Enterprise Ireland gibt 5 Tipps für serviceorientierte Datacenter

Rechenzentren im Mittelpunkt der IoT-Datenflut

| Autor / Redakteur: Matthew O'Byrne-White* / Ulrike Ostler

Die Organisation Enterprise Ireland kümmert sich um deutsch-irische Zusammenarbeit. Da kommen fünf Tipps von der grünen Insel, die helfen können, Rechenzentren IoT-fähig werden zu lassen, recht.
Die Organisation Enterprise Ireland kümmert sich um deutsch-irische Zusammenarbeit. Da kommen fünf Tipps von der grünen Insel, die helfen können, Rechenzentren IoT-fähig werden zu lassen, recht. (Bild: gemeinfrei: reichdernatur/Pixabay)

Es dreht sich um mehr als Kühlschränke, die eigenständig neue Einkaufslisten erstellen, oder in der Wohnung installierte Beleuchtungs- und Heizungssysteme, die sich automatisch einschalten, sobald die Bewohner auf dem Weg nach Hause sind. Connected Health, Smart Retail- oder Smart City-Projekte rufen große Begeisterung hervor und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Rechenzentren müssen diese Infos verarbeiten, doch liefern sie längst eigene.

Die wachsende Datenflut, verursacht vom Internet of Things, stellt vernetzte Maschinen und Anwendungen vor große Herausforderungen. Laut des „Global Cloud Index“ von Cisco wird sich der IP-Datenverkehr von Rechenzentren bis 2021 auf 20,6 Zettabytes ausweiten. Hyperscale-Rechenzentren sind mittlerweile schon für 39 Prozent des gesamten Dantenverkehrs aller Rechenzentren verantwortlich – und bis 2021 wird der Verkehr auf 55 Prozent anwachsen.

Wie Rechenzentren die zunehmende Datenflut bewerkstelligen können und wie stark die Auswirkungen des IoT wirklich sind, hängt vom betroffenen Datacenter (Unternehmen, Cloud, Server-Housing oder Service), der technischen Ausstattung und den Möglichkeiten beim Umgang mit unbeständigen Datenlasten ab. Zudem spielt die Positionierung des Rechenzentrums im Netzwerk eine bedeutende Rolle.

Die Triebfedern für ein Investment in Datacenter.
Die Triebfedern für ein Investment in Datacenter. (Bild: Enterprise Ireland)

Denn die Strategie, mit der die erwartete Datenflut aufgefangen werden soll, umfasst ebenso „Edge“-Geräte, die Daten nahe dem Ursprungsort managen und über Netzwerke und Knoten an Kernrechenzentren übertragen. Um diese Herausforderungen zu meistern, gilt es für Rechenzentrumsbetreiber die folgenden fünf Punkte zu beachten:

1. Datenflut kontrollieren

Mit dem Internet of Things kommen stets neue Datentypen und -mengen auf Rechenzentren zu. Um vorbereitet zu sein, gilt es Methoden zu eruieren und das Rechenzentrum neu zu strukturieren. Eine Möglichkeit ist die Cloud, die aber alleinig nicht ausreichen wird, um die Datenflut kontrollieren zu können. Zu sehr großen Video- und Bilddateien, beispielsweise von Überwachungskameras, kommen sehr kleine Log-Dateien von Umgebungssensoren.

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Da die I/O-Profile jedes Datentyps extrem variieren, muss auch die Storage-Architektur überdacht werden. Die von den Geräten gesammelten Echtzeit-Daten gilt es zu speichern, auszuwerten und zu koppeln. Das erfordert Hochgeschwindigkeitsmedien wie Solid State Disks (SSDs) und Technologien wie NVMe und 3D XPoint.

Zudem benötigen IoT-Daten für die Echtzeitanalyse niedrige Latenzen zwischen Servern und Storage. Hyperscale-Rechenzentren und hyperkonvergente Infrastrukturen können Abhilfe schaffen. Außerdem ist es ratsam, Vorgänge im Rechenzentrum vermehrt zu automatisieren und beispielsweise Server-Arbeitslasten in Echtzeit zu verschieben, um so eine bessere Ressourcenauslastung zu gewährleisten. Hierbei geht es sowohl um die Virtualisierung von Servern, Storage und Netzwerken als auch um das Zusammenspiel mit Cloud-Providern.

2. Lebenszyklus von Rechenzentren optimieren

Der Analyse und Optimierung der Infrastruktur kommt besondere Bedeutung zu, da Unternehmen durch sie den Lebenszyklus ihrer Rechenzentren kontrollieren und optimieren wollen. Den Anfang bilden umfassende Kosten-/Nutzen-Evaluierungen, die Stromversorgung, Kühlsysteme und zugehörige Untersysteme einschließen, die der vermehrten Datenmenge angepasst und neuen Bestimmungen gerecht werden müssen.

So ist eine Steuerungslogik vonnöten, die dafür sorgt, dass das System gegebenenfalls auf unterbrechungsfreie Stromversorgung umschaltet. Diese Systeme überwachen den Stromverbrauch, erfassen Unregelmäßigkeiten bei der Stromversorgung und speichern mit Zeitstempeln versehene Daten zu Strom- sowie Geräteausfällen, die Wartungsteams dabei helfen, ein erneutes Auftreten dieser Probleme zu verhindern. Hinzukommen Datenkabel, Racks, physische Strukturen, Facility Management-Systeme, Netzwerke und Infrastrukturen sowie Sicherheits- und Brandschutzsysteme.

Ein denkbares IoT-Konzept ist das so genannte Software Defined Datacenter; denn es lässt sich schnell skalieren, ist flexibel und anpassungsfähig.

Sinnvoll sind zudem offene Standards: Standardisierte Abläufe garantieren vereinfachten Komponentenaustausch und Upgrades.

Tatsächlich kann ein Rechenzentrum bereits in der Bauphase zukunftssicher gemacht werden. Das irische Unternehmen E&I Engineering Ltd. und der deutsche Partner Nobaduct GmbH sorgen gemeinsam dafür, den Lebenszyklus von Rechenzentren deutlich zu verlängern.

Philip O’Doherty, Managing Director bei E+I Engineering, sagt: „Der Einsatz von elektrischen Stromschienensystemen optimiert den Lebenszyklus eines Rechenzentrums, denn diese Systeme können im Rahmen ihrer Leistungsgrenzen erweitert, angepasst und umgebaut werden. Das erleichtert die infrastrukturelle Anpassung von Rechenzentren. Gleichzeitig bleiben Rechenzentrumsbetreiber immer auf dem neuesten Stand. Diese Bauweise schont Ressourcen und ist wesentlich nachhaltiger als klassische Verkabelungslösungen in Rechenzentren.“

3. Datenexperten rekruitieren

Obwohl IT und Facility in einem Rechenzentrum zwingend zusammengehören, haben sich bislang getrennte Berufsgruppen darum gekümmert. So standen – paradox genug - bei den Rechenzentrumsinfrastrukturteams bislang nur Gebäude-Unterhalt und Technikbetrieb im Fokus. Durch das IoT werden in diesem Umfeld des Rechenzentrums nun vermehrt Datenexperten und Analysten sowie Cloud-Spezialisten benötigt.

Hinzukommen Experten, die sich mit virtualisierten und Hybridumgebungen, Cyber-Sicherheit sowie Netzwerktechnik auskennen. Da sich immer mehr Unternehmen eine Zuordnung und Analyse der im IoT gesammelten Informationen wünschen, um beispielsweise mehr über Anwender- und Kundenverhalten zu erfahren, suchen sie Analysen für Marketing, Finanzen und Geschäftsführung.

4. Strategie implementieren

Wer die effektive Bereitstellung von IoT-Datenanalysen plant, ist gut beraten, auf mehrere koordinierte Strategieansätze zu setzen: Business Intelligence (BI), Business Analytics und Big Data, beziehungsweise Daten aus dem Internet der Dinge. Im Rechenzentrum rückt immer mehr die Definition von Parametern in den Vordergrund, die darüber entscheiden, welche der über die zahlreichen Sensoren erfassten Daten nützlich sind.

Hierbei ist zu beachten, dass ein „Edge“-Netzwerkgerät weniger als ein Tausendstel Prozent der von ihm gesammelten Daten als sinnvoll einstuft. Bestenfalls erfolgt eine erste Aufbereitung der Daten bereits in den Endgeräten. Die Service-orientierte Rechenzentrumsbranche gewinnt im Zusammenhang mit dem IoT zunehmend an Bedeutung.

5. Sicherheitstechniken integrieren

Der Bereitstellungsprozess erfordert die Datenerfassung mithilfe von Sensoren, sowie leistungsstarke Technologie für das Management und die Weiterleitung dieser Daten, RFID-Tags, eingebettete Systemtechnologie zur Lenkung der Datenströme, Analysemethoden für die IoT-Daten und Prozesse für datengestützte Entscheidungen durch Mitarbeiter oder Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen oder kognitive Lösungen. Durch die Integration des Internets der Dinge in Management- und Betriebsfunktionen von Rechenzentren werden außerdem zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich.

Denn Cyber-Angriffe können aufgrund der vielen vernetzten Geräte die gesamte IT-Infrastruktur gefährden. Datenabsicherung und Verschlüsselung sind daher essentiell, aktuelle und künftige Assets, Bedrohungen und Schutzziele müssen bedacht und abgedeckt sein.

Die Organisation der irischen Regierung zur Wirtschaftsförderung, Enterprise Ireland, hat ein Whitepaper zum IoT-fähigen Rechenzentrum erstellt.
Die Organisation der irischen Regierung zur Wirtschaftsförderung, Enterprise Ireland, hat ein Whitepaper zum IoT-fähigen Rechenzentrum erstellt. (Bild: Enterprise Ireland)

Die Grenzen von Rechenzentren verschwinden immer mehr logische Datacenter entstehen. Sie können entweder aus mehreren, miteinander vernetzten Rechenzentren bestehen, oder auch öffentliche Cloud-Dienste miteinbeziehen. Zu den zahlreichen Möglichkeiten gehören die Bereitstellung von IoT-Funktionen in Betriebsabläufen, Kundenanalyse und -management, Geschäftsentwicklung, Infrastrukturnutzung, Virtualisierung sowie Kapazitäts- und Systemplanung.

Damit dies gelingt, müssen die Geschäftsziele im Vorfeld klar definiert und festgelegt werden. Zudem zählen Daten heute zu den wichtigsten Unternehmensgütern. Mit dem Umfang der Datensätze wachsen jedoch auch Größe und Komplexität der Rechenzentren. Deutschland ist mittlerweile der drittgrößte Markt für Datenzentren – für das kommende Jahr wird erneut ein starkes Wachstum erwartet.

Welche technischen und infrastrukturellen Veränderungen „Hyperscale“-Zentren fordern und welche Herausforderungen in der Ära der digitalen Transformation und des Edge Computing berücksichtigt werden müssen, stellt das Whitepaper „The Future Data Center“ von Enterprise Ireland vor.

* Matthew O'Byrne-White ist Market Adviser für den High-Tech-Bau in Deutschland bei Enterprise Ireland (siehe: Kasten)

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