KMU und digitale Zukunft Mittelständler – durch KI zum digitalen Hidden Champion

Autor / Redakteur: Dipl. Betriebswirt Otto Geißler / Nico Litzel

Insbesondere für den Mittelstand eröffnen sich mit dem Einsatz von KI-Technologien große Chancen: intelligente Gestaltung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, völlig neue Geschäftsmodelle und als Hidden Champion von enormen Effizienzsteigerungen profitieren. Welche Herausforderungen und Barrieren sind zu überwinden?

Firmen zum Thema

Das wirtschaftliche Potenzial der KI ist beeindruckend: Während von der Dampfmaschine als Motor der industriellen Revolution nur ein Wachstumseffekt von 0,3 Prozent des BIP ausging, soll der KI-Markt in Deutschland gemäß dem „AI Impact Index“ ein jährliches KI-induziertes Wachstum von 1,3 Prozent erzielen.
Das wirtschaftliche Potenzial der KI ist beeindruckend: Während von der Dampfmaschine als Motor der industriellen Revolution nur ein Wachstumseffekt von 0,3 Prozent des BIP ausging, soll der KI-Markt in Deutschland gemäß dem „AI Impact Index“ ein jährliches KI-induziertes Wachstum von 1,3 Prozent erzielen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der deutsche Mittelstand kennt so manches Unternehmen, das in einer Nische als Marktführer oder sogenannter „Hidden Champion“ weltweites Ansehen genießt - wobei es in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung tritt. Warum ist das so? Diese Unternehmen verfügen über einen ganz spezifischen Wettbewerbsvorteil, der sie von anderen Unternehmen deutlich differenziert und daher ihre Geschäftstätigkeit wesentlich erleichtert. Mit dem Einsatz von digitalisierten bzw. KI-basierten Lösungen ist das für einen innovativen Mittelständler entlang der gesamten Wertschöpfungskette möglich.

Zeichen erkannt, jetzt Chancen nutzen!

Eine Reihe bereits fortgeschrittener KI-Lösungen bietet jede Menge Potenzial für mittelständische Unternehmen, die nur genutzt werden müssten. Dabei verwendet jedoch nur jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) derzeit Lösungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) im Kontext der Digitalisierung.

Dies ist unter anderem das Ergebnis einer repräsentativen Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie im Auftrag des Bitkom, für die 552 Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern von Mitte Februar bis Anfang April 2020 befragt wurden. Nicht verwunderlich ist daran, dass größere Unternehmen ab 500 Mitarbeitern mit 23 Prozent deutlich häufiger auf KI setzen als kleinere Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern (9 Prozent) oder 200 bis 499 Mitarbeitern (11 Prozent).

Verschläft dann der deutsche Mittelstand seine digitale Zukunft im großen Reigen der globalisierten Märkte? Nein, überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Beispielsweise der „Digitalisierungsindex Mittelstand“ zeigt an, dass die Zeichen der Zeit durchaus erkannt wurden und sich der Digitalisierungsgrad mittelständischer Unternehmen stetig im Ansteigen begriffen ist.

So hat demnach jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) die Digitalisierung inzwischen als strategisches Projekt verstanden. Verglichen mit dem vorhergehenden Jahr ermittelte die vierte Auflage der „Benchmarkstudie“ für das Jahr 2020 einen deutlichen Sprung um sechs Prozentpunkte. Die Studie fand ebenfalls heraus, dass die Unternehmen vor allem die Themen Verbesserung der Kundenbeziehungen, Datenschutz und Datensicherheit angehen möchten.

Herausforderungen und größte Chancen

Mögliche Anwendungsbereiche für KI existieren im Mittelstand zuhauf. Die Künstliche Intelligenz kann Unternehmen unter anderem dabei unterstützen, Kontexte und Zusammenhänge besser zu verstehen, daraus Erkenntnisse zu ziehen als auch Routineaufgaben zu automatisieren, Prozesse zu optimieren und völlig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Für einen Mittelständler ist das entlang der gesamten Wertschöpfungskette umsetzbar. Doch hier stehen diese Unternehmen oftmals gleichzeitig vor einer Reihe existenzkritischen Herausforderungen.

- KI-Strategie formulieren: Vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen (KMU) zögern gerne, wenn es darum geht, neue Technologien zu implementieren. Oftmals hilft es für die Erarbeitung einer KI-Strategie, sie erstmal versuchen zu verstehen und mögliche Chancen für das Unternehmen zu erkennen: Welche Use Cases auf Produkt- oder Prozessseite sind möglich? Welche Daten sind dafür zu nutzen?

- Kultureller Aspekt von KI: Mittelständler müssen für KI-Projekte lernen, mit externen Spezialisten und Partnern zusammenzuarbeiten und den Mut aufzubringen, ihr wertvolles Wissen zu teilen. Es muss nicht alles selbst erfunden werden! Oftmals kommen Unternehmen über einen offenen, aber partnerschaftlich vertraulichen Austausch schneller und besser zum Ziel.

Darüber hinaus müssen Führungskräfte aller Ebenen die Bereitschaft teilen, Innovation und damit Veränderungen zuzulassen. Das heißt, es muss eine Art Rahmen geben, die den Menschen den nötigen Freiraum zugesteht.

- Hohe Kosten und mangelnde Ressourcen: Diese beiden Kriterien sind häufig die entscheidenden KO-Kriterien. Denn für die Implementierung von KI-Projekten sind umfangreichere Rechenressourcen oder teure, selbstentwickelte Plattformen erforderlich. Doch das muss nicht sein. Es lohnt sich daher immer ein vergleichender Blick auf KI-Plattformen wie die von Cloud-Anbietern.

Dort werden leistungsfähige und skalierbare KI-Lösungen „KI as a Service“ angeboten, ohne dass das Unternehmen eigene Investitionen in großem Umfängen tätigen oder über fundiertes KI-Know-how verfügen müssen. Die gute Nachricht: Experten zufolge amortisiert sich der überwiegende Teil der KI-Projekte bereits in weniger als zwei Jahren.

- Fehlendes Personal und Know-how:

Während Großunternehmen häufig große Abteilungen zur Verfügung stehen, sind Mittelständler oftmals nicht in der Lage, Digitalisierungs- und KI-Projekte aus eigenen Kräften aufzusetzen und voranzutreiben. Es fehlen im Unternehmen die die Experten und damit das Know-how. Natürlich sind auch größere Unternehmen und Konzerne vom allseits grassierenden Fachkräftemangel im IT-Bereich betroffen, jedoch leiden KMU deutlich mehr darunter.

Zur Überwindung des bestehenden KI-Fachkräftemangels bieten sich vor allem staatliche Initiativen an, z. B. in Form von Weiterbildungsangeboten. Das im Rahmen der nationalen KI-Strategie entstandene Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

- Menschen mitnehmen: Die Künstliche Intelligenz verändert mit der Digitalisierung unsere Welt als auch gewohnte Umgebung. Und dies geht rasant schnell. Das erzeugt bei den Mitarbeitern Ängste vor einem Arbeitsplatzverlust oder Unsicherheiten, die durch die drohenden Veränderungen ausgelöst werden. Da ist es angezeigt, die Mitarbeiter aufzuklären, weiterzubilden und durch die Zeiten des Wandels mitzunehmen.

- Nutzen der Daten erkennen: Eine entscheidende Grundvoraussetzung für den Erfolg von KI-basierten Lösungen ist die Verfügbarkeit einer für den Anwendungsbereich relevante und solide Datenbasis. Der Clou steckt meist darin, die vorhandenen Daten effektiv zu nutzen und zielführend auszuwerten.

Fazit

Die produzierenden und verarbeitenden Unternehmen fungieren in der deutschen Wirtschaft als eine Art Herz- und Lungenmaschine. Gleichzeitig bündeln sie ein gewaltiges Potenzial für die Anforderungen der Digitalisierung. Viele Unternehmen haben sich bereits in Richtung Industrie 4.0 auf den Weg gemacht, allen voran die großen Unternehmen. Damit auch der Mittelstand den Anschluss an die digitale Weltspitze nicht verliert, muss der Transfer von KI in die Unternehmen verstärkt werden. Das Wettrennen hat bereits begonnen und den schnellsten und innovativsten Unternehmen ihrer Nischen winkt der Titel des Hidden Champions.

(ID:47059366)

Über den Autor