Laut Analytics-Studie von IBM sind schnelle Ergebnisse gefragt

Raus aus den Startlöchern!

| Autor / Redakteur: Christian Kirschniak / Nico Litzel

Der Autor: Christian Kirschniak ist Leiter des Bereichs Big Data & Analytics in Europa der Unternehmensberatung von IBM
Der Autor: Christian Kirschniak ist Leiter des Bereichs Big Data & Analytics in Europa der Unternehmensberatung von IBM (Bild: IBM)

Die Erkenntnis ist da, doch es hapert an der Umsetzung: Die neueste IBM-Analytics-Studie zeigt, dass rund drei Viertel der europäischen Unternehmen zwar die wachsende Bedeutung und den zunehmenden Bedarf von Big-Data-Analysen erkennen, das Potenzial aber noch zu wenig ausschöpfen. Schärfer formuliert: Das Thema kommt nicht aus den Startlöchern.

Das liegt vor allem an fehlenden IT-Infrastrukturen und übergreifenden Big-Data-Konzepten. Nur rund ein Fünftel der befragten Betriebe verfügen beispielsweise über entsprechende Plattformen, die eine Verarbeitung von echten Big-Data-Anwendungen möglich machen. Und nur eines von zehn Unternehmen bringt die technischen Voraussetzungen mit, damit schnelle Datenanalysen aus internen wie externen Quellen tatsächlich durchgeführt werden können. Zudem sollte ein gut funktionierendes integriertes Data Warehouse eigentlich zum Standard in den Unternehmen gehören, um operative Business-Intelligence-Anforderungen abdecken zu können. Nach unserer Studie fehlt in Deutschland diese Basis jedoch bei über der Hälfte der Unternehmen.

Ein weiteres Indiz ist darüber hinaus der im globalen Vergleich unterdurchschnittliche, weltweit gleichzeitig stetig wachsende Return on Investment von einmal angestoßenen Analyse-Projekten – ein Indiz für deren schlechte Vorbereitung beziehungsweise die noch unzureichende Ausstattung der Unternehmen. Denn neben den in der Studie festgestellten Mängeln fehlen darüber hinaus oft auch die Expertise sowie die organisatorischen Voraussetzungen.

Schnellere Auswertung

Es besteht also Handlungsbedarf. Denn gleichzeitig setzt sich bei den befragten Führungskräften die Erkenntnis durch, dass sich vor allem kurzfristig verfügbare Big-Data-Analysen positiv auf das Geschäft auswirken. Schnelle Ergebnisse mit Mehrwert müssen also her. Daher wird eine möglichst rasche Auswertung von Rohdaten zur treibenden Kraft für den Einsatz in den Unternehmen. Die Studie zeigt hier gegenüber 2013 eine eindeutige Verlagerung der Interessen: Nicht mehr die Beherrschung des Datenvolumens und der Datenvielfalt stehen im Mittelpunkt, sondern Fragen der Datenverarbeitungsgeschwindigkeit und der Datenqualität.

Kundenorientierung und Prozess-Steuerung

Kontinuität indessen herrscht bei den Zielen: Wie in den letzten Jahren auch war die zunehmende Kundenorientierung eines der wichtigsten Ziele für den Einzug von Big Data in den Unternehmen. Über die Hälfte der befragten Führungskräfte wollen auf Basis neuer Erkenntnisse und dem Einsatz intelligenter Technologien die Beziehungen zu ihren Kunden ausbauen, mehr Kunden gewinnen sowie das Kundenerlebnis verbessern.

Neu indessen ist auch der stärkere und ständig zunehmende Fokus auf die Optimierung der operativen Prozesse. Weltweit werden Big-Data-Analysen damit nicht mehr nur für Fragen des betriebswirtschaftlich-strategischen Managements genutzt, sondern auch zur Steuerung von industriellen Produktions- und Wertschöpfungsprozessen, wie etwa Qualitätssicherung und Wartung – zentrale Maßnahmen auch im Kontext von Industrie-4.0-Konzepten. Darüber hinaus werden klassische Business-Intelligence- und Data-Warehouse-Lösungen zunehmend um Big-Data-Technologien ergänzt oder von ihnen sogar komplett ersetzt.

Front Runners

Die Studie hat sich darüber hinaus damit beschäftigt, was die Besten, das heißt, die Vorreiter des Einsatzes analytischer Instrumente, vom Rest unterscheidet. Diese kleine Gruppe von Unternehmen, die sogenannten Front Runners, machen in Europa rund elf Prozent der untersuchten Stichprobe aus. Sie nutzen Big-Data-Analysen bereits intensiv, verfügen über moderne IT-Architekturen sowie integrierte Daten-Infrastrukturen. Und sie sind in der Lage, Analytics in unterschiedlichen Unternehmensbereichen einzusetzen.

Front Runners sammeln und analysieren außerdem ein wesentlich größeres Spektrum an unterschiedlichen Daten und arbeiten sehr viel häufiger mit Diagnose- und Prognose-Tools. Zudem nutzen sie überdurchschnittlich oft Visualisierungstechniken zur Vorbereitung von Entscheidungen und Aktionen. Das scheint sich auszuzahlen: Fast 70 Prozent bestätigen, dass sich der Einsatz intelligenter Analyse-Instrumente positiv auf das Geschäftsergebnis auswirkt, auch Umsatz und Wettbewerbsfähigkeit steigen laut einer Mehrzahl der Befragten. Hieraus ergibt sich ein deutlicher Zugewinn im Vergleich zu den anderen, weniger aktiven Gruppen.

Fazit

Big Data Analytics ist eindeutig den Kinderschuhen entwachsen, die Ergebnisse sprechen für sich. Unternehmen tun sich dennoch oft schwer mit der Umsetzung, weil die Voraussetzungen in vielen Fällen noch nicht stimmen. Zudem geht es immer weniger nur um das Sammeln von Daten, sondern vielmehr um deren Qualität, die Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie eine gezielte Nutzung. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, dann besteht die berechtigte Hoffnung, erfolgreicher zu agieren als der Wettbewerb.

Für die Studie mit dem Titel „Analytics: The Speed Advantage – Why data-driven organizations are winning in today's marketplace“ wurden zwischen Juli und August 2014 mehr als 1.000 Business- und IT-Führungskräfte sowie Analysten aus insgesamt 67 Ländern online befragt.

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