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Kommentar von Friederike Truthe, Ubimax Mit Augmented Intelligence zur hybriden Belegschaft

| Autor / Redakteur: Friederike Truthe / Nico Litzel

Die aktuelle Pandemie zeigt, wie essenziell es ist, Arbeitsprozesse zu digitalisieren und damit unabhängiger von externen Einflüssen zu machen. Digitale Transformation ist deshalb mehr denn je Thema der Stunde vom Mittelstand bis zum Großkonzern. Durchdachte Digitalstrategien helfen Unternehmen, krisenfest zu sein und schaffen langfristig gesehen weitere Wettbewerbsvorteile.

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Die Autorin: Friederike Truthe ist PR & Marketing Managerin bei Ubimax
Die Autorin: Friederike Truthe ist PR & Marketing Managerin bei Ubimax
(Bild: Ubimax)

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde und reiht sich damit ein in die Industrietrends, an denen kaum ein Unternehmen gerade vorbeikommt. Doch welchen Mehrwert bietet KI eigentlich für Arbeitsprozesse? Mit Künstlicher Intelligenz hat man es zu tun, wenn Maschinen Dinge tun, für deren erfolgreiche Ausführung man beim Menschen Intelligenz unterstellt. KI ist eine Methode, die zu verstehen versucht, wie Arbeitsprozesse von statten gehen. Mithilfe der gesammelten Informationen können dann im nächsten Schritt Verbesserungen für die Abläufe gefunden werden, denn die Systeme erkennen auch, wo der Prozess vielleicht fehleranfällig ist.

Dieses Prinzip, Prozessdaten brauchbar zu machen, ist bereits allgegenwärtig. Laut einer Studie von PwC planen 71 Prozent der Unternehmen, KI zur Unterstützung menschlicher Arbeit einzusetzen und lediglich 20 Prozent, vollkommen auf autonome Systeme zu setzen. Aber wie geht es weiter, wenn die KI-gestützten Daten gesammelt und ausgewertet sind? Hier kommen sogenannte Wearables ins Spiel.

Wearable Computing macht KI nutzbar

In Verbindung mit Wearable-Computing-Geräten, wie Smartphones und Smartwatches aber auch Smart Glasses, hat der Mensch Zugriff auf die digitalen Entscheidungshilfen der KI und kann diese aktiv in seinen Arbeitsprozess einbinden. Wearables sind vollends in manuelle Prozesse eingebettet und äußerst flexibel einsetzbar, da sie direkt am Körper getragen werden.

Während Smartphones und -watches bereits im privaten Kontext zum Alltagsrepertoire gehören, sind Datenbrillen besonders in der Industrie beliebt. Direkt im Sichtfeld zeigen sie Nutzern kontextrelevante Informationen an. Gleichzeitig bleiben beide Hände der Arbeiter für die manuellen Arbeitsschritte frei. Dank dieser Erleichterungen konnten sie sich in den letzten Jahren im industriellen Umfeld mehr und mehr etablieren. In Kombination mit KI spielen sie nun noch mehr Vorteile aus und schaffen einen neuen Teilbereich: Augmented Intelligence.

Bei der sogenannten Augmented Intelligence ersetzt KI menschliche Arbeit nicht, sondern unterstützt und erweitert diese. Menschliche Entscheidungsprozesse werden durch Datenanalysen und Auswertungen erleichtert und beschleunigt. Die Künstliche Intelligenz analysiert dabei große, vom Menschen kaum erfassbare Datenmengen und zeigt dem Anwender gefundene Muster und Ergebnisse auf, ohne diese aber konkret zu interpretieren. Diese Aufgabe fällt dem Benutzer zu, der seine eigenen Schlüsse aus den gefundenen Datenmustern ziehen kann.

Anwendungsbeispiele für Augmented Intelligence

Spätestens seitdem Assistenzsysteme wie Alexa Einzug in die Wohnzimmer des Landes erhalten haben, ist Sprachsteuerung Teil unserer Realität. Doch auch im industriellen Kontext spielt Sprache eine wichtige Rolle zur Prozesssteuerung mithilfe von Wearables. Datenbrillen lassen sich über Sprachbefehle steuern und ermöglichen ein vollends freihändiges Arbeiten. Die Coca Cola Hellenic Bottling Company optimiert so ihre Logistikprozesse. Doch auch Inspektionsberichte lassen sich mithilfe der Speech-to-Text-Funktionalität im laufenden Prozess aufnehmen.

Ein weiteres Beispiel ist die intelligente Bilderkennung. Datenbrillen können Machine-Learning-gestützt beispielsweise die Ist- und Soll-Zustände von gefertigten Produkten miteinander vergleichen oder bemerken, ob Mitarbeiter in der Lebensmittelindustrie ihre Handschuhe tragen. Diese Anwendung sichert die Qualitätskontrolle zusätzlich ab. Im Wartungsbereich führt die Auswertung maschinenintrinsischer Daten dazu, dass Wartungen termingenau stattfinden. Ein ins System angemeldeter Arbeiter bekommt per Datenbrille eingeblendet, wenn eine Wartung nötig wird und kann diese in seinen Arbeitstag integrieren. Dadurch wird unter anderem verhindert, dass ein übermäßiger Verschleiß beispielsweise zu einem größeren Ausfall führt. Die Anleitung im Wartungsprozess inklusive der Interpretationsvorlagen bestimmter Daten können dann wiederum über die Datenbrille wiedergegeben werden.

Gleichzeitig helfen Wearable-Computing-Anwendungen auch dabei, Daten zu sammeln, die dann wiederum mithilfe von KI ausgewertet werden können. Neben relevanten Daten zur wirtschaftlichen Optimierung der Prozesse fallen zum Beispiel arbeitsschutzrelevante Fehlhaltungen bei bestimmten Tätigkeiten sein, mit denen Prozesse auch hinsichtlich ergonomischer Gesichtspunkte verbessert werden können. Oder aber die Software zeigt an, dass für eine bestimmte Aufgabe ein falsches Werkzeug zum Einsatz kommt und korrigiert dies simultan zum Arbeitsschritt.

Mit Augmented Intelligence zur hybriden Belegschaft

Insgesamt lässt sich festhalten: Wo große Mengen an strukturierten oder unstrukturierten Daten vorliegen, ist KI wesentlich schneller und auch zuverlässiger, ein Problem zu analysieren als der Mensch es ist. Doch die Entscheidungshoheit über die Gestaltung der meisten Prozesse liegt noch immer beim Arbeiter. Mithilfe von Wearables werden Abläufe im laufenden Prozess optimiert. Indem der Mensch Zugriff auf die KI-gestützten Daten genau dann bekommt, wenn er sie benötigt, entstehen Mehrwerte für Arbeitnehmer als auch für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Augmented Intelligence kann dazu beitragen, dass die Grenze zwischen digitalen und physischen Arbeitsabläufen verschwimmt. Die enormen Datenmengen, die Maschinen und Produkte austauschen, werden mithilfe leistungsstarker Wearables nutzbar gemacht. Wie bei jeder Einführung einer neuen Technologie ist es auch bei der Einführung und produktiven Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen eine große Herausforderung, die Mitarbeiter nicht abzuhängen. Wearables sind hier eine gelungene Brückentechnologie, da die Nutzung im Kern schon bekannt ist. Zusätzlich lassen sie sich innerhalb kürzester Zeit in Unternehmen einführen und können auch in der aktuellen Krise Linderung von Engpässen schaffen und Arbeiter unterstützen.

Der Annahme, dass die neuen Technologien den Menschen die Arbeit wegnehmen, stellt sich der Ansatz von Augmented Intelligence klar in den Weg! Die Kombination aus KI und Wearable Computing schafft neue Potenziale und vergrößert die menschliche Leistungsfähigkeit in der Industrie ad hoc.

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