Enterprise-Data-Warehouse-Plattform bei Munich Re Migration auf SAP Analytics Cloud erfolgreich bewältigt

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Munich RE hat Mitte vergangenen Jahres ein Projekt zur Einführung eines neuen Enterprise Data Warehouses (EDWH) für Rückversicherungsdaten erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde das klassische Reporting von Rückversicherungsdaten im Legacy-System „Global Data Warehouse (GDWH)“ auf eine moderne Business-Intelligence-Plattform migriert, die auf SAP BW on HANA basiert. Ziel des Projekts war die Implementierung der technischen Voraussetzung für die Anwendung moderner Business Intelligence für Rückversicherungsdaten.

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Das Hauptgebäude (Gartenansicht) der Munich Re
Das Hauptgebäude (Gartenansicht) der Munich Re
(Bild: © Munich Re / Marcus Buck, München)

Anspruch war es, die technischen Betriebskosten um 35 Prozent zu reduzieren und mit der globalen Informationsplattform den Grundstein für die Realisierung von signifikanten Einsparpotenzialen bei der Produktion, Maintenance und dem Konsum von Rückversicherungsinformationen zu legen.

Achim Junglas, Bereichsleiter für Rückversicherungscontrolling bei der Versicherungsgesellschaft Munich Re, stellte das Migrationsprojekt auf den Technologietagen der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) vor. Die technischen Feinheiten des Projekts gelangten nur einem ausgewählten Besucherkreis zur Kenntnis.

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Die Gründe für das Projekt waren vielfältig. „Munich Re nutzte mit dem GDWH ein gut zehn Jahre altes Legacy-System, welches uns zunehmend vor immer größere Herausforderungen stellte“, so Junglas. Neue Geschäftsstrukturen und eine veraltete Architektur führte in vielen Fällen zu individuellen Lösungen bei der Informationsgewinnung, die wiederum das Potenzial für inkonsistente Sichten auf die Daten erhöhten. Die jeweiligen individuellen Lösungen waren nicht immer global transparent, und führten – abgesehen von der Erstellung – auch in der Maintenance und im Konsum der Daten zu erhöhten Kosten und zeitlichem Verzug.

Ein wesentlicher Aspekt der BI-Vision in der Munich Re – neben der fehlerfreien und effizienten Informationsbereitstellung – ist ein exzellentes Reporting. Diese Anforderung kann nun auf Basis der neuen Plattform mit einem Single Point of Truth durch moderne Visualisierungen mit einer global einheitlichen Notation erfolgen. „Die ETL-Ladevorgänge (Extraktion, Laden, Transformation) im GDWH dauerten viel zu lang“, so Junglas, „und die Möglichkeiten der Datenanalyse waren begrenzt, besonders zwischen verschiedenen Systemen.“ Kurz gesagt: Die Legacy-Reporting-Technologie war ebenso veraltet wie das zugrundeliegende Datenmodell.

Zielsetzung

Hauptziel des Projektes war es, mit dem neuen Warehouse die technische Voraussetzung zu schaffen, alle erforderlichen Informationen für die Beantwortung von rückversicherungstechnischen Fragen über den Produktlebenszyklus Planung, Vertragsabschluss (Pricing), Abrechnung (Actuals) und Monitoring in einem „Single Point of Truth“ (SPOT) bereitzustellen. Ein wesentliches Nebenziel war die Ablösung des alten GDWH durch eine effizientere und kostengünstigere moderne Warehouse-Lösung. „Wir wollten einen weltweit gültigen Reporting-Prozess, der das Top-Management mit fehlerfreien, effizienten und exzellentem Reporting begeistert“, fasst Junglas zusammen. „Es gab handfeste wirtschaftliche Vorgaben, nämlich die Reduzierung der Wartungskosten in der IT um 35 Prozent sowie die massive Reduzierung der fachlichen Aufwände bei Produktion, Maintenance und -Konsum von Rückversicherungsdaten.“ Hinter der Investition stand von Anfang an ein harter Business Case.

Aus der digitalen Dynamisierung des Geschäfts und der bevorstehenden, disruptiven Veränderung der Rechnungslegung in der Versicherungsbranche (IFRS17) resultierten hohe Anforderungen an das neue EDWH. Sowohl durchschnittliche als auch Nutzer mit Expertenwissen sollten in der Lage sein, Informationen zur Beantwortung ihrer Fragestellungen leicht und intuitiv zu konsumieren. Auf der Grundlage eines allgemeingültigen, konsistenten „Universums“ von Daten sollte die Erstellung von erforderlichen Sichten für den jeweiligen Informationsbedarf ohne genaues Wissen über das Frontend möglich sein.

Die zur Informationserstellung erforderliche Algorithmik ist im neuen EDWH zentralisiert und transparent. Durch global abgestimmte KPIs herrscht in der Kommunikation semantische Einheitlichkeit, sodass beispielsweise jede Abteilung dasselbe meint, wenn sie etwa von „Umsatz“ oder „Gewinn“ spricht, und zwar weltweit.

Mit der im neuen Datenmodell zentralisierten Algorithmik und einer um den Faktor 10 reduzierten Anzahl erforderlicher Queries wurde bei täglich steigender Komplexität im Datenuniversum eine zuvor unerreichte Transparenz erreicht. Nahezu jede Information lässt sich eindeutig auf ihren Ursprung zurückverfolgen. Jedes Problem mit der Datenqualität kann schnell und eindeutig auf seine Ursache hin untersucht werden. Die Möglichkeiten für die Datenanalyse werden in einer gemeinsamen Reporting Suite mit aus dem EDWH vererbten Berechtigungen in einer einheitlichen Notation signifikant erweitert (Governed Self-Service).

Herausforderungen

Das Enterprise Data Warehouse stand und steht vor der Herausforderung, aus dem stetig wachsenden Datenvolumen genau das relevante Bit an Information für die Beantwortung einer spezifischen Fragestellung zu destillieren. Eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung des neuen Data Warehouses sei es gewesen, bei dem stetig wachsenden Datenvolumen einen praktikablen und funktionierenden Architekturansatz mit dem SAP-Technologie-Stack zu finden. Der mit SAP zusammen erarbeitete Ansatz einer zentralen und umfassenden Architektur für das neue Data Warehouse sollte nachhaltig durch die SAP-Produktstrategie gestützt werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Definition einer für Munich-Re-Zwecke nachhaltigen SAP-Architektur machte das Projekt im erwarteten zeitlichen und inhaltlichen Rahmen gute Fortschritte.

Bei der Frontend-Verwendung setzt Munich Re neben SAP Analytics for Microsoft Office (AFO) und Microsoft Power BI zunehmend auf die SAP Analytics Cloud (SAC). Die Funktionalitäten der SAC holen laut Junglas im Vergleich zu MS Power BI stetig auf, und für dedizierte Use Cases bietet sich die SAC schon heute wegen vererbter Berechtigungen, integrierter IBCS-Kompatibilität und in sich abgestimmter Datenversorgung aus dem SAP Warehouse als die präferierte Lösung an. „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die zukünftig intensivere Umsetzung von SAC-Visualisierungen ist die mögliche Hinzunahme von dritten Datenquellen neben dem SAP-Warehouse.“

Umsetzung & Ergebnisse

Durch die anfängliche Findungsphase für eine tragfähige SAP-Architekturvariante verzögerte sich der angepeilte Projektplan. Nachdem dieser Meilenstein jedoch umgesetzt wurde, bewegte sich die Implementierungsdauer des Projekts für seine Größenordnung in einem erwarteten Rahmen. Der Go-Live des EDWH erfolgte in mehreren Business-Integrationsphasen (BIP) von Juni 2018 bis Juni 2020: Von 134 Views über 318 Views zu schließlich 474 Views für über 3.000 User weltweit.

Statt eines Big-Bang-Ansatzes setzte die Munich Re auf eine inkrementelle Einführung, bei der das bisherige GDWH sukzessive bis Ende 2020 stillgelegt wurde. Das neue EDWH dient dem Business Intelligence Competence Center (BICC) Team als technische Grundlage zur Umsetzung der BI Vision innerhalb Munich RE. Wesentlich für eine aus der Anwenderperspektive funktionierende Business Intelligence ist neben der technischen Grundlage die Implementierung einer zum Unternehmen passenden, globalen Governance, die den Wandel vom klassischen Berichtswesen hin zur moderner Business Intelligence unterstützt. Governance darf hier nicht als ein einschränkendes, bürokratisches Regelwerk wahrgenommen werden, sondern muss aus Anwendersicht einen unmittelbaren und offensichtlichen Nutzen bei der Informationsverwendung erzeugen.

Das BI Competence Center (BICC) stellt mit seinem Enterprise Data Warehouse nicht nur global einheitliche Informationsprozesse für interne Rückversicherungsdaten für 3.000 Nutzer sicher, sondern auch einen globalen „Ort“, wo diese Daten unabhängig vom verwendeten Frontend zu finden sind – den BI One-stop-Shop – kurz BIOSS. „Der BIOSS ist der zentrale Anlaufpunkt für alle Informationen rund um Business Intelligence für unsere Rückversicherungsdaten und hat sich global als sehr hilfreich erwiesen“, resümiert Junglas.

Ausblick

Nach Angaben von Achim Junglas plant das BICC in einem nächsten Schritt eine signifikante Konsolidierung der über die Jahre gewachsenen unterschiedlichen Sichten auf das Rückversicherungsgeschäft. Auf Basis von einheitlichen KPIs und der einheitlichen Notation zur Informationsdarstellung kann hier ein großes Einsparpotenzial bei der Informationserstellung, -haltung und dem Konsum der Informationen realisiert werden. Desweiteren wird mit dem anwenderfreundlichen Governance Framework auf Basis des Single Point of Truth am Wandel vom klassischen Reporting hin zu einer modernen Business Intelligence gearbeitet.

Die bevorstehenden Herausforderungen der Digitalisierung, der sich weiterentwickelnden Geschäftsstrukturen und der neuen Rechnungslegung IFRS 17 können durch die angestrebte, exzellente Informationsbereitstellung maßgeblich unterstützt werden. Ziel ist es mithilfe von Business Intelligence ein globales, in sich konsistentes und einer gemeinsam gelebten Governance folgendes Informationsnetzwerk zu etablieren. „Damit wird Munich Re in der Lage sein, für sein Rückversicherungsgeschäft auf globaler Ebene, die relevanten Informationen zur Beantwortung der Fragestellungen von morgen schnell und zielgerichtet verfügbar zu machen“, resümiert Junglas.

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