen durch sogenanntes „Deep Learning“ in der Lage sind, „Wissen“ aus Erfahrungen zu schöpfen und ihre Aufgaben selbst zu optimieren oder dass KI sogar in der Lage ist, menschliche Emotionen zu erkennen und zu bewerten.

Für Rana el Kaliouby ist die Verschmelzung kognitiver und emotionaler Auffassungsgabe in Künstlichen Intelligenzen weder Zukunftsmusik noch in irgendeiner Weise furchteinflößend. Im Gegenteil. Dr. el Kalouby ist nicht nur Mitgründerin und CEO des MIT-Start-ups Affectiva, das sogenannte Emotionsmesstechnik entwickelt. Sie gilt als Vorreiterin im Bereich emotionaler künstlicher Intelligenz und Technology Evangelist. Sie tritt als Sprecherin auf zahlreichen Veranstaltungen auf, um ihrem Publikum künstliche emotionale Intelligenz näher zu bringen – was sie ist und warum sie wichtig ist.

Emotionen beeinflussen jeden Aspekt unseres Lebens – wie wir lernen, wie wir kommunizieren und wie wir Entscheidungen treffen. In unserem digitalen Leben fehlen gerade diese Emotionen, da Geräte und Apps, nicht erkennen können, wie wir uns fühlen. Dr. el Kaliouby will das ändern. Vor kurzem erst wurde sie in die Thinkers50 Radar-Liste der Management-Denker 2018 aufgenommen. Diese Liste zeichnet Experten aus, die wahrscheinlich in Zukunft die Art und Weise bestimmen, wie Unternehmen geführt und geleitet werden. Das Fortune Magazin wählte sie 2018 in die 40 Under 40-Liste der einflussreichsten jungen Menschen der Wirtschaft. Forbes America zählt sie zu den Top 50 Frauen in der Technik.

Auf Mission: KI-Expertin Rana el Kaliouby ist CEO und Mitgründerin von Affectiva.
Auf Mission: KI-Expertin Rana el Kaliouby ist CEO und Mitgründerin von Affectiva. (Bild: Affectiva)

Dr. el Kaliouby ist auf schwieriger Mission und muss in erster Linie um Vertrauen in die Künstliche Intelligenz werben. Verbraucher rufen verstärkt nach der Einhaltung ethischer Grundsätze für KI, wie die aktuelle Studie des Capgemini Research Institute „Why adressing ethical Questions in AI will benefit Organizations” belegt. Und auch die verschiedenen Gründungen von Ethik-Beiräten zeigen, dass vor allem Nutzer und Kunden sich mehr Vorsicht und Zurückhaltung bei KI-Anwendungen wünschen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich Dr. el Kaliouby mit ihrem Unternehmen Affectiva. Die Affectiva-Software kann menschliche Emotionen basierend auf Mimik in Kombination mit physiologischen Reaktionen erkennen. Ihre multi-modale intelligente KI verarbeitet das Mienenspiel von Personen jeglichen Geschlechts, Alters und Ethnien.

Die Affectiva Cloud API hilft Maschinen darüber hinaus, auch Emotionen in der menschlichen Sprache zu verstehen. Unter Zuhilfenahme der Optimierungsmethoden des „Deep Learning“ ist Affectiva fähig, menschliche Emotionen am Gesichtsausdruck zu erkennen und diese auch zu bewerten und einzuordnen. Durch intensives Training der AI-Algorithmen ist es gelungen, dass die KI Gefühle mit kulturellen und geschlechtlichen Unterschieden interpretieren kann: „Durch das Training werden Fehler in den AI-Algorithmen vermieden oder Verzerrungen der Ergebnisse verhindert“, erklärt el Kaliouby.

„Emotion-as-a-Service”

Auf diese Weise hat Affectiva das weltweit größte Archiv an „emotionalen Reaktionen“ aufgebaut. Und die Anwendungsmöglichkeiten sind breit gefächert. Zahlreiche Unternehmen – führende Marktforschungsunternehmen oder Marken wie Mars, Kellogg's und CBS – nutzen beispielsweise die cloud-basierte Emotionserkennungssoftware „Affdex for Market Research“, um Marketing- und Werbekampagnen dahingehend zu untersuchen, wie Konsumenten auf die Inhalte oder Marken reagieren und wie sie damit umgehen. Fernsehanstalten bewerten die Reaktionen des Publikums auf digitale Inhalte wie Anzeigen oder Programmformate. Fortbildungs- und Lerninstitute können aufgrund der Messungen für die Teilnehmer den optimalen Zeitpunkt für effektives Lernen bestimmen.

Die Emotionserkennungssoftware zeigt ungefilterte und unvoreingenommene emotionale Reaktionen der Verbraucher auf digitale Inhalte.
Die Emotionserkennungssoftware zeigt ungefilterte und unvoreingenommene emotionale Reaktionen der Verbraucher auf digitale Inhalte. (Bild: Affectiva)

In Unternehmen findet Affectiva den Einsatz bei Personal- oder Bewerbergesprächen oder um beispielsweise das Sprech- und Redevermögen von Führungskräften zu verbessern. Die Software sorgt aber auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, indem sich mit Hilfe der intelligenten Gesichtserkennung schwere Unfälle durch Müdigkeit, Ablenkung oder Stress vermeiden lassen. Insgesamt nutzen inzwischen ein Viertel der Fortune Global 500 und mehr als 1.400 Marken die Möglichkeiten der Affectiva-Applikation.

Rana el Kaliouby sieht allerdings im Gesundheitswesen einen der nutzbringendsten Anwendungsbereiche. Sie ist überzeugt, dass emotionale KI insbesondere die psychische Gesundheit verändern werde. Sie verweist dabei auf die Erfolge eines Langzeitprojekts mit Kindern mit Autismus. Mit Hilfe einer speziellen AR-Brille können die betroffenen Patienten lernen, die Emotionen ihres Gegenübers besser zu deuten. Viele Eltern und Angehörige autistischer Kinder, so Dr. el Kaliouby, berichten von großen Erleichterungen im Alltag und sozialen Miteinander.

Wer selbst wissen möchte, wie die Affectiva-Gesichtserkennung funktioniert, kann eine Testversion von Affdex über iTunes oder den Google Play Store auf sein iPhone oder Android-Smartphone herunterladen. Außerdem hat Affectiva eine Demo des Marktforschungstools für Online-Mediatests zur Verfügung gestellt.

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