Kommentar von Dirk Häußermann, Informatica

Mit Big Data in den Kampf gegen Ebola

| Autor / Redakteur: Dirk Häußermann / Nico Litzel

Der Autor: Dirk Häußermann ist Geschäftsführer EMEA Central bei Informatica
Der Autor: Dirk Häußermann ist Geschäftsführer EMEA Central bei Informatica (Bild: Informatica)

Der Ausbruch des Ebola-Virus in Westafrika hat bereits über 4.000 Todesopfer gefordert und vereinzelt sogar die Grenzen nach Europa und in die USA überschritten. Krisenteams, Krankenhäuser und NGOs versuchen mit Hochdruck, das Virus einzudämmen. Könnten Big-Data-Analysen dabei helfen? Ja, denken immer mehr Datenforscher.

Die WHO hat eine Roadmap zur Bekämpfung der Seuche veröffentlicht. Ein zentraler Punkt dieses Plans ist, auf einen neuen Krankheitsausbruch schnell und umfassend zu reagieren. Hier können Big Data wichtige Anhaltspunkte liefern.

Nach dem Choleraausbruch im Anschluss an das vernichtende Erdbeben 2010 in Haiti hat ein gemeinsames Forschungsteam des schwedischen Karolinska-Instituts und der Columbia-Universität in den USA die Telefondaten von zwei Millionen Handys im haitianischen Mobilfunknetz ausgewertet.

So konnten die Vereinten Nationen und andere humanitäre Organisationen die Bewegungen der Bevölkerung während der Hilfsaktionen und des Choleraausbruchs nachvollziehen. Betroffene Gebiete konnten schneller ausfindig gemacht und die dringend gebrauchten Helfer und Hilfsgüter effizienter eingesetzt werden.

Handys sind weit verbreitet

Auch in Afrika sind Handys selbst in den ärmsten Regionen weit verbreitet. Ein Telekommunikationsanbieter aus dem Senegal stellte einer schwedischen Hilfsorganisation anonymisierte Verbindungsdaten von 150.000 Handys zu Verfügung.

Diese erstellte daraus eine detaillierte Karte der typischen Bevölkerungsbewegungen in der Region. Dank dieser Informationen können die Helfer besser entscheiden, wo Behandlungszentren und Check-Points aufgebaut werden sollten und welche Reisehinweise veröffentlicht werden, um die Krankheit einzudämmen.

Überblick über Bewegungen in Echtzeit

Ein Nachteil dieser Methode ist die veraltete Datengrundlage. Die Bewegungsmuster von Menschen ändern sich gerade in Zeiten einer Epidemie, darum brauchen die Helfer einen Überblick über die Bewegungen in Echtzeit. Zudem ist die Reichweite der Daten regional auf den Senegal begrenzt.

Diese drei Maßnahmen können die Ebola-Seuche mit der Hilfe von Big Data eindämmen:

  • 1. Das Gebiet, aus welchem Daten zur Verfügung stehen, muss auf die gesamte Region Westafrikas inklusive der 2,1 Millionen Handynutzer erweitert werden.
  • 2. Die Aktivitäten der Mobilfunkmasten müssen gesammelt werden, um herauszufinden, von wo aus am häufigsten der Notruf gewählt wird. Zusammen mit visualisierten Daten zu Bevölkerungsdichte und -bewegungen kann dies einen möglichen Ebola-Ausbruch signalisieren.
  • 3. Diese Daten sollten mit Zensusdaten abgeglichen werden, um ein detailliertes Bild des Status Quo zu erstellen.

Bis vor kurzem mussten sich Hilfsorganisationen und Regierungen auf anekdotische Einzelinformationen, Befragungen vor Ort, Polizei- und Krankenhausberichte verlassen. Mit Hilfe von Big Data können die Helfer nun antizipieren, wie sich eine Krankheit voraussichtlich ausbreiten wird.

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