Kommentar von Jan Wolter, Applause

Qualitäts-Checks für das Internet of Things

| Autor / Redakteur: Jan Wolter / Nico Litzel

Der Autor: Jan Wolter ist Vice President und Geschäftsführer Europa bei Applause
Der Autor: Jan Wolter ist Vice President und Geschäftsführer Europa bei Applause (Bild: Applause)

Mit dem Aufkommen neuer IoT-Geräte und -Programme sind auf Entwicklerseite neue Herausforderungen im Bereich der Qualitätssicherung entstanden. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Technologie sind vielfältig – entsprechend wird ihr schon heute enormes Potenzial zugeschrieben. Für den Erfolg ist jedoch nicht nur ein breites Anwendungsfeld entscheidend, sondern eben auch eine fehlerfreie User Experience. Diese ist schon lange kein Nice-to-have mehr, sondern unumgänglich, wenn Nutzer erfolgreich abgeholt werden sollen

Konsistente und fehlerfreie Nutzererfahrungen sind wichtiger denn je, denn egal wie nützlich die Anwendung ursprünglich gedacht war – funktioniert sie in der Praxis nicht wie vorgesehen, ist die Frustration auf Nutzerseite groß. Damit die Qualität digitaler Produkte mit den rasanten Veränderungen Schritt halten kann, bedarf es deshalb zeitgemäßer Testmethoden und Technologien.

IoT benötigt einen umfassenden Testing-Ansatz

Moderne IoT-Systeme sind komplex. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte, Apps und Daten, die alle unterschiedliche Anforderungen aufweisen. Zwar lässt sich vieles aus der Mobile-Testwelt übertragen. Sich auf einen einzigen Testansatz zu verlassen, hat jedoch häufig übersehene Bugs und unzureichende Qualität zur Folge. Gutes Testing erfordert einen umfassenden Ansatz. Doch die Vielzahl an Schnittstellen, die ständige Kommunikation und Erreichbarkeit der Geräte sowie die geforderte Reaktionsschnelligkeit rufen neue Anforderungen auf den Plan und erfordern daher besondere Strategien und neue Tools. Natürlich dürfen die Themen Sicherheit, Datenschutz und Zuverlässigkeit im Zusammenhang mit der Qualitätssicherung nicht außer Acht gelassen werden. Diese Faktoren führen dazu, dass die Bedeutung umfassender Tests von IoT-Produkten auf Funktionalität in Zukunft weiter zunimmt.

Neue Geräte wecken neue Ansprüche

Das rasante Wachstum des Wearable-Marktes hat zu einem Anstieg entsprechender Geräte geführt. Fitnesstracker, tragbare Kameras, Smartwatches, Geräte zum GPS-Tracking oder smarte Bekleidung machen die digitale Welt zum Teil des Alltags und den Menschen zu einem Teil des IoT-Ökosystems. Herausfordernd ist zudem, dass die digitalen Produkte in unzuverlässigen Umgebungen eingesetzt werden. Erforderliche Testmethoden müssen diese Bedingungen jedoch möglichst realitätsnah abbilden können. Daher gilt mehr denn je, dass Anbieter digitaler Produkten ihre Lösungen konsequent aus Nutzersicht entwickeln müssen. Kurze Ladezeiten beim Browsen im Internet stellen aus Nutzersicht in der Regel kein Problem dar. Beim Öffnen und Schließen eines smarten Türschlosses sieht die Sache anders aus: Verzögerungen von wenigen Sekunden empfinden die Anwender bereits als störend. Sie verlangen schnelle Reaktionszeiten bei intuitiver Bedienung – und das von Beginn an.

Gerätevielfalt mit explorativen Tests erkunden

Wie wird also sichergestellt, dass Smartwatches oder Fitnesstracker ebenso gut bei extremer Hitze oder Kälte, im Wald wie in der Stadt funktionieren? Werden die Daten zu jeder Zeit korrekt zwischen dem Wearable-Gerät und der dazugehörigen App sowie dem Webportal übermittelt – wie verhält sich das Gerät im Ausland? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen IoT-Produkte in diesen Umgebungen, das heißt, unter realen Bedingungen, getestet werden. Ein Großteil der Fehler wird oft erst durch die Nutzung des Kunden entdeckt. Um dem vorzubeugen, sollten die Produkte nicht im Labor getestet werden, sondern von echten Personen, auf echten Geräten und in Alltagssituationen. Hier bietet sich exploratives Testing an, das immer dann eingesetzt wird, wenn nicht klar ist, was getestet werden muss. Im Grunde dient die Methode dem gleichzeitigen Erlernen von Produktfunktionen, der Erstellung von Testfällen und der Testdurchführung.

Effizienz mit automatisierten Tests steigern

Die Ergebnisse des explorativen Testings sollten, sofern möglich, durch automatisierte Testfälle ergänzt werden. Durch Testautomatisierung kann der Entwicklungsprozess eines Softwareproduktes drastisch verbessert werden. Automatisierte Tests sind schnell und oft wiederholbar und daher besonders für Regressionstest bei Softwareprodukten mit regelmäßigen Updates kosteneffizient. Vor allem in agilen Entwicklungsprozessen ist es sinnvoll, auf eine gute Kombination von automatisierten Tests und explorativen Tests zu setzen. Nur so wird sichergestellt, dass die Anwendungen auch in den Händen der User bestehen können. Die Ergebnisse reflektieren die tatsächliche oder mögliche Nutzererfahrung wesentlich besser, als dies durch Testversuche durch In-House-Tester möglich ist. Hinzu kommt, dass es zahlreiche IoT-Geräte und Anwendungen gibt, die nicht vom gleichen Anbieter stammen und es schlicht unmöglich ist, diese Vielfalt im Labor nachzustellen.

Mit datensicheren Produkten überzeugen

Eine Umfrage von Cisco aus dem Jahr 2017 zum Verhältnis der Verbraucher zum Internet of Things fördert ein Paradoxon zu Tage: Zwar wollen kaum noch Menschen auf die Vorzüge vernetzter Geräte verzichten, Vertrauen zu der Technologie haben sie aber auch noch nicht gefasst. Ebenso wichtig wie die Funktionalität (z. B. die intuitive Bedienung) ist folglich der Sicherheitsaspekt digitaler Produkte. Die Anforderungen sind bei der Entwicklung von Geräten und Anwendungen für das Internet of Things hoch – geht es doch oft um hochsensible Daten. Kundeninformationen zu sichern und zu schützen hat deshalb auch im Zeitalter des IoT oberste Priorität und wird ein entscheidender Faktor für den Erfolg der neuen Technologie sein. Unternehmen sollten bereits bei der Entwicklung ihrer Geräte an Sicherheitsfunktionen denken und in das Design integrieren.

Doch die Erfahrung zeigt: Leider werden ständig neue Schwachstellen entdeckt. Das bedeutet im Klartext: Die Sicherheit kann mit dem technischen Fortschritt kaum Schritt halten. Deshalb ist es wichtig, dass regelmäßig erfahrene Sicherheitsexperten Security Assessments für die eigenen Anwendungen durchführen. Die Entwickler-Teams machen die Geräte sicherer und erhöhen gleichzeitig die Akzeptanz für IoT – sowohl im privaten Bereich als auch B2B-Umfeld. Dies gilt besonders in kritischen Branchen wie der Medizintechnik, der Luftfahrt oder dem Verkehrswesen.

Strukturierte Tests ermöglichen optimale Ergebnisse

Um künftig erfolgreiche IoT-Dienste anbieten zu können, müssen Unternehmen nahe am Anwender testen. Nur eine sinnvolle Kombination aus explorativen Tests in realer Umgebung (z. B. durch Crowdtester) und einer flexiblen Automatisierungsstrategie kann die Komplexität der neuen digitalen Produkte abdecken. Menschlicher Scharfsinn und Kreativität sind nötig, um sowohl oberflächliche als auch tief gehende Fehler zu finden, die vorab nicht im Testlabor planbar sind. Mit strukturiertem Testdesign müssen die neuen Angebote zudem so funktional wie möglich gemacht werden und somit passende Antworten auf die hohen Erwartungen der User liefern.

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