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Kommentar von Gregory Herbert, Dataiku Revolutionäre gefragt – Chief Data Officer der 2. Generation

Autor / Redakteur: Gregory Herbert / Nico Litzel

Chief Data Officer (CDO) gibt es – zumindest mit exakt diesem Titel – nicht in jedem Unternehmen. Im Gegenteil, in den wenigsten europäischen Unternehmen findet sich diese Stelle in den Organigrammen. Und doch sind Daten in den Unternehmen mittlerweile von so zentraler Bedeutung, dass die Aufgaben eines CDO erfüllt werden müssen; ob vom VP of Data, Chief Analyst Officer oder vom Geschäftsführer selbst.

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Der Autor: Gregory Herbert ist Senior VP EMEA von Dataiku
Der Autor: Gregory Herbert ist Senior VP EMEA von Dataiku
(Bild: Dataiku)

Die Rolle und der Aufgabenbereich des CDO – ganz gleich welchen Titel dieser offiziell trägt – hat sich in den letzten Jahren jedoch stark verändert. Waren sie zunächst die Pioniere, sind sie heute die Revolutionäre in den Unternehmen – und von enormer Bedeutung! Chief Data Officer der 1. Generation leisteten echte Pionierarbeit. In der Regel wurden die Stellen erst für sie neu geschaffen. Die zentralen Aufgaben des CDOs bestanden darin, Probleme aufzuzeigen, eine Datentransformation strategisch vorzubereiten, die Prozesse mithilfe von Data-Science-Plattformen zu demokratisieren und Vertrauen aufzubauen. War dies gelungen, konnte ein Umfeld geschaffen werden, in dem Daten als vertrauensvolle Basis für Entscheidungen verwendet und deren Anwendungsmodelle stetig verbessert wurden.

Neben den technischen Herausforderungen galt es für den CDO zu überzeugen: Das Vertrauen der Fachabteilungen in die jetzt zur Verfügung stehenden Daten musste ebenso gewonnen werden wie das der Unternehmensleitung. Erste Self-Service-Datenprojekte wurden zwar initiiert, insgesamt blieb der Aufgabenbereich der ersten CDO-Generation aber auf eine sehr operationale Sicht beschränkt, mit Datenprojekten rund um ein bestimmtes Thema und mit einem dedizierten Team aus Data Scientists und Data-Analysten.

Diese Grenzen gilt es heute aufzubrechen. Für den CDO der 2. Generation geht es in den Unternehmen um eine Gesamtstrategie zur umfassenden Verwaltung und Nutzung von Daten.

Auf sicherem Fundament wächst Neues

Die Funktion des CDO hat eine neue Dimension erreicht: Mit der immer rasanter steigenden Menge an Daten setzte sich die Erkenntnis durch, dass Unternehmen von der Bildfläche verschwinden werden, wenn sie Daten nicht nutzen. Längst geht es geht nicht mehr darum, sich auf vertikale Projekte und firmeninterne Daten zu beschränken. Der CDO der zweiten Generation entwickelt eine globale Datenhaltung, bereitet mit Datenprojekten richtungsweisende strategische Entscheidungen für das Unternehmen vor und baut eine Organisation, Governance und technologische Struktur zur Verwaltung transversaler Daten auf. Der neue CDO muss Datensilos aufbrechen und strukturierte oder unstrukturierte Daten gezielt mit offenen Daten anreichern. Diese Strategie erfordert es, die Daten zu operationalisieren und im großen Stil beispielsweise mithilfe von automatisierten Lerntechniken wie Machine Learning zu verarbeiten (Stichwort Industrialisierung der Daten).

Kommunikation als Schlüsselkompetenz

Die CDO der 1. Generation leisteten Vorarbeit auch in Hinblick dessen, dass viele Interessensgruppen in die Datenverwertung einbezogen werden mussten. CDOs der zweiten Generation müssen noch weiter gehen und die Unterstützung aller Mitarbeiter für Data Projekte gewinnen. Die kommunikativen Fähigkeiten der CDOs sind gefragt, wenn es darum geht, Daten zu verstehen (Entstehungskontext, Produktion usw.), aber auch die Mitarbeiter zu überzeugen, in die Strategie der Datenproduktion und -verwertung zu investieren. Gelingt es die Verantwortung für die Daten zu verteilen, entsteht ein breiteres Gefühl des Eigentums und die Anwender werden ermutigt, Daten selbst zu erforschen und sie einzuordnen. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit: Einfacher wird es für die CDO zweiter Generation nicht. Sobald Datensilos aufgebrochen und eine abgestimmte Datenstrategie über vorher getrennte Bereiche hinaus angewendet werden soll, führt das häufig zu Reibungen. Die Datenstrategien unterschiedlicher Unternehmensbereiche auszurichten, erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Eine weitere zentrale Aufgabe der zweiten CDO Generation ist es, Machine-Learning-Modelle zu fördern (d. h., die Iteration fortsetzen). Diese gewährleisten eine kontinuierliche Steigerung der Datenbreite und -qualität und ermöglichen Analysen als Basis automatisierter Entscheidungen. Einher geht damit aber auch die kontinuierliche Weiterbildung. Die eigenen Fähigkeiten zu trainieren zählt ebenso dazu, wie der Austausch mit anderen Datenexperten. Häufig stellen sich auch ethische Grundsatzfragen rund um die Datennutzung, die es auch über die Unternehmensgrenzen hinweg zu diskutieren gilt.

Den Wandel gestalten

Wir befinden uns mitten in der sogenannten „Datenrevolution“, die mit dem neuen Jahrtausend begann. Wie bei jeder Revolution gibt es auch Gegenkräfte. In manchen Unternehmen sind diese so stark, dass es nach der ersten CDO-Generation keine zweite mehr gibt. Doch auch in den Unternehmen, in denen man sich bewusst zur datengetriebenen Organisation wandeln möchten, zählen Widerstand Neuem gegenüber und fehlende Kompetenz in den Unternehmen, planvoll mit Daten umzugehen, immer noch zu den größten Herausforderungen. Führungskräfte – ganz gleich, ob sie eine Datenverantwortung tragen oder nicht – sollten ihrem Team im Hinblick auf datengestützte Entscheidungen Mut machen und ihre Weiterbildung in Hinblick auf die Datennutzung befürworten. Gleichzeitig geht es für sie darum, die eigene Führungsrolle aktiv zu gestalten. Die Herausforderungen durch die schier unvorstellbaren Datenmengen sind enorm. Mehr als 90 Prozent der Daten, die heute existieren, wurden in den vergangenen zwei Jahren produziert.

Waren es in der ersten industriellen Revolution noch Eisenbahnen, die für die Menschen bislang unvorstellbare Dinge möglich machten, sind es heute neuronale Netze und Deep Learning-Modelle. CDO und „Daten-Community“ nehmen hierin eine wesentliche Rolle zu: Es gilt, die Datenrevolution anzunehmen und weiterzutreiben. Im Sinne jedes einzelnen Unternehmens, um die wirtschaftlichen Ziele zu erfüllen, aber auch im Sinne der Allgemeinheit, um dringende Probleme der Menschheit gemeinsam zu lösen. Sozial, kulturell, politisch, ethisch und ökonomische Veränderungen – die Visionen sollten keine Grenzen kennen. Wir sind mitten im Wandel von datengetriebenen zu dateninspirierten Projekten. Der kontinuierliche Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit im Unternehmen und über die Unternehmensgrenzen hinweg, gibt den Rückenwind, den wir für die Veränderung benötigen.

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