15.11.2022

Self-Service BI ist Realität im Fachbereich – oder?

Nur wer aus Daten die richtigen Informationen ziehen kann, kann auch die richtigen Entscheidungen treffen. Und dafür braucht es in Unternehmen oft nicht mal mehr die IT-Abteilung als helfende Hand – dank Self-Service BI (SSBI). Denn die unter dieser Rubrik laufenden, stark End-User-orientierten BI-Frontend-Tools versetzen Fachabteilungen in die Lage, Daten einfach selbstständig auszuwerten. Bleibt die Frage: Nutzen diese die Möglichkeit auch?

Nur wer über eine professionelle BI-Lösung verfügt, kann in Zeiten von Globalisierung, vernetzten Wertschöpfungsketten oder den Herausforderungen der Finanz- und Corona-Krisen aus Daten zügig Informationen generieren und im Business überleben. Außerdem sollten dies auch die Fachabteilungen in den Unternehmen schnell, effizient und ohne Hilfe der IT-Abteilung erledigen können. Software-Hersteller haben auf diese Anforderungen reagiert und erfüllen mit SSBI-Angeboten genau diesen Wunsch. In diesem Sinne bieten die unter dieser Rubrik positionierten BI-Frontend-Tools ein besonders bedienerfreundliches Frontend und alle notwendigen Funktionen, um in Eigenregie einfache Datenmanagementaufgaben zu erledigen – also Datenquellen zu verbinden, lokale Daten aus Excel-Dokumenten direkt im Visualisierungstool zu integrieren oder auch Quellen aus dem Internet hinzuzuziehen. Dank SSBI geht das nicht nur schnell, sondern auch ganz nach den individuellen Bedarfen und Wünschen. Zudem mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Abstimmungsprozesse deutlich weniger komplex werden und man die Resultate unmittelbar publizieren kann.

Doch auch für SSBI gilt: Das wirklich Komplexe, wie bei allen anderen BI-Lösungen auch, ist am Ende des Tages nicht die Gestaltung der Berichte und Dashboards im Visualisierungstool. Die größere Herausforderung liegt in der Aufbereitung von aussagekräftigen und wahrheitsgetreuen Datenräumen als Basis für die Visualisierungen. Und genau hier warten teilweise sehr vielschichtige Datenmanagementaufgaben. Bei deren Umsetzung schlägt dann wiederum die große Stunde von professionellen Datenbanken für Enterprise Data Warehouses, Data Lakes und Lakehouses mit ihren zahlreichen Spezialfunktionen. Datentransformation, dauerhaftes Monitoring der Datenqualität, automatisierte Abläufe beim Laden der Daten in den großen Datenspeicher – alles kein Problem. Knifflig wird es jedoch, wenn gewachsene individuelle Reporting-Inseln integriert werden sollen. Oder die Inhalte harmonisiert. Dafür braucht es nicht nur Technologie-Know-how, sondern auch Zeit, um die Inhalte abzustimmen und ihre Ausrichtung einzuplanen.

Was SSBI alles kann und dass sie aus modernen Datenplattformen nicht mehr wegzudenken ist, wissen die Fachabteilungen mittlerweile. Entsprechend fleißig nutzen sie die Funktionen auch. Bestehende Berichte werden konsumiert, kommentiert und geändert, neue Berichte und Dashboards eigenständig aufgebaut. Weil die Fachanwender dies alles können, beschäftigen sie sich in ihrem Arbeitsalltag natürlich auch mit dem Thema SSBI – die einen nur bei einzelnen Aufgaben, die anderen auch tages- und wochenfüllend je nach Tätigkeit. Dies bestätigt auch die aktuelle Studie von the factlights, dem Research Brand des Data & Analytics Expertenhauses QUNIS: 50 Prozent der Befragten beschäftigen sich bereits heute an mehr als zwei Tagen pro Woche mit SSBI. Durchschnittlich basieren 43 Prozent der im Fachbereich genutzten Berichte auf SSBI.

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch immer Schatten. Dies gilt genauso für SSBI. Deren komplettes Potenzial wird vielerorts leider noch nicht in Gänze verstanden und damit auch nicht vollumfänglich „gehoben“. Typische Beispiele sind vor allem komplexere Themen, die Analyse von Rohdaten zum Beispiel. So werden auch die größten Herausforderungen für SSBI in den Themen des Datenmanagements gesehen. 46 Prozent der the factlights-Umfrageteilnehmer gaben an, es fehle an Datenmanagement-Know-how im Fachbereich, 42 Prozent identifizieren die größten Herausforderungen in der schlechten Datenqualität, 41 Prozent sehen in hohen Governance-Anforderungen rund um die Themen Datenzugriff und Datensicherheit den Grund und 39 Prozent sagen, es fehle schlichtweg an Standards bei der Datenaufbereitung. Gerade in diesem Zusammenhang kann man eine weitere Erkenntnis der Studie als äußerst spannend ansehen: Diese besagt, die Ära des Data Warehouse als Träger der Trusted Data und damit als Single Point of Truth (SPOT) dauere trotz steigender Verbreitung von SSBI weiter an. In Bezug auf SSBI lässt sich zudem festhalten: BI-Initiativen können nur dann ganzheitlich gewinnen, wenn man die SSBI-Funktionen nicht als eigenständiges Werkzeug sieht, sondern als Speedbooster bzw. Ergänzung zum Enterprise Data Warehouse oder Data Lake. Im Zusammenspiel lassen sich dabei vor allem drei verschiedene Architekturvarianten erkennen und werden je nach Reifegrad präferiert.

Diese und weitere Erkenntnisse rund um den Einsatz und das Verständnis von Self Service BI hält die Gesamtstudie bereit. Sie steht kostenfrei unter studien.qunis.de/ssbi zum Download zur Verfügung. Neben einer detaillierteren Beschreibung der Architektur-Varianten für SSBI und Data Warehouses im Zusammenspiel sind zahlreiche Detailanalysen, umfassendes Text- und Grafikmaterial sowie eine Extra Note zu den sich neuformierenden Rollen im Fachbereich und Kurz-Steckbriefe zu den Frontend-Tools Microsoft Power BI und der SAP Data Warehouse Cloud (SAC) enthalten.


Autorin

Annefried Simoneit ist Senior Customer Success Expert bei der QUNIS GmbH. Zu ihren fachlichen Schwerpunkten gehören die Strategie- und Organisationsentwicklung für Data & Analytics-Initiativen, das Thema Data Governance für den Data Lake sowie die Begleitung von Softwareauswahlprojekten für Frontend, Planung und Backend. Darüber hinaus leitet sie die Studienprojekte von „the factlights“ und gehört zum Autorenteam der Erhebungen.

Über the factlights

Unter dem Research-Brand the factlights führt QUNIS regelmäßig Studien und Markterhebungen zu verschiedenen Themen rund um Digitalisierung, Analytics und Datenarbeit durch. Im Mittelpunkt des Interesses stehen sowohl die Betrachtung von Status, Reifegrad und Einsatz als auch Aspekte der organisatorischen Verankerung und der eingesetzten Technologie. Neben der Erhebung von Herausforderungen, Chancen und Möglichkeiten sowie von Erfolgsfaktoren und Treibern werden Best Practices und Erfahrungswerte analysiert und mit Empfehlungen aus der Praxis ergänzt.

Wie es ganz aktuell um das Thema SSBI in den Unternehmen im deutschsprachigen Raum bestellt ist, wurde von the factlights vom November 2021 bis Januar 2022 ermittelt. An der Online-Studie „Self-Service BI, Agilität für den Fachbereich“ hatten sich über 100 Unternehmen aller Branchen und mit Jahresumsätzen von bis 50 Millionen Euro bis hin zu über 1 Milliarde Euro beteiligt. Mitarbeiter und Leiter der Fachbereiche beantworteten Fragen zum derzeitigen Stellenwert von SSBI in ihren Fachbereichen. Außerdem gewährten sie Einblicke zu ihren bisherigen Erfahrungen damit und zum konkreten Zusammenspiel mit der Enterprise BI und zu ihrer Fachbereichsorganisation. Weitere Punkte waren Strategie, Auswahl, Einsatz und Zufriedenheit mit den genutzten Frontend-Tools.