Schwachstellenanalyse der sportlichen Leistung deutscher Fußballer SAP liefert Bewegungsprofile deutscher Fußball-Nationalspieler

Autor / Redakteur: Bernhard Schoon / Rainer Graefen

Für Sport und Fitness, und damit das eigene Wohlbefinden, wird gerne viel Geld ausgegeben. Ganz im Trend liegen elektronische Devices für das Handgelenk, mit denen sich die Vitalfunktionen der Träger aufzeichnen und die Messwerte analysieren lassen. Da möchte auch der größte deutsche Sportverband nicht im Abseits stehen bleiben.

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Oliver Bierhoff, Manager der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft
Oliver Bierhoff, Manager der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft
(Foto: Wolfram Scheible / SAP)

Die Trendsetter der Sport-Wearables waren bis vor Kurzem die kleinen US-Hersteller: Die ersten Fitness-Armbänder stammten von Fitbit, Jawbone und dem französischen Hersteller Withings. Auf rudimentäre Funktionen reduziert, lassen sich die Daten dieser Armbänder leicht auf einem Smartphone speichern und auswerten.

Das Jawbone Up verzichtet sogar auf ein Display, die gemessenen Bewegungs- und Schlafwerte werden zur Analyse an ein Smartphone übertragen. Mehr als einen Schrittzähler bietet der Withings Pulse. Er verfügt über ein Touchdisplay, das die zurückgelegten Schritte und den Puls anzeigt. Nachts überwacht der Pulse die Schlafphasen des Besitzers.

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Das gleiche Feature bietet auch der Fitbit One, zusätzlich aber auch eine Weckfunktion. Ausgewertet werden die Daten über Apps für iOS und Android. Da sich Alter, Gewicht und Blutdruck des Trägers eingeben lassen, kann der Trainingseffekt noch genauer berechnet werden.

Wearable-Plattformen in Sichtweite

Ins Geschäft mit den Wearables steigen nun aber auch die Großen der IT-Branche ein. So hat Intel am 4. März den US-Hersteller Basis übernommen, als Kaufpreis sind 100 bis 150 Millionen Dollar im Gespräch. Das Unternehmen war einer der kleinen, innovativen Anbieter von Fitness-Armbändern.

Aber damit nicht genug: Intel hatte bereits zur diesjährigen CES in Las Vegas ein Siri-ähnliches Bluetooth-Headset namens Jarvis und einen Chip namens Edison gezeigt, der sich für eine Vielzahl von Anwendungen in Kleidung und Gebrauchsgegenständen eignet. Allerdings sollte man bei Intel nicht erwarten, dass der Chip-Hersteller selbst ins Consumer-Geschäft einsteigen möchte, vielmehr dürfte er eigene Chip-Plattformen für Wearables vorbereiten.

Auch der Elektronik-Riese Sony zeigte während der CES mit seinem Smartwear ein unauffälliges Armband aus dehnbarem Kunststoff, das die Schlafphasen misst und in den Wachphasen die Zahl der zurückgelegten Schritte und alles auf ein Smartphone oder Facebook überträgt.

In mehreren knalligen Farben hingegen kommt das Smartband von Sony. Neben der Aufzeichnung der täglichen Aktivitäten meldet das Gerät auch eingehende Anrufe auf dem Smartphone mittels Vibration oder über die eingebauten LEDs.

Sportausrüster wittern Nische

Nach Nike, dem Anbieter des Fuelband, steigt auch Sportausrüster Polar, bekannt für seine hochwertigen Sportuhren, in den Markt der Wearables ein. Das Spitzenmodell ist das V800 für rund 450 Euro, das die Körperfunktionen und den Schlafrhythmus überwacht.

Mit 99 Dollar in den USA ist das Polar Loop deutlich günstiger, es zeichnet die zurückgelegten Schritte, den Kalorienverbrauch und Schlaf des Trägers auf. Als Zubehör ist auch ein Herzfrequenzmesser erhältlich.

Mit einem iPhone lässt sich das Polar Loop über Smart Bluetooth verbinden, zu Android ist die Synchronisation über ein USB-Kabel und einen PC erforderlich, zumindest bis die entsprechende App für Android vorliegt.

Huawei vorne mit dabei

Recht neu ist auch das Fitness-Armband Vivofit von Garmin, dem Spezialisten für Navigations-Systeme. Mit der App Garmin Connect lassen sich die Messdaten auf einem Smartphone auswerten, allerdings setzt die Verbindung das neue Bluetooth 4.0 voraus, das zurzeit nur auf wenigen Smartphones zur Verfügung steht. Mit zwei Lithium-Knopfzellen bestückt, hält das Vivofit laut Hersteller bis zu einem Jahr durch, also deutlich länger als vergleichbare Armbänder.

Etwas Ausgefallenes präsentiert der chinesische Netzausrüster Huawei mit seinem Talkband B1. Ein abnehmbarer Hörer macht damit sogar drahtlose Telefonate möglich. Die Verbindung zum Smartphone wird mit NFC hergestellt. Die Batterie hält laut Hersteller bis zu sechs Tagen durch. Dass es zusätzlich noch die Fitness-Aufzeichnungen dazugibt, schafft einen funktionalen Vorteil gegenüber den konventionellen Headsets.

Android fürs Handgelenk

Wie bei den Android-Smartphones, die von mehreren Herstellern angeboten werden, hat Google gerade Android Wear als offenes Betriebssystem für Wearables angekündigt. Damit ausgestattete Geräte zeichnen Fitness-Daten auf und lassen sich per Sprache steuern, den Rest entwickelt jeder Hersteller selbst hinzu.

Mit den Tools für Entwickler lassen sich Sensoren in tragbaren, elektronischen Geräten, internetfähigen Uhren oder Kleidungsstücken verbauen. Zu den Produkten zählen Smartwatches oder Armbänder mit Sensortechnik für den Sport oder medizinische Zwecke.

Wie Google bekannt gab, sollen Unternehmen wie HTC, LG, Asus und Samsung bereits an Geräten mit Android Wear arbeiten. Zu den ersten Herstellern von Smartwatches mit Android Wear gehören LG mit seiner eckigen G Watch und Motorola mit der runden Moto 360. Beide sollen im Sommer oder zweiten Quartal marktreif sein. Genaueres über die Features oder das Innenleben ist noch nicht bekannt.

Fußballer mit Sensor

Mehr als ein flottes Armband, das mit einem Smartphone kommuniziert, planen SAP und der Deutsche Fußball Bund. Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, erläuterte die Pläne auf einer SAP-Veranstaltung während der Cebit 2014 in Hannover: Um die Analyse von Spielen zu verbessern, tragen die Spieler während der WM-Vorbereitung Sensoren unter den Stutzen.

Mit der Datenbank SAP HANA erhalten die Trainer die Bewegungsdaten ihrer Spieler in Echtzeit, darunter Laufwege und Pässe zu anderen Spielern. Nach der Auswertung lässt sich die Leistung eines Spielers objektiver bewerten und sein Training individuell anpassen. „Die Software werden wir schon bei der WM in Brasilien einsetzen“, versprach Bierhoff während der Cebit. Im Grunde nichts Neues, denn auch der Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim setzt bereits auf diese "Big Data"-Anwendung von SAP.

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